Lon­don im Som­mer 1970: Vor der Roy­al Fes­ti­val Hall kam­pie­ren die Men­schen, um sich Ein­tritts­kar­ten für die Gene­ral­pro­be zu sichern. Doch der Star, auf den sie war­ten ist nicht John Len­non oder Paul McCart­ney, son­dern ein 85 Jah­re alter knor­ri­ger Herr „mit düs­ter bren­nen­den Augen und blei­chen Wan­gen“ (Lot­te Leh­mann): Otto Klem­pe­rer.

Otto Klemperer am Pult in London
(© Macdomnic)
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Die letz­te aller Sin­fo­ni­en Beet­ho­vens steht auf dem Pro­gramm, und jeder im Publi­kum ahnt, dass mit dem alten Herrn auf der Büh­ne, der da unsen­ti­men­tal, prä­zi­se, mit durch­drin­gen­dem Blick diri­giert, nicht nur eine Ära zu Ende geht, son­dern ein Zeit­zeu­ge all­mäh­lich ver­schwin­det, der noch die Gro­ßen sei­nes Jahr­hun­derts wie Mah­ler, Zem­lin­sky, Stra­win­sky, Hin­de­mith, Schön­berg oder Janáček kann­te. Und so freut man sich ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter, dass Klem­pe­rer, der TV-Live-Auf­zeich­nun­gen hass­te, sie aus­nahms­wei­se zuließ. „Es ist, als diri­gie­re uns Beet­ho­ven selbst“, brach­te es ein Musi­ker auf den Punkt. 

Lud­wig van Beet­ho­ven: „Sym­pho­nies 1–9”, , Otto Klem­pe­rer (Zwei­tau­send­eins)

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Teresa Pieschacón Raphael
„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.

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