In der Neu­en Musik genießt Beet­ho­ven unein­ge­schränk­te Bewun­de­rung. Zeit­ge­nös­si­sche Kom­po­nis­ten lie­ben und ver­eh­ren ihn und brin­gen ihm mit ihren Wer­ken eine Hom­mage dar.

Der größte musikalische Revolutionär

Beet­ho­ven war der viel­leicht größ­te musi­ka­li­sche Revo­lu­tio­när, dem wir nicht nur groß­ar­ti­ge Musik ver­dan­ken, son­dern sogar den Beginn einer Moder­ni­tät, die wir heu­te noch spü­ren, und zugleich ein Inno­va­tor, an dem wir alle teil­ha­ben“, ist Claus-Stef­fen Mahn­kopf über­zeugt. „Ich lie­be und bewun­de­re ihn gren­zen­los.“

Claus-Steffen Mahnkopf liebt und bewundert Beethoven grenzenlos.

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Liebt und bewun­dert Beet­ho­ven gren­zen­los: Claus-Stef­fen Mahn­kopf
(Foto: © Gabri­el Brand)

Unter dem Titel Beet­ho­ven-Kom­men­tar nahm er 2004 eine „Rekom­po­si­ti­on“ des Menu­etts von Beet­ho­vens letz­ter Dia­bel­li-Varia­ti­on vor, um sie als eines der Neben­stü­cke in sei­nen Pros­pe­ro-Zyklus ein­zu­fü­gen. Laby­rin­thisch ver­zweig­te Zyklen, die ein Hören aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven beab­sich­ti­gen, sind cha­rak­te­ris­tisch für Mahn­kopfs Œuvre.

Zeichen der Liebe zu Beethoven

Doch unab­hän­gig davon, wel­cher Rich­tung das eige­ne Schaf­fen folgt – zeit­ge­nös­si­sche Kom­po­nis­ten lie­ben und ver­eh­ren Beet­ho­ven. Peter Micha­el Hamel etwa sieht die Schaf­fung einer viel­ge­stal­ti­gen, Gegen­sät­ze ein­glie­dern­den Musik als sei­ne Lebens­auf­ga­be an.

Peter Michael Hamel setzt Zeichen seiner Liebe zu Beethoven.

Lässt Beet­ho­vens indi­schen Zeit­ge­nos­sen anklin­gen: Peter Micha­el Hamel
(Foto: © Klaus Hin­rich Stah­mer)

In sei­nem im Juni 2019 urauf­ge­führ­ten Kla­vier­stück Freu­de für Beet­ho­ven, das er mit klas­si­schen indi­schen Rhyth­mus­struk­tu­ren umrahmt und in dem er Zita­te aus der kar­na­ti­schen Musik von Beet­ho­vens indi­schem Zeit­ge­nos­sen Tya­ga­ra­ja sowie Erin­ne­run­gen an Melo­di­en sei­ner eige­nen Kind­heit anklin­gen lässt, setzt er mit den ver­steck­ten Zita­ten „Seid umschlun­gen Ich lie­be dich so wie du mich Freu­de schö­ner“ Zei­chen sei­ner Lie­be zu Beet­ho­ven.

Lebenslange Auseinandersetzung

Enno Poppe begreift sein ganzes Leben als kompositorische Auseinandersetzung mit Beethoven.

Beet­ho­ven schaut ihm immer über die Schul­ter: Enno Pop­pe
(Foto: © Harald Hoff­mann)

Enno Pop­pe, der 2019 mit Schnur in Anleh­nung an Beet­ho­vens Vio­lin­kon­zert D‑Dur op. 61 eine Kom­po­si­ti­on zum The­ma „Strei­cher­Vi­bra­to“ schrieb, begreift sein gan­zes Leben als „eine tie­fe­re kom­po­si­to­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Beet­ho­ven“. Beim Kom­po­nie­ren schaue er ihm immer über die Schul­ter.

Ein dauerhaftes musikalisches Rätsel

Als „ein dau­er­haf­tes musi­ka­li­sches Rät­sel“ erscheint Kon­stan­tia Gourzi sei­ne Musik. Auch wenn sie es für eine bestimm­te Zeit gelöst habe, tau­che es wie­der auf. Deut­lich emp­fin­de sie „das dich­te musi­ka­li­sche Den­ken“. 2005 kom­po­nier­te sie zur Ein­fü­gung in Beet­ho­vens Bal­lett­mu­sik Die Geschöp­fe des Pro­me­theus vier Minia­tu­ren.

Konstanzia Gourzi ist beeindruckt von Beethovens dichtem musikalischen Denken.

Beein­druckt von Beet­ho­vens dich­tem musi­ka­li­schen Den­ken: Kon­stan­zia Gourzi
(Foto: © Astrid Acker­mann)

Unter dem Titel Gedich­te zu Pro­me­theus op. 28 eröff­nen sie eine zusätz­li­che Sicht auf Pro­me­theus und brin­gen durch eine schein­ba­re Unru­he in der Musik, die Gourzi mit­tels häu­fi­ger Takt­wech­sel und die Ver­tei­lung von Melo­di­en auf ver­schie­de­ne Instru­men­te her­vor­ruft, zum Aus­druck, wel­che unter­schied­li­chen gött­li­chen Kräf­te auf ihn wir­ken.

Ein Erzähler der Freiheit

Der „unbän­di­ge Wil­le, stets einen Weg ins Freie zu fin­den“, ist es, was Moritz Eggert an Beet­ho­vens Musik ermu­tigt und bewegt. Beet­ho­ven ist für Eggert „ein Erzäh­ler der Frei­heit“. Sei­ne Musik sym­bo­li­sie­re „das posi­ti­ve und schöp­fe­ri­sche Poten­zi­al im Men­schen“.

Moritz Eggert spürt in Beethovens Musik das schöpferische Potenzial des Menschen.

Spürt in Beet­ho­vens Musik das schöp­fe­ri­sche Poten­zi­al des Men­schen: Moritz Eggert
(Foto: © Susan­ne Dies­ner)

Cha­rak­te­ris­tisch für Beet­ho­ven sei das Auf­bau­en einer Ord­nung durch Wie­der­ho­lun­gen, die er jedoch plötz­lich auf­bre­che, um einen radi­kal neu­en Weg ein­zu­schla­gen, „der uns über­rascht und sich befrei­end anfühlt“. 2016 brach­te Eggert ihm mit sei­nem Stück Häm­mer­kla­vier XXV. Abwei­chung „eine ästhe­ti­sche Hom­mage“ dar. Der Titel bezieht sich nach Eggerts Wor­ten auf die vir­tuo­se Inten­si­tät, die die­ses Stück vom Inter­pre­ten for­de­re und die kei­ne neu­tra­le Her­an­ge­hens­wei­se zulas­se.

Stärker als seine Krankheit

Georg Friedrich Haas bewundert Beethovens geistige Kraft

Bewun­dert Beet­ho­vens geis­ti­ge Kraft: Georg Fried­rich Haas
(Foto: © Kai­ros Music)

Beet­ho­vens geis­ti­ge Kraft und sein künst­le­ri­scher Wil­le, die stär­ker gewe­sen sei­en als sei­ne Krank­heit, wecken auch die Bewun­de­rung Georg Fried­rich Haas’: „Beet­ho­ven hat uns eine Klang­welt geschenkt, von der er wuss­te, dass er selbst sie nie­mals wer­de hören kön­nen.“

Menschliche Nähe zu Beethoven

Bern­hard Lang lässt die Bewäl­ti­gung des Lebens und „des­sen Trans­for­ma­ti­on in eine Musik, die ver­sucht, über sich selbst hin­aus­zu­ge­hen“, sogar eine mensch­li­che Nähe zu Beet­ho­ven emp­fin­den. An sei­ner Musik reibt er sich. Was ihn fas­zi­niert, ist die Ambi­va­lenz zwi­schen den groß­ar­ti­gen inten­si­ven Momen­ten und den Ent­glei­sun­gen „ins Tri­via­le“.

Als einen Dialog mit einem Giganten begreift Bernhard Lang eine Komposition für Beethoven.

Als einen Dia­log mit einem Gigan­ten begreift Bern­hard Lang sei­ne Kom­po­si­ti­on für Beet­ho­ven
(Foto: © Harald Hoff­mann)

So gehört Beet­ho­ven zu den ers­ten Kom­po­nis­ten, die Lang 2003 mit sei­ner Kom­po­si­ti­on Differenz/Wiederholung 12 über­schrieb, um sich 2014/15 in sei­ner Mona­do­lo­gie XXX erneut mit ihm zu befas­sen. Als einen „Dia­log mit einem Gigan­ten“ begreift er die­se Arbei­ten. Über­groß sei die Beet­ho­ven-Figur, „da kann man nur dar­un­ter kau­ern, da ist man zer­quetscht von die­sem Schat­ten“. 

Das Foto oben (© Ran­dolf Bun­ge) zeigt die Skulp­tu­ren von Ott­mar Hörl, der damit einen Kon­tra­punkt zum gän­gi­gen Beet­ho­ven-Bild set­zen will und die Men­schen ein­lädt, sich neu auf Beet­ho­ven ein­zu­las­sen.
Mehr dazu:  www.buergerfuerbeethoven.de

Mehr zu Beet­ho­ven in der Neu­en Musik: crescendo.de

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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