Haydn-Abenteuer in London

Sir Simon Rattle

Nach 16 Jahren an der Spitze der Berliner Philharmoniker kehrt Simon Rattle auf die Insel zurück und übernimmt das LSO, Londons bestes Orchester. Und was setzt er bei einem seiner ersten Konzerte aufs Programm – nicht Elgar oder Vaughan-Williams, sondern Haydn, den größten Meister des Understatements und den britischsten aller Klassiker. Er dirigiert auch kein „normales“ Programm, sondern eine ganz persönliche Auswahl von Favorit­stücken, die er zu einem elfteiligen „Imaginary Orchestral Journey“ bündelt: Dieses „Best of“ enthält die wunderbaren Introduktionen zur Schöpfung oder zum Winter aus den Jahreszeiten, eine selten gespielte Opernouvertüre, sowie ein halbes Dutzend extravaganter Symphoniesätze, die allesamt den musikalischen Revolutionär Haydn aufleuchten lassen und die noch heute durch ihre Modernität verblüffen oder ihre schlichte Schönheit bezaubern. Das mit nur acht ersten Geigen schlank besetzte Londoner Toporchester folgt seinem neuen Chef mit großer Hingabe und unterstreicht sehr eindringlich seine stilistische Flexibilität: Sie klingen wie eine hochsensible „historisch orientierte“ Originalklang-Truppe. Auf weitere Haydn-Abenteuer der neuen Liaison darf man gespannt sein.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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