Beethovens Messe in C‑Dur op. 86 steht von jeher ein wenig im Schatten der „großen Schwester“ Missa Solemnis. Sie offenbart nicht wie jene das große Ringen, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Glauben, bietet aber ebenfalls eine reiche Palette an Ausdrucksnuancen und individuellen Deutungen des liturgischen Textes. Diese lässt Mariss Jansons mit seinem großartigen BR-Symphonieorchester und Chor auf faszinierende Weise hörbar werden, vom wie aus dem Nichts kommenden Beginn über eindringliche Piano-Geflechte bis hin zur großen Klangdemonstration; immer unpretenziös, sinnlich und differenziert. Für Jansons gehört Beethoven definitiv zur Romantik, dennoch ist der Klang schlank, flexibel und ohne aufgesetzten Pomp; eine Lesart, die auch das homogene, kultiviert singende Solistenquartett mitträgt. Als „Rausschmeißer“ gibt es eine fulminante, mit sinfonischem Feueratem gespielte Leonore III. 

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