Beethoven liefert dem Film mit seinem Leben und seiner Musik ein willkommenes Sujet. „Vom Klang bewegt. Das Kino und Ludwig van Beethoven“ lautet der Titel einer Retrospektive, die vom 1. bis 22. Dezember 2020 im Zeughauskino Berlin stattfindet. 

Der Film stürzte sich von Beginn an auf Beethoven. Bereits 1917 kam mit Fritz Kortner als Beethoven die Stummfilmbiografie Der Märtyrer seines Herzens von Emil Justitz heraus. Zehn Jahre darauf stand Kortner in dem Stummfilm Beethoven von Hans Otto Löwenstein abermals vor der Kamera. 1936 zeigte Abel Gance in Un grand amour de Beethoven (Beethovens große Liebe) mit Harry Baur in der Hauptrolle eine melodramatische Geschichte von Beethovens Ertaubung. Und 1949 spielte Ewald Balser in Walter Kalm-Veltées Film Eroica Schicksalsszenen Beethovens aus den Jahren zwischen der Fünften und Neunten Sinfonie.

Stig Olin und Maj-Britt Nilsson in Till glädje von Ingmar Bergmann
Beethovens Neunte Sinfonie als läuterndes Ende einer Beziehungsschlacht: Stig Olin und Maj-Britt Nilsson in Till glädje von Ingmar Bergmann

Vom Klang bewegt. Das Kino und Ludwig van Beethoven“ lautet der Titel einer von dem Filmwissenschaftler Stephan Ahrens kuratierten Retrospektive von Beethoven-Filmen. Vielfältig sind jene Filme, in denen Beethoven und seine Musik eingesetzt wurden, um andere Themen zu verhandeln. So weckte etwa der britische Dokumentarfilmer Humphrey Jennings in The Heart of Britain 1941 mit Beethoven Hoffnung auf ein Ende des Krieges. 1950 setzte Ingmar Bergman in seinem filmischen Künstlerdrama Till glädje (An die Freude) Beethovens Neunte Sinfonie im läuternden Ende einer zerstörerischen Beziehungsschlacht ein.

Paula - Je reviens: Beethoven im Avantgarde-Film
Beethovens Violinsonate im Avantgarde-Film Paula – Je reviens von Werner Schroeter aus dem Jahr 1968

Und 1976 brachte der DEFA-Film aus der DDR Beethoven – Tage aus einem Leben von dem Dichter Günter Kunert und dem Regisseur Horst Seemann den Komponisten als zeitgenössische Identifikationsfigur auf die Leinwand. Der Film beginnt mit Szenen der Uraufführung von Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria, die mit realistischen Schlachtenbildern unterschnitten sind und endet mit Beethoven, der bei einem ärmlichen Umzug in die vierte Wiener Wohnung plötzlich den Alexanderplatz überquert. Auch in den Avantgarde-Film fand Beethoven Eingang. Werner Schroeter stellte 1968 in seinem experimentellen Film Paula – Je reviens eine Cembalosonate Antonio Solers gegen eine Violinsonate Beethovens. Begleitend zur Filmreihe, gibt Ahrens einen gleichnamigen Sammelband heraus.

Weitere Informationen zur Beethoven-Retrospektive im Zeughauskino Berlin: www.dhm.de

Stephan Ahrens (Hrsg.): „Vom Klang bewegt. Das Kino und Ludwig van Beethoven“ (Bertz + Fischer)

Foto Titelbild: Szenenbild aus dem Film „Beethoven – Tage aus einem Leben“ mit Donatas Banionis als Beethoven und Eberhard Esche als Sekretär (Quelle: Zeughauskino)

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.