Aribert Reimann gehört zu den bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Anlässlich seines 85. Geburtstages kommt seine Oper Lear in der Inszenierung von Christoph Marthaler wieder auf die Bühne der Bayerischen Staatsoper. Die Titelpartie verkörpert Christian Gerhaher. 

Als Quintessenz seines kompositorischen und musikalischen Denkens bezeichnete Aribert Reimann seine Oper Lear. Eine Anregung Dietrich Fischer-Dieskaus hatte ihn 1968 zur Beschäftigung mit dem Stoff bewogen. Die Idee setzte sich fest, und wie Reimann im Rückblick feststellte, wurden alle Stücke, die er in den darauffolgenden Jahren schrieb, Wege zu Lear. „Die dunkle Farbe, massive Ballungen im Blech, Flächen in den tiefen Streichern“ in seinem Celan-Zyklus führten ihn zur Person Lear. 1975 erteilte ihm die Bayerische Staatsoper durch August Everding den Kompositionsauftrag.

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Trailer zur Aufführung von Aribert Reimanns Oper Lear an der Bayrischen Staatsoper

Die wahre Geschichte von Leben und Tod König Lears und seiner drei Töchter. Sowie das unglückselige Leben von Edgar, Graf Glosters Sohn und Erben, der vorgab, der wahnsinnige Tom zu sein“, wie Shakespeares Drama im Untertitel hieß, verbindet Märchenmotiv, Sagengestalt und wahre Geschichte. Sie zeigt Lear als alten, mächtigen König, der durch die Aufgabe seiner Macht und das Verstoßen seiner einzigen Tochter, die ihn wirklich liebt, selbst zum Verstoßenen wird. Gedemütigt und unbehaust auf der sturmgepeitschten Heide umherirrend, erkennt er schließlich: „Der nackte Mensch ist nichts weiter, als ein armseliges, gespaltenes Tier.“ Claus Henneberg übernahm die textliche Einrichtung, und Aribert Reimann schuf aus dem düsteren Drama eine furiose Klanginszenierung. Die Uraufführung am 9. Juli 1978 mit Fischer-Dieskau in der Titelpartie geriet zu einer Sternstunde zeitgenössischen Musiktheaters. Von Frankfurt bis San Francisco wurde die Oper nachgespielt. 

Christian Gerhaher
Christian Gerhaher übernimmt die Titelpartie in Aribert Reimanns Oper Lear
(Foto: © Gregor Hohenberg)

Anlässlich des 85. Geburtstages von Aribert Reimann kehrt das Werk, in Szene gesetzt von Christoph Marthaler und seiner Bühnenbildnerin Anna Viebrock, wieder an die Bayerische Staatsoper zurück. Der Bariton Christian Gerhaher übernimmt die Titelrolle und begibt sich in die Welt voll Neid, Intrigen, Grausamkeit und verzweifelter Einsamkeit. Ihm zur Seite stehen die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller als Tochter Cordelia, der Tenor Brenden Gunnell als Graf von Kent sowie der Bariton Georg Nigl als Graf von Gloster und der Countertenor Andrew Watts als dessen Sohn Edgar. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Jukka-Pekka Saraste.

München, Nationaltheater, 23. (Premiere), 26. und 30.5, sowie 3. und 7.6., www.staatsoper.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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