Ludwig van Beethoven inspiriert Graphic Novelists zu Werken ohne falsche Idealisierung. Sie tauchen ein in dessen desaströse Jugendjahre, zeigen die absurde Verklärung nach dessen Tod und werfen Schlaglichter auf dessen Rezeption. 

Luddi extrem

Der kleine „Luddi“ will die Welt auf den Kopf stellen: „… dass man nicht immer von anderen gesagt bekommt, was zu tun ist. Sondern dass man es selber sagt.“ Kurz darauf wird der Siebenjährige „van Kackhoven“ erstmal ordentlich von seinen Gleichaltrigen verdroschen und bepinkelt. Mikael Ross nimmt die Jugendjahre der Komponistenlegende ins Visier. Seine Zeichnungen und Texte sind dabei so intensiv und drastisch wie Beethovens Leben. Da wird nichts beschönt oder verklärt: von Luddis ständigen Magen-Darmleiden, dem uferlos verschuldeten Alkoholikervater, den Alpträumen durch die Pocken-Epidemie oder den Totgeburten der Mutter – die Bilder sind krass, originell und verdammt gut gezeichnet. In seiner Radikalität ist diese Graphic Novel insgesamt modern, witzig, intim und berührend!

Mikael Ross, Goldjunge

Mikael Ross: „Goldjunge. Beethovens Jugendjahre“ (avant-verlag)
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Ich, ich, ich!

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Mathias Wieland liest aus Beethoven. Unsterbliches Genie von Peer Meter und Rem Broo

Joa, in Wien musst erst sterben, damit’s dich hochleben lassen“. Das Buch von Peer Meer und Rem Broo beginnt am Tag von Beethovens Tod und dreht sich weniger um dessen Leben als um den unmittelbar danach einsetzen Hype und die absurde Verklärung des Komponisten. Da wird um eine Locke aus Beethovens Haar ebenso gerangelt wie darum, wer ihm den „Verrat“ Napoleons meldete oder wer ihn zum Publikum drehte, als er bereits ertaubt das Ende seiner Neunten Sinfonie verpasste. Jeder beansprucht den Meister für sich! In farblich von der dunkel getönten „Realität“ abgehobenen Rückblenden werden die gängigsten Anekdoten aus Beethovens Leben erzählt. Der Stil ist lieblicher als bei Ross, die Sprache schlichter, die Erzählweise langsamer, die Bebilderung großzügiger – mit bis zu doppelseitigen Ansichten Wiens. Sehr hübsch, aber braver und nicht ganz so extravagant wie Ross.

Peer Meter und Rem Broo, Beethoven

Peer Meer und Rem Broo: „Beethoven. Unsterbliches Genie“ (Carlsen)
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Bebilderte Zitate

Moritz Stetter, Mythos Beethoven
Blick in Mythos Beethoven von Moritz Stetter

Moritz Stetters Buch ist weniger eine echte Graphic Novel als ein Comic aus illustrierten historischen Zitaten von und über Beethoven, die nach thematischen Kapiteln wie Patétique, Eroica oder Pastorale angeordnet sind. Die einzelnen Zitate sind oft nur wenige Bilder lang und jeweils unterschiedlich eingefärbt. So werden patchworkhaft und ohne fortlaufenden Erzählstrang kleine Schlaglichter von den Beethoven-Begegnungen prominenter Zeitgenossen über dessen Eigenarten bis zum Ge- und Missbrauch der Ode an die Freude durch die Nazis oder den G20-Gipfel gesetzt. Stetter zeichnet gröber und skizzenhafter als Broo oder gar Ross. Manchmal kommen die Illustrationen recht figürlich daher, etwa wenn die Vögel in ihren Sprechblasen Musikinstrumente haben. Dennoch ist der Band viel charmanter als jedes andere Beethoven-im-
Spiegel-seiner-Zeit-Buch.

Moritz Stetter, Mythos Beethoven

Moritz Stetter: „Mythos Beethoven“ (Knesebeck)
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Als Fünfjährige schockverliebte sie sich in den Klang einer Mozart-Kassette. Seit dem brennt Maria Goeth für den Opern- und Konzertbetrieb und schlüpfte dort schon in fast jede erdenkliche Rolle: Sie wirkte als Dramaturgin, Kuratorin und Konzertdesignerin, aber auch als Regisseurin, Sprecherin und Musikmanagerin. Festanstellungen führten sie u.a. ins Orchestermanagement der Bayerischen Staatsoper, als Konzertdramaturgin ans Theater Heidelberg und ins Projektmanagement von „Jugend musiziert“. Darüber hinaus übernimmt die promovierte Musikwissenschaftlerin immer wieder Lehraufträge an der LMU München. Seit 2016 arbeitet Maria Goeth bei CRESCENDO, seit 2017 ist sie Leitende Redakteurin.

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