Mit Jakub Hrůša in BambergBier, Kunst und Idylle

Foto: Bamberg Tourismus & Kongress Service

Bier, Kunst und Idylle! In den Probenpausen lauscht Jakub Hrůša, Chefdirigent der Bamberger Symphoniker, auch gerne mal dem Entenschnattern an der Regnitz. Uns führt er durch das urige „Klein-Venedig“ Frankens.

Wer den gro­ßen Reiz der klei­nen Stadt Bam­berg erle­ben möch­te, beginnt sei­nen Spa­zier­gang am bes­ten im pochen­den Her­zen der Alt­stadt und ver­weilt auf der Brü­cke zum Alten Rat­haus. Unter einem rauscht die Reg­nitz, Kanu­fah­rer zie­hen ihre Bah­nen, am Berg thront der Dom und in ver­win­kel­ten Gäss­chen tref­fen sich Stu­den­ten und Ein­hei­mi­sche zum Kaf­fee, wäh­rend am Grü­nen Markt laut­stark fri­sches Gemü­se aus der Regi­on ange­prie­sen wird. Geht man ein paar Meter wei­ter ent­lang des Flus­ses, öff­net sich die bun­te Kulis­se alter Fischer­häu­ser, die sich im Was­ser spie­geln. „Klein-Vene­dig“ heißt das Ambi­en­te im Volks­mund, ein Geschenk für jeden Hob­by­ma­ler.

Das ist ein­fach wun­der­schön, oder?“, sagt Jakub Hrůša an einem Tag Ende April, bleibt andäch­tig ste­hen und brei­tet die Arme aus. Seit Herbst 2016 ist der Tsche­che der neue Chef­di­ri­gent der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker und längst hat er in dem frän­ki­schen Idyll eine zwei­te Hei­mat gefun­den. Ob es das genuss­vol­le Savoir-viv­re ist, die Braue­rei­tra­di­ti­on oder die hohe Wert­schät­zung der kul­tu­rel­len Tra­di­ti­on – „es gibt hier vie­le Ähn­lich­kei­ten, was die Kul­tur und die Lebens­art anbe­langt“, so Hrůša.

Vom Tru­bel der Alt­stadt sind es nur ein paar Minu­ten bis zur Hei­mat der Sym­pho­ni­ker. Direkt am Fluss gele­gen prangt mit run­dem glä­ser­nen Vor­bau die Kon­zert­hal­le, in deren akus­tisch gelun­ge­nen Joseph-Keil­berth-Saal regel­mä­ßig erst­klas­si­ge Kon­zer­te statt­fin­den. Wäh­rend inter­na­tio­nal aner­kann­te A-Orches­ter zumeist in weit­läu­fi­gen Groß­städ­ten zu Hau­se sind, liegt der Reiz in Bam­berg gera­de im ein­zig­ar­ti­gen Mit­ein­an­der aus fami­liä­rer Über­schau­bar­keit und Kunst und Kul­tur von Welt­rang. Sind die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker auf Tour­nee, prä­sen­tie­ren sie mal in Asi­en, mal in Ame­ri­ka, mal in Euro­pa Musik auf Spit­zen­ni­veau. Sind sie zu Hau­se, fah­ren sie mit dem Fahr­rad zur Arbeit und lau­schen in den Pro­ben­pau­sen am Ufer der Reg­nitz dem Schnat­tern der Enten.

Es hat von Beginn an funk­tio­niert“

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Zwi­schen Jakub Hrůša und den Sym­pho­ni­kern war es eine Lie­be auf den ers­ten Ton. „Es hat von Beginn an funk­tio­niert“, sagt Hrůša, und die Orches­ter­mit­glie­der sei­en sehr reflek­tiert, sehr ernst­haft und dis­zi­pli­niert, wenn es um das Errei­chen des best­mög­li­chen Ergeb­nis­ses gin­ge. Spricht Hrůša über den beson­de­ren Klang die­ses außer­ge­wöhn­li­chen Ensem­bles, gerät er schnell ins Schwär­men. „Weich, warm und reich, vol­ler Far­ben in den Gei­gen und von einer gro­ßen Ein­heit in den Blä­sern“ sei der Zusam­men­klang der Sym­pho­ni­ker. „Das Orches­ter spielt hoch­sen­si­bel und intel­li­gent, ist stolz auf sei­ne lan­ge Tra­di­ti­on und gleich­zei­tig sehr offen, auch immer wie­der etwas Neu­es aus­zu­pro­bie­ren“, so Hrůša.

Seit ihrer Grün­dung 1946 sind die Sym­pho­ni­ker in Bam­berg behei­ma­tet und tra­gen wesent­lich dazu bei, dass die klei­ne Stadt unweit der frän­ki­schen Schweiz mit ihren male­ri­schen Stra­ßen­zü­gen und lau­schi­gen Plät­zen zugleich ein pul­sie­ren­des Zen­trum der klas­si­schen Hoch­kul­tur ist. Bam­berg, das auf sie­ben Hügeln erbaut wur­de und des­halb auch manch­mal als „frän­ki­sches Rom“ bezeich­net wird, geizt dabei wahr­lich nicht mit sei­nen Rei­zen und zieht Kul­tur­fans, Freun­de schmack­haft boden­stän­di­ger Küche und Natur­lieb­ha­ber glei­cher­ma­ßen in sei­nen Bann. Nicht ohne Grund wur­de die im Krieg kaum zer­stör­te Alt­stadt 1993 in die Unesco-Welt­erbe-Lis­te auf­ge­nom­men: Ein­drucks­vol­le Gebäu­de erzäh­len von baro­cker und mit­tel­al­ter­li­cher Bau­kunst, unzäh­li­ge Sehens­wür­dig­kei­ten lie­gen nur weni­ge Minu­ten fuß­läu­fig von­ein­an­der ent­fernt.

Rosengarten
Foto: BAMBERG Tou­ris­mus & Kon­gress Ser­vice

Jakub Hrůša hat die frän­ki­sche Klein­stadt nach und nach zwi­schen den Pro­ben­pha­sen für sich ent­deckt und auf zahl­rei­chen Spa­zier­gän­gen in sein Herz geschlos­sen. Nun läuft der 36-jäh­ri­ge Diri­gent mit schnel­len Schrit­ten durch die Fuß­gän­ger­zo­ne. In einem Gum­mi­bär­chen-Laden kauft er ein paar süße Mit­bring­sel für sei­ne Fami­lie, dann geht es wei­ter ins Restau­rant Eckerts, das gleich einem Boot vor Anker direkt im Was­ser zu lie­gen scheint. Hrůša nippt am Lat­te mac­chia­to, bestellt einen Eis­be­cher mit Früch­ten und blickt nach­denk­lich auf das rau­schen­de Was­ser der Reg­nitz. Dann sagt er: „Als Diri­gent hat man eine gro­ße Macht, um die Musik zu gestal­ten, man kann aber auch viel zer­stö­ren. Dar­aus resul­tiert eine immense Ver­ant­wor­tung.“ Hrůša ist sich die­ser bewusst und agiert am Diri­gen­ten­pult als fein­sin­ni­ger und fokus­sier­ter Gestal­ter, der weni­ger Chef der Orches­ter­mit­glie­der, denn Musi­ker­kol­le­ge und freund­schaft­li­cher Part­ner ist. „Ich glau­be, es geht im Leben dar­um, so aktiv wie mög­lich zu leben, inten­siv zu füh­len, sich zu spü­ren, Bezie­hun­gen zu leben, sich zu berüh­ren und aktiv zu gestal­ten“, sagt Hrůša und lächelt. Da ver­wun­dert es kaum, dass das Mot­to der Sai­son 2017/18 der Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker „Lei­den­schaft“ lau­tet und packen­de Wer­ke aus vier Jahr­hun­der­ten auf dem Pro­gramm ste­hen. Sei­ne eige­ne Pas­si­on hat der sen­si­ble Künst­ler mit dem kon­zen­trier­ten Blick schon früh für sich ent­deckt, und das Diri­gie­ren ver­gleicht er mit einem geheim­nis­vol­len Tanz, einer bestimm­ten Cho­reo­gra­fie. „Als Diri­gent arbei­tet man mit der Ener­gie der Musik. Es geht um Spra­che, um Ges­tik, um Gedan­ken und Gefüh­le, und im bes­ten Fal­le bleibt immer noch etwas sehr Spie­le­ri­sches bei aller Per­fek­ti­on.“ Die­ses Spiel mit den Kräf­ten hat sich für ihn immer „abso­lut rich­tig“ ange­fühlt. „Es war ein gerad­li­ni­ger Weg, der bis heu­te andau­ert“, stellt Hrůša fest – geführt hat er ihn nun in jenes zau­ber­haf­te Klein­od in Ober­fran­ken. Hier fin­det er Ruhe, Kon­zen­tra­ti­on und Schön­heit, und von hier aus trägt er mit sei­nem Orches­ter die Kunst hin­aus in die Welt.

Ich füh­le mich hier sehr zu Hau­se“, sagt Hrůša, nimmt einen letz­ten Schluck Kaf­fee und taucht wie­der hin­ein in das quir­li­ge Leben der Alt­stadt. Vor­bei am alt­ein­ge­ses­se­nen Gast­haus Schlen­ker­la, aus dem es nach Rauch­bier und Brat­würs­ten duf­tet, vor­über an gemüt­li­chen Stra­ßen­ca­fés und uri­gen Knei­pen, zurück an den Fluss, auf dem die Schwä­ne der impo­san­ten Kon­zert­hal­le ent­ge­gen­trei­ben. „Das ist wun­der­schön, oder?“, fragt Hrůša und grinst. „Ein­fach wun­der­schön.“
Dann folgt er den Schwä­nen und macht sich auf den Weg zur Arbeit.

 

Tipps, Infos & Adressen

Musik & Kunst

Musi­ka­li­sches Aus­hän­ge­schild der frän­ki­schen Klein­stadt sind die Bam­ber­ger Sym­pho­ni­ker, die in der Kon­zert­hal­le direkt an der Reg­nitz gele­gen bei bes­ter Akus­tik ein rei­ches Konzert­programm prä­sen­tie­ren. Wei­te­re loh­nens­wer­te Kul­tur­stät­ten sind unter ande­rem das E. T. A.-Hoffmann-Theater sowie eine Viel­zahl von Muse­en, die inter­es­san­te Ein­bli­cke in die Stadt­geschichte und span­nen­de künst­le­ri­sche Per­spek­ti­ven­wech­sel garan­tie­ren.

www.bamberger-symphoniker.de
www.theater.bamberg.de
www.museum.bamberg.de

Essen & Trinken

Bam­berg ist eine Hoch­burg der Braue­rei­kul­tur, und so fin­den sich zahl­rei­che gemüt­li­che Wirts­haus­stu­ben, in denen ver­schie­dens­te Bier­sor­ten sowie Lecker­bis­sen der boden­stän­dig frän­ki­schen Küche genos­sen wer­den kön­nen. Ein Klas­si­ker ist das Schlen­ker­la, loh­nens­wert ist auch ein Besuch im Hof­bräu. Lecke­re Flamm­ku­chen und einen ein­zig­ar­ti­gen Blick auf den Fluss gibt es im Restau­rant Eckerts direkt über der Reg­nitz gele­gen; nach einem Kon­zert emp­fiehlt sich eine Ein­kehr im Restau­rant Fran­ce­so am Micha­els­berg, in dem auch Jakub Hrůša regel­mä­ßig zu Gast ist.

www.schlenkerla.de
www.das-eckerts.de
www.hofbraeu-bamberg.de
www.francesco-bamberg.de

Übernachten

Eine Viel­zahl von Hotels, Früh­stücks­pen­sio­nen und Feri­en­woh­nun­gen bie­tet in Bam­berg etwas für jeden Geschmack. Ide­al für einen Kul­tur­ur­laub eig­net sich das nur fünf Minu­ten von der Kon­zert­hal­le ent­fern­te Wel­co­me Resi­denz­schloss Hotel an, von dem aus ein idyl­li­scher Fuß­weg am Fluss ent­lang in die Alt­stadt führt. Zim­mer mit Aus­sicht im Her­zen der Alt­stadt gibt es im Hotel Nepo­muk; zahl­rei­che wei­te­re Unter­künf­te fin­det man über die Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on Bam­berg.

www.welcome-hotels.com
www.hotel-nepomuk.de

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Dorothea Walchshäusl
Dorothea Walchshäusl ist Musikjournalistin und promovierte Politologin. Sie lebt und arbeitet in Passau. Den Mensch im Blick, die Musik im Ohr und das Gefühl in den Fingerspitzen, fasziniert die freie Autorin all das, was die Menschen im Kleinen wie im Großen bewegt und berührt. Für crescendo schreibt sie seit 2014 und erforscht in ihren Porträts und Reportagen mit Leidenschaft, warum sich Menschen mit Haut und Haar der Musik verschreiben.

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