Daniel Behle lässt mit Oliver Schnyder am Flügel Richard Strauss’ Vertonungen der satirischen Gedichte des Theaterkritikers Alfred Kerr mit all ihrer Wut erklingen. 

Richard Strauss hatte viel Wut im Bauch, als er 1918 den Krämerspiegel komponierte. Denn er hatte sich vertraglich verpflichtet, dem Musikverlag Bote & Bock die Rechte an seinem nächsten Liederzyklus abzutreten. Ein Schritt, den er später bitter bereute. Mit Vertonungen satirischer Gedichte des scharfzüngigen Theaterkritikers Alfred Kerr holte er deshalb zu einem bitterbösen Angriff aus. Gleich mehrere deutsche Verlage werden im Krämerspiegel als schamlose Ausbeuter karikiert. „Wie schmatzt der Bock voll Schmausegier! / Er möchte gar vermessen / Die Blüten alle fressen“, ätzte Kerr, der mit Strauss allzu gern gemeinsame Sache machte. 

Daniel Behle
Bringt die Ironie köstlich zum Ausdruck: der Tenor Daniel Behle
(Foto: © Lucia Hunziker)

Durch die schöne Melodie, die den Text untermalt, wirkt das Stück doppelt provozierend. In den weiteren Liedern folgt Spitze um Spitze – so wird der Ziegenbock von den Dornen eines „Rosenstrausses“ gepiesackt. An anderer Stelle sind Verleger als blutsaugende Wanzen dargestellt. Der Tenor Daniel Behle und sein kongenialer Partner Oliver Schnyder am Flügel bringen mit ihrer musikalisch anspruchsvollen Einspielung die Ironie des Ganzen köstlich zum Ausdruck. Neben anderen Strauss-Schöpfungen – etwa den selten aufgeführten Gesängen des Orients – enthält das hörenswerte Album auch noch ein kleines Kuckucksei: nämlich das von Behle im Stil von Strauss komponierte Lied Der Schmetterling.

„Un-Erhört – Out-Rageous”, Daniel Behle, Oliver Schnyder (Prospero)

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