Als man den berühm­ten Jazz-Pia­nis­ten Keith Jar­rett ein­mal frag­te, ob er sich vor­stel­len kön­ne, in einem Kon­zert Jazz und Klas­sik zu kom­bi­nie­ren, sag­te er: „Nein, ich glau­be, das wäre Wahn­sinn […], prak­tisch nicht mach­bar. […] Dein Sys­tem baut für bei­de Rich­tun­gen auf unter­schied­li­che Schalt­krei­se.“ Trotz­dem spielt der mitt­ler­wei­le 74-Jäh­ri­ge ger­ne mit den Gen­res. Er jazz­te auf einer Kir­chen­or­gel in Otto­beu­ren und am Cla­vichord. Für Johann Sebas­ti­an Bachs Gold­berg-Varia­tio­nen und des­sen Wohl­tem­pe­rier­tes Cla­vier wie­der­um nahm er das dafür vor­ge­se­he­ne Cem­ba­lo bezie­hungs­wei­se das Kla­vier. So auch auf die­ser Auf­nah­me von 1987, ein Live-Kon­zert-Mit­schnitt aus New York. Jar­retts Ehr­furcht vor dem Tho­mas­kan­tor ist groß, so groß, dass er kaum wagt, sei­ner Inter­pre­ta­ti­on eine eige­ne Note zu geben. „Ich höre Bachs Denk­pro­zess“, sagt Jar­rett. 

Johann Sebas­ti­an Bach: „The Well-Tem­pe­red Cla­vier. Book I”, Keith Jar­rett (ECM)

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Teresa Pieschacón Raphael
„Bis zum Lorbeer versteig' ich mich nicht. G'fallen sollen meine Sachen!“ (J. N. Nestroy) findet Teresa Pieschacón Raphael. Sie hält es mit J. Pulitzers Devise: „Schreibe kurz – und sie werden es lesen. Schreibe klar – und sie werden es verstehen. Schreibe bildhaft – und sie werden es im Gedächtnis behalten.“ In Bogotá wuchs sie auf, in Tübingen und Wien studierte die Enkelin des Komponisten Günter Raphael (1903–1960) Musikwissenschaft und Philosophie und verfiel dem Journalismus. Sie lebt heute als freie Musik- und Kulturpublizistin in München. Ihre Reportagen, Interviews und Konzertprogrammhefte erscheinen in unterschiedlichsten Medien: vom ARTE Magazin bis zur Vogue, von Brigitte bis zur Wirtschaftswoche, vom Dortmunder Konzerthaus bis zu den Salzburger Festspielen… und seit über zehn Jahren bei crescendo.

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