Nachleben der Renaissance

0
344

Aby Warburg hinterließ der Welt ein riesiges unvollendetes Werk: Mnemosyne. Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin zeigt von 4. September bis 30. November 2020 die Originalfotografien jenes legendären Bilderatlas. Und die Berliner Gemäldegalerie stellt 30 jener Kunstwerke aus, die Warburg als Vorlage dienten.

Aby Warburg hinterließ der Welt ein riesiges unvollendetes Werk: Mnemosyne. Das Haus der Kulturen der Welt in Berlin zeigt von 4. September bis 30. November 2020 die Originalfotografien jenes legendären Bilderatlas. Und die Berliner Gemäldegalerie stellt 30 jener Kunstwerke aus, die Warburg als Vorlage dienten.

Aby Warburg war einer der bedeutendsten Kunsthistoriker des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Als ältester Sohn der wohlhabenden Bankiersfamilie Warburg verkaufte er sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder, um sich ganz seiner Leidenschaft hingeben zu können, der griechischen Antike und der Renaissance. Vor allem ein großes Projekt, mit dem er sich in seinen letzten Lebensjahren befasste, fasziniert bis heute. Es handelt sich um eine umfangreiche Bildersammlung mit dem Titel Mnemosyne.

Aby Warburg in Rom im Winter 1928/1929
Der Kunsthistoriker Aby Warburg in Rom wenige Monate vor seinem Tod

Mnemosyne war der griechischen Mythologie zufolge die Göttin der Erinnerung, und Warburg wollte jene Kräfte bildlich verdeutlichen und erläutern, die die Entwicklung des abendländischen Geistes bestimmten. So erstellte er eine Bildersammlung, die zwei Themen illustrieren sollte: das Schicksal der Olympischen Götter in der astrologischen Überlieferung und die Rolle der antiken Pathosformel in der nachmittelalterlichen Kunst und Kultur. 

Antike Kunstwerke neben Werbeanzeigen

Auf Tafeln klebte er fotografische Reproduktionen von Kunstwerken aus dem Nahen Osten, der europäischen Antike und der Renaissance neben zeitgenössische Zeitungssauschnitte und Werbeanzeigen. Diese Bildtafeln wollte er in Form eines „Bilderatlas“ veröffentlichen. Im Dezember 1927 kündigte er die Komposition dieses Werkes an. Unglücklicherweise aber konnte er es nicht vollenden. Wie Warburgs Biograf Ernst H. Gombrich schreibt, habe Warburg, als er 1929 gestorben sei, 30 Tafeln hinterlassen, bis an den Rand bedeckt mit Fotografien, aber keine Bildunterschriften und nur kryptische Kommentare.

Die Originalfotografien in ursprünglicher Anordnung

Die Ausstellung „Aby Warburg. Mnemosyne Bilderatlas – das Original“ im Haus der Kulturen der Welt zeigt erstmals seit 1929 die Originalfotografien des Bilderatlas wieder in ihrer ursprünglichen Anordnung. Parallel dazu stellt die Gemäldegalerie unter dem Titel „Zwischen Kosmos und Pathos“ 30 jener Kunstwerke aus, die Warburg als Vorlage seiner enzyklopädischen Bildersammlung dienten. Außerdem erscheint ein umfangreicher Folio-Band zur Ausstellung.

Weitere Informationen zur Ausstellung „Aby Warburg: Bilderatlas Mnemosyne. Das Original“ im Haus der Kulturen der Welt Berlin: www.hkw.de

Und zur Ausstellung „Zwischen Kosmos und Pathos“ in der Berliner Gemäldegalerie: www.smb.museum

Katalog zur Ausstellung das Bilderatlas Mnemosyne von Aby Warburg

Der Katalog zur Ausstellung: Haus der Kulturen der Welt, The Warburg Institute (Hrsg.), Roberto Ohrt und Axel Heil: „Bilderatlas Mnemosyne“ (Verlag Hatje Cantz)
Mehr zu dem Band: www.hkw.de
Zu erwerben u.a. bei: www.amazon.de

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here