Das Beethoven Pastoral Project ruft Künstler weltweit auf, ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Am 5. Juni 2020, dem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen ausgerufenen Weltumwelttag, werden in einem Livestream die ersten Projekte und Statements vorgestellt. Die Deutsche Welle überträgt den Stream und wiederholt ihn anschließend mehrfach.

Beethoven liebte die Natur. Bereits in Bonn durchstreifte er die Wälder um die Stadt. Und als er in Wien lebte, wanderte er durch die Felder jenseits des Glacis, den Wienerwald und die Auen an der Donau. Er stieg auf den Kahlenberg, den Leopoldsberg und unternahm Spaziergänge ins Helenental bei Baden. Wie Beethovens Biograf George R. Marek ausführt, war eines seiner Lieblingsbücher „Betrachtungen über die Werke Gottes im Reich der Natur und der Vorsehung“. Autor war der Pastor Christoph Christian Sturm aus Hamburg, der pseudophilosophische Predigten schrieb.

Beethoven beim Wandern auf einem auf einem romantischen Gemälde von Julius Schmid aus dem Jahr 1901
Beethoven beim Wandern auf einem auf einem romantischen Gemälde von Julius Schmid aus dem Jahr 1901
(Das Bild ist im Beethoven Museum in Heiligenstadt zu sehen, wo Beethoven das so genannte Heiligenstädter Testament schrieb.)

Die Sommermonate über zog Beethoven aufs Land. In einem Brief an Therese von Malfatti beschreibt er seine Freude darüber: „…wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen und Kräutern, Felsen wandeln zu können, kein Mensch kann das Land so lieben wie ich – geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht.“ Die Naturerlebnisse inspirierten Beethoven zu seiner Musik. Sein Sekretär Anton Schindler verglich seine Spaziergänge denn auch mit den Ausflügen der Bienen beim Honigsammeln.

Der Hirte als Vorbild für eine Rückkehr zur Natürlichkeit

Das Künstlerteam Andrea E. Sroka und Peter Paul stellte dieses Kollabo-Album zusammen.
Das Künstlerteam Andrea E. Sroka und Peter Paul stellte dieses Kollabo-Album zusammen.

Ein Werk, in das Beethovens Freude an der Natur, den Blumen, Bäumen und Vögeln in voller Kläglichkeit zum Ausdruck kommt, ist die Sechste Sinfonie mit dem Beinamen Pastorale. Bereits die Überschriften der einzelnen Sätze zeigen, welch Bild der Natur Beethoven darin komponierte: „Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande. Szene am Bach. Lustiges Beisammensein der Landleute. Gewitter, Sturm. Hirtengesang, frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm.“ Beethoven war der Überzeugung, die Natur würde den Menschen befähigen, die ewige und unwandelbare Schönheit zu verstehen. Der Hirte war für ihn der Vertreter eines guten Lebens. Er sah ihn als Vorbild für eine Rückkehr zur Natürlichkeit.

Künstler weltweit aufgerufen

Das Beethoven Pastoral Project nimmt Beethovens Sechste Sinfonie als Inspiration. Die Beethoven Jubiläums Gesellschaft und das UN-Weltklimasekretariat riefen unter der Schirmherrschaft von UN-Generalsekretär António Gutierres Künstler weltweit auf, Statements und Projekte zum Thema Natur und Nachhaltigkeit abzugeben. Über 250 Künstler beteiligten sich.

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Beethovens Sechste Sinfonie auf klassischen indischen Instrumenten: der Musiker Ricky Kej und sein Ensemble
Beethovens Sechste Sinfonie auf klassischen indischen Instrumenten: der Musiker Ricky Kej und sein Ensemble
(Filmausschnitt: © Deutsche Welle)

Der Musiker Ricky Kej aus Indien will durch seine Musik ein Umweltbewusstsein schaffen. Beethovens Sechste Sinfonie interpretiert er mit indischen Instrumenten.

Ricky Kej: »Ich erkannte, dass jede Musik mit Klängen aus der Natur beginnt und die Menschen diese Klänge nachahmen.«

Nimmt die Sechste Sinfonie als Vorlage für eine Jazz-Improvisation: die Jazz-Band ADHD
Nimmt die Sechste Sinfonie als Vorlage für eine Jazz-Improvisation: die Jazz-Band ADHD
(Filmausschnitt: © Deutsche Welle)

Die Jazz-Band ADHD aus Island mit den Musikern Thómas Jónsson am Piano, an der Hammond-Orgel und am Synthesizer, Ómar Guðjónsson an der Gitarre und am Bass, Óskar Guðjónsson am Saxofon und am Schlagzeug griff Motive aus Beethovens Sechster Sinfonie für eine Jazz-Improvisation auf.

Möchte mit ihrer Musik zu einem Bewusstsein für die Natur anregen: die Sängerin Betty G
Möchte mit ihrer Musik zu einem Bewusstsein für die Natur anregen: die Sängerin Betty G
(Filmausschnitt: © Deutsche Welle)

Die Sängerin Betty G aus Äthiopien pflanzte im Rahmen eines Projekts im Juli 2019 mit vielen anderen Bäume in Addis Abeba.

Betty G: »Das Leben ist hart und teuer. Die Menschen müssen alles darauf richten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dennoch müssen wir ein Bewusstsein für die Natur schaffen. Gegenwärtig sind wir unterwegs in die falsche Richtung.«

Verwandelte Beethovens Sechste Sinfonie in Natur zurück: der Klangkünstler Werner Cee
Verwandelte Beethovens Sechste Sinfonie in Natur zurück: der Klangkünstler Werner Cee
(Foto: © Deutschlandradio / Anke Beims)

Der Klangkünstler Werner Cee mikrofonierte die Orchestermaschinerie von Beethovens Sechster Sinfonie wie ein Stück Natur. Mit 50 Mikrofonen nahm er hunderte von Takes auf. Was er daraus schafft, ist eine Klanglandschaft.

Komponierte im Jahr 2000 seine Pastorale: Brett Dean
Komponierte im Jahr 2000 seine Pastorale: Brett Dean
(Foto: © Bettina Stoess)

Der Komponist Brett Dean, der nach 15 Jahren in Deutschland wieder nach Australien zurückkehrte, komponierte 2000 seine Pastorale.

Brett Dean: »Natürlich lieben wir alle die Natur, doch die Annehmlichkeiten des modernen Lebens lieben wir noch mehr… sicherlich mehr als den Wunsch, stehen zu bleiben und uns am Jubel einer einzelnen Würgerkrähe zu weiden, dem vielleicht magischsten Klang auf dem ganzen australischen Kontinent. Also ist dies ein Stück über den herrlichen Gesang der Vögel, seine Bedrohungen, seinen Verlust und den seelenlosen Lärm, der übrig bleibt, wenn alle verschwunden sind.«

Spielt in Thailand aus Beethovens Sechster Sinfonie: Paul Barton
Spielt in Thailand aus Beethovens Sechster Sinfonie: Paul Barton

Paul Barton spielt Elefanten in der Elephants World, einem Naturpark außerhalb von Kanchanaburi im Westen Thailands, aus Beethovens Sechster Sinfonie vor.

Möchte mit seinem Mauerbild zum Gespräch über die Natur einladen: Skumbuzo Salman

Der Künstler Skumbuzo Salman aus Tanzania möchte mit seinem Mauerbild die vorübergehenden Menschen dazu anregen, über das Thema Natur zu sprechen.

Skumbuzo Salman: »Das Ziel des Mauerbildes ist es, den Stadtplanern die Vision von grünen Räumen in der Stadt zu vermitteln, damit sie zum Wohl der Bewohner Naturräume in ihre Planungen einbeziehen. Es soll eine tägliche Erinnerung sein, an die Natur zu denken, wenn sie die Zukunft Dar es Salaams entwerfen.«

Führte Regie beim Film „The Sound of Nature“: Grete Liffers
Führte Regie beim Film The Sound of Nature: Grete Liffers

Zum Weltumwelttag werden die Beiträge in einem Stream vorgestellt. Die Deutsche Welle überträgt den Stream und wiederholt ihn anschließend mehrfach. Sie produzierte zudem den Dokumentarfilm The Sound of Nature der Regisseurin Grete Liffers, der im Rahmen des Streams zum ersten Mal gezeigt wird. Liffers berichtet darin von Künstlern auf fünf Kontinenten, die sich in ihrem Schaffen mit der Natur und dem Klimawandel auseinander setzen.

Daniel Hope, Geiger und Präsident des Beethoven-Hauses
Daniel Hope, Geiger und Präsident des Beethoven-Hauses
(Foto: © Nicolas Zonvi)

Ebenfalls im Stream sind Grußworte von UN-Generalsekretär António Gutierres, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Monika Grütters sowie Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Der Fernsehmoderator der Deutschen Welle Robin Merrill, der selbst Musiker ist, spricht mit Gästen wie der Generalsekretärin der Klimaschutzkonvention der Vereinten Nationen Patricia Espinosa, dem Geiger und Präsidenten des Beethoven-Hauses Bonn Daniel Hope und dem Bonner Generalmusikdirektor Dirk Kaftan über die Idee und die Ziele des Beethoven Pastoral Project.

Die Ausstrahlungswege des Livestreams am 5. Juni 2020 ab 18 Uhr (MESZ) und in anschließenden Wiederholungen:
www.dw.com
www.pastoralproject.org
www.bhtvn2020.de
Informationen zu weiteren Ausstrahlungswegen auf YouTube und Facebook: www.pastoralproject.org

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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