Willkommen in der neuen Klassik-Woche,

heu­te ver­ab­schie­den wir das Offen­bach-Jahr 2019 und freu­en uns auf das Beet­ho­ven-Jahr 2020. Der letz­te News­let­ter für die­ses Jahr – mit einem Rück­blick und gro­ßer Freu­de auf das, was kommt…. 

WAS IST

KRISE DES CONCERTGEBOUWORKEST 

Hat uns das gan­ze Jahr lang beschäf­tigt – und bleibt unbe­stän­dig: das Orches­ter des Con­cert­ge­bouw in Ams­ter­dam

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Es galt als bes­tes Orches­ter der Welt – und ist rasant abge­stie­gen. Jetzt geht Con­cert­ge­bou­wor­kest-Chef Jan Raes, wohl auch, weil er die Affä­re um den Diri­gen­ten Danie­le Gat­ti tita­nisch schlecht im Griff hat­te. Einen Nach­fol­ger gibt es nicht, nur einen Über­gangs­kan­di­da­ten: David Bazen. Aber nicht nur für Musik-Mana­ger scheint das Orches­ter inzwi­schen ein No-Go zu sein, son­dern auch für Diri­gen­ten. Wir dür­fen davon aus­ge­hen, dass bereits eini­ge Maes­tri (Jaap van Zweden etc.) gefragt wur­den, Gat­tis Pos­ten zu über­neh­men: Aber kei­ner will!  

WENN DIE LICHTER AUSGEHEN

Fach­kräf­te­man­gel ist nicht nur in der all­ge­mei­nen Wirt­schaft ein gro­ßes The­ma, son­dern auch auf unse­ren Büh­nen! Bis 2030 wer­de es einen Bedarf von über 2.500 Stel­len allein in Deutsch­lands Thea­ter­land­schaft geben, sagt Marc Grand­mon­ta­gne vom Deut­schen Büh­nen­ver­ein dem Deutsch­land­funk: „Aus eige­nen Kräf­ten wer­den wir das nicht stem­men kön­nen.“ Beson­ders eng wer­de es bei Beleuch­tern, Rüst­meis­tern oder Damen­schnei­dern – dabei sei­en Thea­ter ein per­fek­ter Ort zur Meis­ter-Aus­bil­dung. Aber Bezah­lung und Arbeits­be­din­gun­gen bei Pri­vat­un­ter­neh­men sei­en ein­fach bes­ser.

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Das Royal Ballet im Kino erleben:
„Dornröschen“

Das wun­der­schö­ne klas­si­sche Bal­lett am 16. Janu­ar live
auf der Kino­lein­wand – ein Genuss!

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SCHLÄGEREI UND SCHLECHTE SITTEN

In einer Sieg­fried-Auf­füh­rung der Roy­al Ope­ra kam es zur Schlä­ge­rei: Ein Mann hat­te einen bes­se­ren, frei­en Sitz okku­piert – was ihm Prü­gel im Vor­spiel der Oper ein­brach­te. In der FAZ berich­tet Gina Tho­mas nun über das Gerichts­ver­fah­ren: „Im Ver­fah­ren, das der Desi­gner spä­ter anstreng­te, befand der Rich­ter zu sei­nen Guns­ten. Der Ange­klag­te, ein in Oxford aus­ge­bil­de­ter Anwalt, des­sen Name Fear­grie­ve (wört­lich Furcht­trau­ern) wie aus einem Dickens-Roman klingt, wur­de wegen tät­li­chen Angriffs ver­ur­teilt und gegen Kau­ti­on ent­las­sen. Die Straf­zu­mes­sung erfolgt im Janu­ar.“ 

PERSONALIEN WIENER STAATSOPER

Öster­reichs Kul­tur­mi­nis­ter Alex­an­der Schal­len­berg stell­te die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wirt­schafts­lan­des­rä­tin Petra Bohus­lav (ÖVP) als kauf­män­ni­sche Direk­to­rin der Wie­ner Staats­oper vor. Eine Wahl, die für Irri­ta­ti­on sorgt. Wäh­rend der desi­gnier­te Inten­dant Bog­dan Roščić der­zeit irri­tiert, unter ande­rem weil durch­ge­si­ckert ist, dass der Ex-Plat­ten­boss einen Groß­teil der Sän­ger ent­las­sen hat, kaum Eigen­pro­duk­tio­nen plant und eher einen Spiel­plan nach Mar­ke­ting-Kon­zep­ten als nach Kunst-Visio­nen auf­stellt, regt sich nun auch poli­ti­scher Wider­stand gegen sei­ne desi­gnier­te kauf­män­ni­sche Direk­to­rin. Die Par­tei NEOS fragt, „ob die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­rä­tin unter den 53 Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern tat­säch­lich objek­tiv die Best­qua­li­fi­zier­te war.“

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Beethoven bewegt BR-KLASSIK

Ent­de­cken Sie den Kom­po­nis­ten in Pod­casts, Kon­zer­ten, im TV, Radio und online.
Ein gan­zes Jahr – immer neu – immer über­ra­schend!

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JAHRESRÜCKBLICK: DAS WAR 2019

Vie­le Trä­nen haben wir 2019 für sie ver­gos­sen: Jes­sye Nor­man

INSZENIERUNGEN DES JAHRES

2019 war ein ziem­lich schril­les und que­res Opern-Jahr: Mei­ne Top-Drei-Insze­nie­run­gen waren der Road-Movie-Tann­häu­ser von Tobi­as Krat­zer bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len, Die Nase in der Insze­nie­rung von Karin Bei­er an der Staats­oper Ham­burg und Orpheus in der Unter­welt bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len von Bar­rie Kos­ky.

DIE KLASSIK-PAARE DES JAHRES

Mir gefiel die Auf­stel­lung der Power-Paa­re der Klas­sik 2019, die Kol­le­ge Nor­man Leb­recht in sei­nem Blog auf­lis­tet – die Über­ra­schungs-Top-Drei (neben Anna Netreb­ko und Yusif Eyva­zov) sind wahr­schein­lich: Tenor Rober­to Alagna und die Sopra­nis­tin Alek­san­dra Kurzak, die Sän­ge­rin Kate Roy­al und der Film­schau­spie­ler Juli­an Oven­den und die Paa­rung David Fray (Pia­nist) mit Regis­seu­rin Chia­ra Muti, Toch­ter von Ric­car­do Muti

TRÄNEN DES JAHRES

Viel zu viel Trä­nen flos­sen im ver­gan­ge­nen Jahr. Und es waren Legen­den, die gin­gen – zum Teil die letz­ten ihrer Art. Wir haben ihnen an die­ser Stel­le wort­reich nach­ge­sun­gen: Aber es fehlt ein Stück Visi­on und Mensch­lich­keit ohne Per­sön­lich­kei­ten wie den Diri­gen­ten Mariss Jan­sons.  Ohne den ori­gi­nel­len, krea­ti­ven, zuwei­len sehr lus­ti­gen – und stets hand­werk­lich genia­len Kom­po­nis­ten Hans Zen­der, ohne die Pia­nis­tin Dia­na Ugor­ska­ja, deren letz­te Auf­nah­me nun post­hum erschie­nen ist, ohne den Kom­po­nis­ten Jac­ques Lous­sier, den Diri­gen­ten Micha­el Gie­len, das Mul­ti-Genie André Pre­vin und natür­lich ohne die ein­zig­ar­ti­ge: Jes­sye Nor­man

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Beethoven wird 250! Entdecken Sie den großen Komponisten neu!

In der CRE­SCEN­DO-Son­der­aus­ga­be lesen Sie, was ihn so beson­ders macht, sei­ne Jugend, sei­ne Lie­be, sein Leben. Dazu vie­le Musik­emp­feh­lun­gen und Ver­an­stal­tungs­tipps im offi­zi­el­len Maga­zin BTHVN2020.
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DIE ÄRGERNISSE DES JAHRES

… waren natür­lich #metoo und der Umgang damit: Am bes­ten zu sehen am Bei­spiel Sieg­fried Mau­ser, der noch jetzt der WELT ein absurd lar­mo­yan­tes Inter­view gab. Ein wich­ti­ges The­ma, das uns auch 2020 beglei­ten wird – hof­fent­lich mit weni­ger Schaum vor dem Mund, mensch­li­cher Abwä­gung – und: einem Ohr für die wirk­li­chen Opfer! Ent­täu­schend war auch so eini­ges ande­res. Um so span­nen­der war es, all das hier aus­zu­de­bat­tie­ren: Etwa den Streit um Nike Wag­ner in Bonn, um die Gegen­wart der Kom­po­si­ti­ons­kunst am Bei­spiel von Guy Deut­scher, über die Zukunft der Salz­bur­ger Oster­fest­spie­le und… und … und. Die Klas­sik braucht, wie jede Nische der Demo­kra­tie, Trans­pa­renz und einen frei­en Dis­kurs! Das ist nicht immer leicht und sorgt zuwei­len auch für Beschimp­fun­gen, wie ich anhand die­ses News­let­ters fest­ge­stellt habe – aber es macht Spaß, die­sen Debat­ten ein Forum zu sein!

PERSONALIEN DER WOCHE

18 Minu­ten Applaus für Pláci­do Dom­in­go in Mai­land – das freu­te den Star-Sän­ger so sehr, dass er drei Zuga­ben gab – die letz­te, „No pue­de ser“, obwohl das Orches­ter schon zu Hau­se war. +++ Anna Netreb­ko erklär­te dem Tages­spie­gel, dass sie kei­ne Lust mehr auf sechs Wochen Pro­ben habe. Klar, es lässt sich kon­zer­tant mehr Geld ver­die­nen – aber Mal unter uns: Wann genau hat die Netreb­ko denn das letz­te Mal sechs Wochen geprobt? 2002 beim Salz­bur­ger „Don Gio­van­ni“? +++ Ursu­la Hasel­böck wird die Fest­spie­le in Meck­len­burg-Vor­pom­mern mit „alpen­län­di­schem Esprit“ bele­ben, wie es Fes­ti­val-Mit­be­grün­der Mat­thi­as von Hül­sen aus­drück­te. Hasel­böck kommt vom Gra­fen­egg Fes­ti­val und vom Kon­zert­haus Ber­lin, ihr Vor­gän­ger, Mar­kus Fein, wech­selt an die Alte Oper nach Frank­furt. 

FROHE WEIHNACHTEN UND EIN TOLLES 2020

Wird auch die­sen Sil­ves­ter im ZDF diri­gie­ren: Chris­ti­an Thie­le­mann

Für mich war 2019 ein span­nen­des Jahr – auch, weil wir uns bei CRESCENDO ent­schlos­sen haben, die­sen News­let­ter zu star­ten, der Ihnen hof­fent­lich eben­so viel Spaß macht wie mir (natür­lich wür­den wir uns sehr freu­en, wenn Sie auch Ihren Freun­den von uns berich­ten). Außer­dem ist es schön, auf Spo­ti­fy monat­lich neue Gäs­te begrü­ßen zu dür­fen. Über­haupt sehe ich in all mei­nen Film- und Buch­pro­jek­ten über­all: Die Klas­sik lebt und vibriert – innen wie außen!

Brüg­ge­manns Klas­sik-Woche ist 2019 als Expe­ri­ment gestar­tet. Es ist eine wun­der­ba­re Her­aus­for­de­rung, jede Woche am Puls der Zeit zu sein: egal, ob die Beset­zung des Chef­pos­tens im Wie­ner Musik­ver­ein, das Dra­ma um die Oster­fest­spie­le in Salz­burg oder die Zukunft des Fern­se­hens – ich freue mich, dass Sie an die­ser Stel­le in der Regel als ers­te infor­miert wur­den. Ich freue mich über das Ver­trau­en all jener, die mit mir debat­tie­ren, strei­ten oder argu­men­tie­ren.

Und weil das Jah­res­en­de auch Rück­blick und Ein­kehr bedeu­tet, hier noch der Abschluss eines Dau­er-The­mas. Mir ist zu Ohren gekom­men, dass in den Rei­hen der Unitel beklagt wird, dass ich zwar sofort über die Unzu­frie­den­heit des ZDF mit dem Sil­ves­ter­kon­zert in Sachen Staats­ka­pel­le Dres­den und Chris­ti­an Thie­le­mann berich­tet hät­te, aber noch nicht geschrie­ben hät­te, dass man sich inzwi­schen auf einen Ver­trag über zwei wei­te­re Jah­re ver­stän­digt habe. Das sei an die­ser Stel­le natür­lich eben­falls nach­ge­tra­gen. Auch, wenn es sich dabei nach mei­nen Infor­ma­tio­nen eher um „nicht künst­le­ri­sche Grün­de“ gehan­delt haben soll. Mit ande­ren Wor­ten: Wir wer­den im neu­en Jahr sehen, wie hoch die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker noch pokern kön­nen.    

Jetzt küm­me­re ich mich erst ein­mal drei Wochen lang um die wesent­li­chen Din­ge des Lebens – und hof­fe, dass wir uns am 13. Janu­ar an die­ser Stel­le wie­der lesen. Bis dahin wün­sche ich Ihnen und den Ihren ein wun­der­ba­res Weih­nachts­fest und ein groß­ar­ti­ges 2020. Vor allen Din­gen aber: hal­ten Sie die Ohren steif

Ihr

Axel Brüg­ge­mann

brueggemann@crescendo.de

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

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