In der letz­ten Spiel­zeit wur­de erneut deut­lich, welch star­ke Stü­cke von Gott­fried von Ein­ems Lite­ra­tur­opern Dan­tons Tod und Der Besuch der alten Dame sind. Das gilt auch für den kon­zer­tan­ten Mit­schnitt von Der Pro­zess bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len 2018, bei denen die­se „neun Bil­der in zwei Tei­len“ 1953 unter Karl Böhm zur Urauf­füh­rung gelang­ten. Die Hom­mage diri­gier­te HK Gru­ber, der in sei­nen eige­nen Opern eine ver­gleich­ba­re kom­po­si­to­ri­sche Wen­dig­keit zeigt. Man hört in die­ser Kaf­ka-Ver­to­nung deut­lich, wie von Einem Kurt Weills Patch­work von Sti­len und musi­ka­li­schen Mus­tern sinn­fäl­lig wei­ter­treibt. Die meist tona­le Par­ti­tur macht den Weg des Herrn K. von der Ver­haf­tung bis zur dro­hen­den Hin­rich­tung zu einem moto­risch auf­hei­zen­den, statt düs­te­ren Spiel. Von Einem griff hier Mit­tel der Zeit­opern vor 1933 kurz­wei­lig auf. Die Neu-Ein­spie­lung glänzt mit einem Ensem­ble auf hohem Niveau.  

Gott­fried von Einem: „Der Pro­zess“, Micha­el Lau­renz, Jochen Schme­cken­be­cher, Mat­thä­us Schmid­lech­ner u.a., Radio-Sym­pho­nie­or­ches­ter Wien, HK Gru­ber (Capric­cio)

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.

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