In seiner langen, sechs Jahrzehnte währenden Karriere verwandelte sich der Jahrhundertpianist Vladimir Horowitz vom auftrumpfenden Virtuosen der frühen Jahre zu einem Klangfarbenmagier und Lyriker. Im März 1987, dem Jahr seines Abschieds, ging er in Mailand ein letztes Mal ins Studio, um dort mit dem Scala-Orchester und Carlo Maria Giulini das berühmte A‑Dur-Konzert Mozarts (KV 488) für die Nachwelt zu verewigen. Dieses ungemein frische, jugendlich-lebendige Mozart-Manifest des 83-Jährigen ist jetzt gemeinsam mit der Linzer-Sonate KV 333 in einer digital restaurierten LP-Version wiederveröffentlicht worden, und es unterstreicht nachdrücklich sein nicht nachlassendes emotionales Feuer, seine aufklärerische Klarheit, seinen berückenden Farbenreichtum. Am meisten verblüffte er durch sein unglaublich beredtes, gestenreiches Spiel, das im Wechsel von Zärtlichkeit und Prägnanz die innere Dramatik und die enormen Lebensenergien von Mozarts Klaviermusik freilegte und jeden Anflug von falscher Gefühligkeit ausschloss. Horowitz’ Seele war bis zuletzt jung geblieben.

[amazonproduct asin=„B000001G90“ replace_title=„Wolfgang Amadeus Mozart: „Klavierkonzert 23 / Sonate KV333“, Vladimir Horowitz, Orchestra del Teatro alla Scala, Carlo Maria Giulini (Deutsche Grammophon Production (Universal Music))“]
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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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