Die Neunte Sinfonie ist die Krönung und das Ende von Beethovens sinfonischem Schaffen. Christian Berger folgt ihr in seinem Film um die Welt. Verschränkt mit Berichten und Zeitdokumenten zu Beethovens Leben, zeigt er, wie eine Cellistin vom Orchestre Symphonique Kimbanguiste in Kinshasa sie wahrnimmt, was sie einer jungen Bratschistin in einer Favela von São Paulo bedeutet, die sie mit dem Dirigenten Isaac Karabtchevsky probt, und wie der gehörlose Musiker Paul Whittaker sie in Barcelona mit gehörlosen Kindern erfühlt.

Eine junge Bratschistin in São Paulo einer Favela in
Beethovens Neunte Sinfonie ist ihre Hoffnung: eine jungen Bratschistin in einer Favela von São Paulo

Unberührt lässt sie keinen. Aber die Wirkung, die sie entfaltet, wird von jedem anders wahrgenommen. Der Dirigent Teodor Currentzis hört den Kämpfer Beethoven und entsprechend verbissen und aggressiv probt er sie mit seinem musicaAeterna Orchestra. 

Die emotionale Botschaft

Mit Begeisterung studiert der Dirigent Yutaka Sado in Osaka mit einem 1000-stimmigen Chor die Ode an die Freude ein und sucht dabei vor allem die emotionale Botschaft zu vermitteln. In Japan kennt das Werk nahezu jeder. Der Film führt uns an den Schauplatz, an dem es 1918 zum ersten Mal aufgeführt wurde: ein Lager deutscher Kriegsgefangener in Naruto. 

Der türkische Einfluss

Der Komponist Gabriel Prokofiev verweist auf die türkischen Einflüsse in der Musik. Die Janitscharenkapellen, die damals durch Wien marschierten, hinterließen ihre Spuren nicht nur bei Haydn und Mozart, sondern auch im Werk Beethovens.

Tan Dun
Vernimmt Beethovens Neunte Sinfonie im Herzschlag Shanghais: der Komponist Tan Dun
(Foto: © DW / Arte)

Faszinierend ist der Komponist Tan Dun, der Beethovens Neunte im Herzschlag Shanghais vernimmt, in den Geräuschen des Alltags der Stadt und dem Hämmern und Schlagen der Baumaschinen. Er arbeitet an einem Chorkonzert mit dem Titel Nine. Am Ende beklatscht ein junges gehörloses Paar begeistert die Aufführung der Neunten und lässt etwas von der geheimnisvollen Energie ahnen, die Beethovens Musik innewohnt.

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Dr. Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Dr. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.