Dr. Goeths KuriosaBis die Radieschen flogen!

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Maria Callas und Renata Tebaldi

In den 1950ern und 60ern lieferten sich die beiden Super-Primadonnen Maria Callas und Renata Tebaldi einen filmreifen Zickenkrieg.

Hörer, Hörer, gelehrt und gespannt, wer singt am schönsten im ganzen Land?“ mag wohl die Frage gewesen sein, die die Gemüter der Opernfans in den 50er-Jahren erhitzte. Es wurde wild gefochten, ob nun Maria Callas oder Renata Tebaldi die bessere Sängerin sei. Während die Amerikaner einen Platz nach der Tebaldi benannten und die Brasilianer sich darum rangelten, eine Locke aus ihrer Frisur zu ergattern, versuchten die italie­nischen Anhänger der Callas, die Tebaldi mit Telefonterror und Drohbriefen mürbe zu machen. Die Callas selbst setzte sich bei Auftritten der Tebaldi demonstrativ in die Mittelloge, um die Gegnerin mit bösen Blicken zu durchbohren. Auf Initiative von Tebaldis Managerin, ihrer Mutter Giuseppina, wurde die Callas daraufhin in eine Seitenloge verbannt. Die „Tebaldianer“ ihrerseits rächten sich damit, die Callas bei Vorstellungen in der Mailänder Scala mit Bouquets aus Radieschen und Sellerie zu bewerfen. In ihrer Kurzsichtigkeit soll die Callas einen dieser Radieschen-Sträuße tatsächlich versehentlich aufgehoben haben. Ihren Fehler erkennend, bedankte sie sich geistesgegenwärtig für den leckeren Salat.

Die Klatschpresse freute sich naturgemäß über den Primadonnenzwist und titelte mit Schlagzeilen wie „Kampf zwischen Adler und Taube“ oder „Tigerin gegen Engel“. Die Tebaldi überhaupt mit ihr zu vergleichen, sei, wie Coca-Cola gegen Champagner zu halten, war die Callas selbstbewusst überzeugt. Sowieso: Tebaldi habe kein Rückgrat. Doch die Tebaldi selbst, der von keinem Geringeren als Arturo Toscanini eine „voce d’angelo“, eine „Engelsstimme“, bescheinigt wurde, geiferte schlagfertig zurück: „Frau Callas behauptet, eine Frau von Charakter zu sein, und erklärt zugleich, dass ich kein Rückgrat habe. Meine Antwort: Ich habe etwas, was sie nicht hat, nämlich ein Herz.“

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Als Fünfjährige schockverliebte sie sich in den Klang einer Mozart-Kassette. Seit dem brennt Maria Goeth für den Opern- und Konzertbetrieb und schlüpfte dort schon in fast jede erdenkliche Rolle: Sie wirkte als Dramaturgin, Kuratorin und Konzertdesignerin, aber auch als Regisseurin, Sprecherin und Musikmanagerin. Festanstellungen führten sie u.a. ins Orchestermanagement der Bayerischen Staatsoper, als Konzertdramaturgin ans Theater Heidelberg und ins Projektmanagement von „Jugend musiziert“. Darüber hinaus übernimmt die promovierte Musikwissenschaftlerin immer wieder Lehraufträge an der LMU München. Seit 2016 arbeitet Maria Goeth bei CRESCENDO, seit 2017 ist sie Leitende Redakteurin.

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