Das Beethoven-Haus Bonn erhielt für seine Sammlung einen autografen Brief Beethovens an den Sänger Friedrich Sebastian Mayer geschenkt. 

Das Beethoven-Haus Bonn wurde zum 250. Geburtstag Beethovens mit einem Brief beschenkt. Ein Sammler überließ dem Haus einen autografen Brief Beethovens vom 10. April 1806 an den Sänger Friedrich Sebastian Mayer. Dieser sang damals die Rolle des Pizarros in der Aufführung der zweiten Fassung von Beethovens Fidelio.

Ludwig van Beethoven
Ludwig van Beethoven 1806 auf einem Ölgemälde von Isidor Neugaß (Quelle: Beethoven-Haus Bonn)

Das Erscheinen von Beethovens einziger Oper auf der Bühne war begleitet von verzweifeltem Ringen und Enttäuschung. Jahrelang arbeitete Beethoven an dem Werk, schrieb und formte es immer wieder neu. Die erste Fassung, die am 20. November 1805 unter dem Titel Fidelio oder Die eheliche Liebe im Theater an der Wien zur Uraufführung kam, fiel durch. Eine Woche zuvor war Napoleon I. in Wien eingezogen. Die Adeligen und Mäzene Beethovens waren geflohen. Das Theater blieb leer. Und nach der dritten Aufführung zog Beethoven das Werk zurück, um es zu überarbeiten. Doch auch die neuerlich angesetzte Aufführung der zweiten Fassung, die am 29. März 1806 unter dem Titel Leonore oder der Triumph der ehelichen Liebe über die Bühne ging, wurde nur einmal wiederholt. Vermutlich war Beethoven mit dem Intendanten aus finanziellen Gründen in Streit geraten.

Mehr Probenzeit auf der Theaterbühne

Unzufrieden war Beethoven offenbar auch mit den Musikern. Denn in dem Brief bittet er den Sänger Friedrich Sebastian Mayer, er möge Ignaz von Seyfried bewegen, die Opernaufführung des Abends zu dirigieren, damit er sie „in der Ferne ansehen und hören“ könne, „wenigstens wird dadurch meine Geduld nicht so auf die probe gesezt, als so nahe bey, meine Musick verhunzen zu hören“. In der Sammlung des Beethoven-Hauses befinden sich bereits rund 600 der insgesamt 1770 bekannten Privat- und Geschäftsbriefe Beethovens. So gibt es bereits einen Brief Beethovens an Mayer, in dem er den Sänger bittet, dafür Sorge zu tragen, dass die Chöre noch besser geprobt werden und auch das Orchester noch mehr Probenzeit auf der Theaterbühne absolviert.

Weitere Informationen zu der Schenkung im Beethoven-Haus Bonn unter: www.beethoven.de

Foto Titelbild: Quelle: Beethoven-Haus Bonn

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.