Weder geschönt noch einschmeichelnd, dafür bezwingend nervös, wach und deshalb packend sind diese Aufnahmen von zwei der letzten „Klaviersonaten“ Franz Schuberts (D 958 und 959). András Schiff spielt auch die „Vier Impromptus“ (D899) und „Drei Klavierstücke“ (D946), wie im frühen 19. Jahrhundert üblich, auf einem Hammerflügel mit vier Pedalen. Dadurch ergibt sich ein weniger ausladendes, doch weitaus breiteres Farbspektrum mit herben und sogar ausgehöhlten Tönen. Vor allem die berühmten“ Impromptus“ gewinnen hier an Intensität, sind endlich wieder abgründige Miniaturen. Diese Einspielungen spiegeln also auch, warum Musikverleger zu Schuberts Lebzeiten dessen modulatorisch und rhythmisch kühne Klavierkompositionen ablehnten und für die Erstausgabe sogar rigide vereinfachen ließen. András Schiff fasziniert durch hochrangige Widerborstigkeit und belohnt dann wieder mit umso schöneren Phrasierungen.

Franz Schubert: „Sonatas & Impromptus“, András Schiff (ECM)

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Roland H. Dippel brennt für Kontraste im groß(artig)en wie im klein(formatig)en Musik-, Tanz- und Konzert-Theater. Auf Entdeckungsreisen zu idyllischen Nischen und verwegenen Momenten folgt er freudig apollinischen Verheißungen und dionysischen Lockrufen. Boulevard, Belcanto, Brauchtum, ästhetische Exzesse in Literatur und Kunst sind Ziele seiner realen und fiktiven Abenteuer-Streifzüge. Er schätzt greifbare Bücher mehr als E-Books.

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