Französischer Wein inspirierte Wagner, inspirierte Debussy. Über den Tropfen, unter dessen Einfluss der Parsifal entstand.

Man­che Kom­po­nis­ten waren ech­te Wein­lieb­ha­ber. Ravel ver­ehr­te erle­se­ne Tröpf­chen, die sein Dan­dy­tum unter­stri­chen. Beet­ho­ven soll drei Fla­schen Fran­ken­wein täg­lich kon­su­miert haben. Pierre Bou­lez ande­rer­seits war strikt gegen Alko­hol. Und wie­der ande­re nutz­ten Wein zur Inspi­ra­ti­on, so etwa Richard Wag­ner. Einen davon lieb­te er sogar so sehr, dass er sich 100 Fla­schen davon in sein Haus in Bay­reuth lie­fern ließ. Die­sen Saint-Péray, einen bril­lan­ten Weiß­wein, den es in einer spru­deln­den und einer stil­len Vari­an­te gibt, trank er, als er sei­nen Par­si­fal kom­po­nier­te. Die­ser „Hei­li­ge Gral unter den Opern“ inspi­rier­te wie­der­um Debus­sy – den wir ja in die­ser Aus­ga­be zu sei­nem 100. Todes­tag wür­di­gen – zu sei­ner Oper Pelléas et Méli­san­de.

Debus­sy schrieb über Par­si­fal, dass er einen der schöns­ten Momen­te der Musik­ge­schich­te beinhal­te, unver­gleich­lich, ver­blüf­fend, bril­lant und stark. Et voi­là! So inspi­rier­te ein fran­zö­si­scher Wein einen deut­schen Kom­po­nis­ten, der wie­der­um die fran­zö­si­sche Musik inspi­rier­te. Das gibt der Rede­wen­dung „à la françai­se“ gleich eine ganz ande­re Bedeu­tung – qua­si mit teu­to­ni­scher Wen­dung.

Wag­ner ließ sich 100 Fla­schen die­ses Weins in sein Bay­reu­ther Haus lie­fern“

Nur all­zu ver­ständ­lich, dass der Wein aus Saint-Péray die Welt der Künst­ler, der Schö­nen und der Rei­chen in Euro­pa erober­te, obwohl er nach der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on einen seku­la­ren Namen annahm: Eine Zeit lang war er schlicht als „Péray-Weiß­wein“ bekannt – ganz ohne reli­giö­se Hei­lig­spre­chung. Lamar­ti­ne, Dau­det, Mau­pas­sant und Bau­de­lai­re erwäh­nen alle den Wein in ihren Schrif­ten. Sogar Papst Pius VII. lob­te ihn.

ANZEIGE

Saint PerayDer Weiß­wein hat einen robus­ten, dicken, but­t­ri­gen Geschmack nach Man­del, Honig und sämi­gen Früch­ten wie Pfir­sich oder Apri­ko­se. Die­ser und die spru­deln­de Vari­an­te wer­den aus der Mar­sen­ne- und Rou­san­ne-Trau­be gekel­tert, die in küh­le­rem, feuch­te­rem Kli­ma gedeiht und sich für tief­grün­di­ge Weiß- und Perl­wei­ne im Bur­gun­der­stil eig­net. Die Trau­ben wer­den gepresst. Fer­men­tiert wer­den sie bei kal­ten Tem­pe­ra­tu­ren in Bot­ti­chen und Eichen­fäs­sern. Die bes­ten Pro­du­zen­ten die­ses Weins wie Yves Cuil­le­ron und Alain Voge sind für ihre spe­zi­ell limi­tier­ten Edi­tio­nen bekannt, aber der von Michel Chapou­tier ist viel­leicht der bes­te, erschwing­lichs­te und am leich­tes­ten zu beschaf­fen­de unter ihnen. Zusam­men mit der fran­zö­si­schen Star­kö­chin Anne-Sophie Pic hat die Chapou­tier-Fami­lie ein her­vor­ra­gen­des und bezahl­ba­res Bei­spiel für einen Mar­sen­ne Saint-Péray her­aus­ge­bracht.

Sogar Papst Pius VII. lob­te ihn“

Und für den Bes­ten der Bes­ten soll­ten Sie den „Fleur du Crus­sol“ von Alain Voge pro­bie­ren – mit bes­ten Par­ker-Punk­ten bewer­tet und Mus­ter­bei­spiel für einen Wein aus die­ser Regi­on.

Inno­va­ti­on und Inspi­ra­ti­on waren im Spiel, als Lou­is-Alex­and­re Fau­re, ein Win­zer der Regi­on, ange­regt von den Metho­den, die es in der Cham­pa­gne gab, sei­nen ers­ten spru­deln­den Saint-Péray pro­du­zier­te. Im 20. Jahr­hun­dert soll­te der Wein gro­ße öffent­li­che Aner­ken­nung genie­ßen: Am 8. Dezem­ber 1936 erlang­te der Saint- Péray als einer von nur neun Wei­nen AOCSta­tus, also das Güte­sie­gel „Appel­la­ti­on d’Origine Con­trô­lée“. Lei­der hat die­ser Wein heu­te sei­nen Gla­mour-Fak­tor ver­lo­ren und wird außer­halb von Frank­reich kaum noch ver­trie­ben, wäh­rend sei­ne stil­le Vari­an­te ein Favo­rit unter Samm­lern, Ken­nern und natür­lich auch unter Kom­po­nis­ten und Diri­gen­ten geblie­ben ist. Und Wag­ner – wie indi­rekt spä­ter dann auch Debus­sy – hat­te also das Glück, sei­nen per­sön­li­chen Hei­li­gen Gral unter den Wei­nen gehabt zu haben. War­ten Sie nicht wei­ter auf Ihre Inspi­ra­ti­on – Ihre Muse „à la françai­se ist schon bereit …

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here