Ein Anruf bei Regisseur Andreas WiedermannOper in Hitlers Heizkraftwerk

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Andreas Wiedermann
Foto: privat

Oper im Zirkus, im Jugendstil-Schwimmbad, in einer ehemaligen Reithalle oder einem Uni-Hörsaal. crescendo im Gespräch mit Regisseur Andreas Wiedermann, der für seine Produktionen mit Opera Incognita gerne Räume mit sehr besonderer Patina wählt.

crescendo: Herr Wiedermann, gerade erarbeiten Sie Carmen in Hitlers ehemaligem Münchner Heizkraftwerk. Warum?

Andreas Wiedermann: Unsere erste Assoziation bei dieser Oper war eine Industriehalle. Ein Raum, der eine gewisse Brutalität und Nacktheit ausstrahlt, in dem man die Figuren auch völlig voneinander isolieren kann. Nach einigen Fehlversuchen sind wir auf diesen Raum gestoßen und haben uns sofort verliebt: Er ist karg und doch lebendig, hat Chaosfaktor und Ruhe zugleich.

Greifen Sie die nationalsozialistische Vergangenheit des Raumes auf?

In erster Linie fanden wir den Raum an sich richtig und spannend. Bezug zu seiner NS-Vergangenheit schafft jedoch, dass wir eine Art Lager behaupten: Unsere Carmen spielt in einem fiktiven und nicht näher verorteten Textil-Sweatshop, aus der die Näherinnen nicht entfliehen können. Sie müssen dort leben, essen, schlafen und zu unmöglichen Zeiten und Konditonen arbeiten. Die Soldaten wurden zu paramilitärischen Aufsehern umfunktioniert. Also eine Art Arbeitslager.

Wie treffen Sie allgemein Ihre Raumauswahl?

Die Idee zu raumspezifischen Opernprojekten kam uns vor über zehn Jahren aus der Not: Wir hatten zu wenig Budget für eigene Bühnenbauten. Glucks Armide spielten wir in der Münchner Reaktorhalle. Das Projekt lief so gut, dass wir das Provisorium zum Konzept erhoben haben: Seitdem suchen wir Räume, die eine Geschichte erzählen, Leben in sich bergen, Spuren haben. Für Wagners selten gespielten, tabuisierten Rienzi haben wir zum Beispiel einen Raum gesucht, der uns einen Bruch erlaubt. Den fanden wir in einem Uni-Hörsaal.

Abseitige Räume schön und gut, aber wie sieht es dort mit der Akustik aus?

Die akustischen Schwierigkeiten muss man einfach benutzen, sie spielen mit!

Ihr Raum-Werk-Wunschtraum?

Vor einigen Jahren war ich in Indien. In Orchha gab es einen völlig verwunschenen, verfallenen Raja-Palast. Ich könnte mir wunderbar vorstellen, vor dem dortigen spirituellen Hintergrund mitteleuropäische Oper mit magischen Momenten aufzuführen, zum Beispiel Händels Alcina. Dort hat man einen ganz anderen, viel konkreteren Bezug zu Zauberei und Magie. Das wäre eine komplette Durchmischung der Kulturen!

www.opera-incognita.de

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Als Fünfjährige schockverliebte sie sich in den Klang einer Mozart-Kassette. Seit dem brennt Maria Goeth für den Opern- und Konzertbetrieb und schlüpfte dort schon in fast jede erdenkliche Rolle: Sie wirkte als Dramaturgin, Kuratorin und Konzertdesignerin, aber auch als Regisseurin, Sprecherin und Musikmanagerin. Festanstellungen führten sie u.a. ins Orchestermanagement der Bayerischen Staatsoper, als Konzertdramaturgin ans Theater Heidelberg und ins Projektmanagement von „Jugend musiziert“. Darüber hinaus übernimmt die promovierte Musikwissenschaftlerin immer wieder Lehraufträge an der LMU München. Seit 2016 arbeitet Maria Goeth bei CRESCENDO, seit 2017 ist sie Leitende Redakteurin.

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