Aileen Schneider setzt an der Augsburger Brechtbühne im Gaswerk Philip Glass’ Kammeroper In der Strafkolonie in Szene. Die Premiere ist am 16. Oktober 2021. 

Philip Glass griff für seine Oper In the Penal Colony (In der Strafkolonie) im Jahr 2000 auf eine Erzählung zurück, in der Franz Kafka die Frage der Schuld aufwarf, indem er einen unwiderruflichen mechanischen Strafvollzug ablaufen lässt. Ein Forschungsreisender besucht die auf einer entlegenen Insel eingerichtete Strafkolonie einer europäischen Großmacht und bekommt eine Exekution zu sehen. Diese wird mit einem „eigentümlichen Apparat“ vorgenommen, in dem der Verurteilte seine Schuld auf den Rücken gestochen bekommt, die er sodann aus den Wunden lesen soll.

In der Strafkolonie
Szenenfoto zu Aileen Schneiders Inszenierung von Philip Glass’ Kammeroper In der Strafkolonie an der Brechtbühne im Gaswerk in Augsburg
(Foto: © Jan-Pieter Fuhr / Staatstheater Augsburg)
 

Die Schuld ist immer zweifellos“, lautet die Erläuterung. Mit dem „Ausdruck der Verklärung“ wird der Verurteilte aufgespießt und in eine Grube geworfen. Die spektakuläre Vorführung des Apparats lässt jedoch im Gesicht des Exekutierten ganz und gar nicht den Schein der endlich erreichten Gerechtigkeit erkennen. In seiner Komposition sucht Glass mit meditativen und flirrenden Klängen ebenfalls jene Distanz einzunehmen, mit der Kafka in seinem Text die verstörende Wirkung steigert. Ivan Demidov steht am Pult. Regie führt Aileen Schneider. Die Partie des Forschungsreisenden übernimmt Roman Poboinyi. Den Offizier verkörpert Wiard Witholt. Und der Verurteilte ist Thomas Berchtold.

Weitere Aufführungen von Philip Glass’ Oper In der Strafkolonie an der Brechtbühne im Gaswerk gibt es am 27. Oktober 2021, am 5. November 2021, am 3. und 23. März 2022 sowie am 7. Mai 2022. Informationen dazu unter: staatstheater-augsburg.de

Fotos: Jan-Pieter Fuhr / Staatstheater Augsburg

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Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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