Ali­son Bal­som hat ihr neu­es Album „Roy­al Fire­works“ auf der Barock­trom­pe­te ein­ge­spielt. Neben Ori­gi­nal­wer­ken für das Instru­ment gibt es spe­zi­el­le Arran­ge­ments zu ent­de­cken.

CRESCENDO: Wenn man Ihr neu­es Album anhört, wird einem ganz fei­er­lich zumu­te.
Ali­son Bal­som: Ja, das stimmt. Hän­dels Feu­er­werks­mu­sik wirkt sehr fest­lich und stim­mungs­voll. Das liegt ver­mut­lich dar­an, dass die Trom­pe­te zur Ent­ste­hungs­zeit die­ser Wer­ke eigent­lich bei allen wich­ti­gen Anläs­sen benutzt wur­de. Es war das gol­de­ne Zeit­al­ter der Trom­pe­te.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »Ich spiele das komplette Album auf der Naturtrompete.«

CRESCENDO: Neben Hän­dels Feu­er­werks­mu­sik spie­len Sie auf dem Album unter ande­rem spe­zi­ell arran­gier­te Stü­cke aus Johann  Sebas­ti­an Bachs Weih­nachts­ora­to­ri­um. Was ver­bin­den Sie mit die­sem Werk?
Ali­son Bal­som: Ich habe schon als Kind viel Musik von Bach gehört. Das Weih­nachts­ora­to­ri­um habe ich aber tat­säch­lich erst rela­tiv spät ken­nen­ge­lernt und war dann völ­lig gebannt von die­sem Werk. Die­ses Stück ist von voll­ende­ter Per­fek­ti­on.

»Da die Barocktrompete keine Ventile hat, steht einem nur die Naturtonreihe zur Verfügung.«

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CRESCENDO: Was macht die­ses Album für Sie so beson­ders?
Ali­son Bal­som: Der größ­te Unter­schied die­ses Albums zu allen ande­ren Alben, die ich je gemacht habe, ist, dass ich das kom­plet­te Album auf der Naturtrom­pe­te spie­le.

 

Neben Originalwerken für die Trompete gibt es auf dem neuem Album „Royal Fireworks“ von Alison Balsom Arrangements zu entdecken.Ali­son Bal­som hat ihr neu­es Album „Roy­al Fire­works“ auf der Barock­trom­pe­te ein­ge­spielt.
(Alle Fotos der Sei­te von Alson Bal­som: ©Liz­zie Pat­ter­son)

Es gibt ein ziem­lich kla­res aka­de­mi­sches Ver­ständ­nis davon, was mög­lich ist auf die­sem Instru­ment. Da es kei­ne Ven­ti­le hat, steht einem nur die Natur­ton­rei­he zur Ver­fü­gung – man kann also nicht ein­fach einen Vio­lin­part spie­len. Des­halb ist es ziem­lich unge­wöhn­lich, für die Naturtrom­pe­te zu arran­gie­ren – das macht eigent­lich kei­ner. Umso auf­re­gen­der war die­ses Pro­jekt natür­lich für mich. Das war ein Expe­ri­ment – und ein gro­ßer Spaß.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »Die größte Herausforderung bestand darin, verschiedene Klangfarben, Stimmungen und Tonarten zu vereinen.«

CRESCENDO: Das klingt auf alle Fäl­le nach einer enor­men spiel­tech­ni­schen Her­aus­for­de­rung.
Ali­son Bal­som: Ja, das ist es, abso­lut. Wobei die größ­te Her­aus­for­de­rung letzt­lich dar­in bestand, nicht nur Wer­ke in D‑Dur zu spie­len, son­dern ganz ver­schie­de­ne Klang­far­ben, Stim­mun­gen und Ton­ar­ten zu ver­ei­nen.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »Die Energie, die ein Publikum aussenden kann, ist absolut elektrifizierend – das ist wie Magie.«

CRESCENDO: Sie sind ein gro­ßer Fan von Live-Kon­zer­ten, für das Album waren Sie im Stu­dio. Was ist für Sie hier der Unter­schied?
Ali­son Bal­som: Gute Fra­ge. Die Sache ist: Mit der Barock­trom­pe­te kann man sowie­so nicht den gan­zen Tag auf­neh­men, denn die Lip­pen wer­den schnell müde, und man kann nicht vie­le Takes machen. So ist die Auf­nah­me zwar nicht wirk­lich live, aber es gibt trotz­dem nicht so vie­le Schnit­te.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt.

Neben Ori­gi­nal­wer­ken für die Trom­pe­te gibt es auf Ali­son Bal­soms neu­em Album „Roy­al Fire­works“ Arran­ge­ments zu ent­de­cken.

Der größ­te Unter­schied zwi­schen Stu­dio und Kon­zert ist, dass man sich in einem Kon­zert abso­lut öff­nen muss, um eine Bezie­hung zu den Zuhö­rern ein­zu­ge­hen. Die Ener­gie, die ein Publi­kum aus­sen­den kann, ist abso­lut elek­tri­fi­zie­rend – das ist wie Magie.

CRESCENDO: Fehlt das im Stu­dio?
Ali­son Bal­som: Ein biss­chen. Aber wenn man im Ensem­ble für­ein­an­der spielt, kann eine ähn­li­che Art von Elek­tri­zi­tät ent­ste­hen.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »Die Barocktrompete ist weich und vokal. Das ist ein unglaublich inspirierender Klang.«

CRESCENDO: Sie spie­len sowohl die moder­ne als auch die Barock­trom­pe­te. Wo lie­gen hier die Unter­schie­de?
Ali­son Bal­som: Die moder­ne Trom­pe­te ist ein kraft­vol­les Instru­ment mit einem viel wei­te­ren und brei­te­ren Ton und jeder Men­ge Power, gera­de wenn man laut spielt. Die Barock­trom­pe­te hin­ge­gen ist per­fekt für die Barock­mu­sik, sehr weich und vokal. Selbst wenn man sie laut spielt, wird sie nicht domi­nan­ter, son­dern ein­fach nur bril­lan­ter. Das ist ein unglaub­lich inspi­rie­ren­der Klang. Ich lie­be bei­de Instru­men­te, auf ganz unter­schied­li­che Art und Wei­se.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »So gespielt haben die Stücke viel mehr Überzeugungskraft.«

 

CRESCENDO: Wel­che Bedeu­tung hat die his­to­ri­sche Auf­füh­rungs­pra­xis für Sie?
Ali­son Bal­som: Sie ist sehr, sehr wich­tig für mich, und ich ler­ne nach wie vor sehr viel hier­über. Bei dem Pro­jekt war ich von Kol­le­gen umringt, die abso­lu­te Exper­ten sind auf die­sem Gebiet, und wir haben aus­führ­lich über Orna­men­ta­ti­on, Tril­ler, Akzen­te und all die­se Din­ge gespro­chen. Wenn man ein­mal beginnt, dar­über nach­zu­den­ken, macht das einen rie­si­gen Unter­schied! Das Publi­kum muss nicht zwin­gend die Details wis­sen. Aber es wird mer­ken, dass die Stü­cke so gespielt viel mehr Über­zeu­gungs­kraft haben und mehr Sinn erge­ben.

Alison Balsom hat ihr neues Album „Royal Fireworks“ auf der Barocktrompete eingespielt. »Ich bin diesem Instrument total verfallen.«

CRESCENDO: Sie haben ein­mal gesagt, die Begeg­nung mit der Trom­pe­te sei Lie­be auf den ers­ten Blick gewe­sen. Was ist damals pas­siert?
Ali­son Bal­som: Ja, das war es defi­ni­tiv. Ich war damals erst sie­ben Jah­re jung, und ich lieb­te den Glanz und die­sen wun­der­ba­ren Klang. Ich bin die­sem Instru­ment damals total ver­fal­len. Und dar­an hat sich bis heu­te nichts geän­dert.

Georg Fried­rich Hän­del, Johann Sebas­ti­an Bach, Georg Phil­ipp Tele­mann. Hen­ry Pur­cell: „Roy­al Fire­works“, Ali­son Bal­som, Bal­som Ensem­ble (War­ner)
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Dorothea Walchshäusl
Dorothea Walchshäusl ist Musikjournalistin und promovierte Politologin. Sie lebt und arbeitet in Passau. Den Mensch im Blick, die Musik im Ohr und das Gefühl in den Fingerspitzen, fasziniert die freie Autorin all das, was die Menschen im Kleinen wie im Großen bewegt und berührt. Für crescendo schreibt sie seit 2014 und erforscht in ihren Porträts und Reportagen mit Leidenschaft, warum sich Menschen mit Haut und Haar der Musik verschreiben.

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