Die Geigerin Anne-Sophie Mutter empfindet die Lage von Künstlern in der Corona-Situation als „katastrophal, absolut katastrophal“. Es sei eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“, wenn etwa im 1.700 Quadratmeter großen Münchner „Nockherberg“ 800 Personen trinken und essen dürften, aber „wenn dann der Kabarettist auf die Bühne kommt, müssen alle bis auf 200 Menschen den Saal verlassen“, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit dem Sender Klassik Radio. „Die Logik erschließt sich mir überhaupt nicht, und daran gehen wir Künstler seelisch und auch finanziell zu Grunde.“

Anne-Sophie Mutter

Anne-Sophie Mutter

Die Kultur sei zwar nur eine Branche von Vielen, aber immerhin der fünftstärkste Wirtschaftsfaktor in Deutschland. „Das kann man auch nicht einfach als nicht systemrelevant frecher Weise wegdiskutieren“, erklärte die Musikerin. „Hier geht es ja auch um Menschen, nicht nur um Geld.“ Eine Ungleichbehandlung der Kultur gehe zudem am Bedürfnis des Publikums vorbei. „Das Leben besteht eben nicht nur aus Essen, Trinken und zur Arbeit gehen. Da gibt es noch mehr.“

Auf eine Impfung zu warten, hat ihrer Ansicht nach keinen Sinn. „Wir müssen jetzt anfangen, schnellstens darüber nachzudenken, wie wir zehntausenden von Menschen, an denen ja weitere Berufe hängen, aus der Notsituation helfen“, betonte Mutter. Sie könne sich auch vorstellen, selbst in die Politik zu gehen: „Also vor Corona hätte ich das strikt abgelehnt, jetzt während Corona würde ich geradezu mit größter Begeisterung ein politisches Amt annehmen wollen, damit ich mit meinem Insiderwissen der Kultur in einer ganz anderen Art und Weise helfen kann“, sagte sie. „Wobei ich mich für die Politik natürlich nicht eigne, ich bin sehr wahrscheinlich viel zu undiplomatisch“, schränkte sie ein.

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