Christiane Karg singt mit Malcolm Martineau am Klavier Lieder von Gustav Mahler. 

Der Weichzeichner ist glücklicherweise nur bei der Gestaltung des Frontcovers zum Einsatz gekommen, nicht aber im Vortrag von Christiane Karg und dem Pianisten Malcolm Martineau. Dieser ist so klar, transparent und konturenstark, wie man es sich wünscht. Nach seiner gemeinsamen Strauss-CD hat sich das Duo Lieder des großen Antipoden Mahler vorgenommen und eine durchaus ungewöhnliche Interpretation eingespielt. 

Jugendlicher Schmelz und Schalk

Karg singt auch Mahler mit quellfrischer Stimme, jugendlichem Schmelz und Schalk und viel lyrischer Innigkeit; die Düsternis, Zerrissenheit und aufbegehrende Melancholie des Komponisten ist nicht zu erleben. Stattdessen betont Karg in Liedauswahl und Vortrag die zuweilen verborgenen Schönheiten der Musik und verzaubert vor allem in den Liedern aus der Jugendzeit mit silbrig leuchtendem Glanz und bittersüßem Sehnsuchtston. Dieser prägt auch die Fünf Rückert-Lieder, die man selten so verinnerlicht und fragil gehört hat wie hier. Mit großer Leichtigkeit und vokaler Eloquenz meistern Sängerin und Pianist die Wunderhorn-Lieder, eine Prise Ironiegewürz mag man allerdings vermissen. Ein zuweilen sicherlich gewöhnungsbedürftiges, aber Individuelles Album mit viel Ausdruck und klanggestalterischer Imagination.

Gustav Mahler: „Lieder“, Christiane Karg, Malcolm Martineau (Harmonia Mundi)