Anouchka & Katharina Hack und der Cellist Gautier Capuçon widmen sich Kammermusikwerken Dmitri Schostakowitschs.

Anouchka & Katharina Hack und der Cellist Gautier Capuçon widmen sich Kammermusikwerken Dmitri Schostakowitschs.

Noch ruhige Zeiten sind es, als Dimitri Schostakowitsch 1934 die Cellosonate op. 40 schrieb. Bald wird man ihn in der Prawda diffamieren und drohen mit: „Dieses Spiel kann böse enden.“ Denn Stalin hat nach einer Aufführung 1936 von Lady Macbeth von Mzensk das Theater schweigend verlassen.

Angst vor Verhaftung

Über Monate wird der Komponist in Straßenkleidung auf gepacktem Koffer schlafen aus Angst vor der Verhaftung.

Gautier Capuçon
Zieht mit den Schwestern Anouchka und Katharina Hack alle Register: Gautier Capuçon

Über 40 Jahre später, hochdekoriert und augenscheinlich arrangiert mit dem System, schreibt Schostakowitsch verbittert: „Ich denke viel über das Leben, den Tod und die Karriere nach… Ich bin enttäuscht von mir selbst… davon, dass ich ein sehr grauer, mittelmäßiger Komponist bin.“

Abschiedsgesang

An Lungenkrebs erkrankt und an Beinen und Händen gelähmt, rafft er sich zu der Violasonate op. 147 auf, die posthum uraufgeführt wird. Die Schwestern Anouchka und Katharina Hack und Gautier Capuçon ziehen alle Register, werden dem spätromantischen „cantabilen Ausdrucksgehalt“ von op. 40 ebenso gerecht wie dem Abschiedsgesang von op. 147, einer wehmütigen Fantasie über den Beginn von Beethovens Mondscheinsonate.

Dmitri Schostakowitsch: „Sonatas op. 40 & op. 147, Prelude op. 97”, Duo Anouchka & Katharina Hack, Gautier Capuçon (Genuin)
Zu beziehen u.a. unter: www.jpc.de
Und anzuhören in der NML

Dmitri Schostakowitsch: „Sonatas op. 40 & op. 147, Prélude op. 97”, Duo Anouchka & Katharina Hack, Gautier Capuçon (Genuin)

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Teresa Pieschacón Raphael
„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.