Ein toller Tag

Alex Esposito und Christiane Karg

Alex Esposito und Christiane Karg als Figaro und Susanne in Florian Böschs Amsterdamer Inszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro auf DVD und Blu-ray Disc

La folle journée heißt Mozarts Le nozze di Figaro in der Vorlage von Beaumarchais. Und das sieht man in David Böschs Inszenierung in Amsterdam aus dem Jahr 2016 auch, denn das Feuerwerk an stets zündenden Gags schreit nach Brandpolizei. Ob Graf, der seine Wut am Hometrainer strampelnd in den Griff zu bekommen sucht, oder Marzellina, die Susanna den Brautschleier mit dem Bügeleisen verbrennt; ob Schraubenzieher, Bohrmaschine, Axt oder Gewehr, die hier als durchaus komische Waffen ihre Wirkung nicht verfehlen, oder ein Schlafzimmer, dessen gigantischer Kleiderschrank seine vielen Türen mal mit Fernbedienung, mal magisch öffnet (Bühne: Patrick Bannwart). 

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Die Niederländische Oper zeigt einen Trailer zu ihrer Aufführung, in dem auch der Regisseur David Bösch und die Sänger zu Wort kommen.

Wenn man zu Mozarts genialer Musik, die in allen Schattierungen lachen, weinen oder wütend sein kann, singenden Erzkomödianten so viel Futter gibt, dann ist das Ergebnis beglückend. Alex Esposito hat als Figaro Hummeln im Hintern und singt mit Pfeffer, Stéphane Degout ist als Graf ein geiler, eitler Depp und doch auch attraktiver Bassbariton. 

Traumhaft schönes Singen und schäumende Tempi 

Getoppt werden beide von einem Jüngling in Gestalt Marianne Crebassas, die den pubertierenden, hyperaktiven Cherubino perfekt als Knaben mit verlegen schlackernden Gliedern mimt, der partout nicht weiß wohin mit seinem wild aufflackernden Begehren. Zu dessen Erfüllung hilft sein traumhaft schönes Singen aber mächtig. Christiane Karg verkörpert eine herb-süße Susanna, die einer Gräfin dient, welche in Gestalt von Eleonora Buratto die Inkarnation reifer Liebe ist. Zwar trauert sie in zwei großen Arien intensiv um die erkaltende Zuneigung des geliebten Manns, der sich buchstäblich als Schürzenjäger blamiert. Am Ende verzeiht sie ihm jedoch alles, auch wenn sie ihn gerne erschießen würde. Ivor Bolton feuert das Niederländische Kammerorchester nicht minder heftig an und legt schäumende Tempi vor, lässt an vielen Stellen die Musik aber auch strahlend erblühen. 

Wolfgang Amadeus Mozart: „Le Nozze di Figaro”, Alex Esposito, Christiane Karg, Marianne Crebassa, Netherlands Chamber Orchestra, Ivor Bolton, David Bösch (Arthaus)