Seit man Musik auf­schreibt, erleich­tern Vor­trags­be­zeich­nun­gen die Inter­pre­ta­ti­on. Sie lie­fern zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen über emp­foh­le­ne Laut­stär­ke (pia­no, for­te), Geschwin­dig­keit (mode­ra­to, pres­to), Arti­ku­la­ti­on (stac­ca­to, lega­to) oder Spiel­tech­nik (glis­san­do, piz­zi­ca­to). Im roman­ti­schen Über­schwang des 19. Jahr­hun­derts wur­den die Vor­trags­be­zeich­nun­gen immer län­ger und blu­mi­ger, etwa bei Richard Wag­ner.

Die­sen Trend nahm der fran­zö­si­sche Kom­po­nist Erik Satie auf die Schip­pe. Hier eine Aus­wahl sei­ner schöns­ten Spiel­an­wei­sun­gen:
„Ändern Sie nicht Ihren Gesichts­aus­druck.“ (Les trois Val­ses dis­tin­guées)
„Erblei­chen Sie in der Magen­gru­be.“ (Ebd.)
„Sei­en Sie per­plex.“ (Trois Poè­mes d’amour)
„mit trä­nen­er­stick­ten Fin­gern“ (Ebd.)
„wie eine Nach­ti­gall mit Zahn­schmer­zen“ (Embryo­nes des­sé­chés)
„Beneh­men Sie sich bit­te: Ein Affe schaut Ihnen zu.“ (Le Piège de Médu­se)
„Den­ken Sie über sich selbst nach.“ (Six Gnos­si­en­nes)
„Gehen Sie nicht weg.“ (Ebd.)

Und Paul Hin­de­mith weist in sei­ner Solo­so­na­te für Brat­sche an:
„Rasen­des Zeit­maß. Wild. Ton­schön­heit ist ­Neben­sa­che.“

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Als „Anmer­kung für den Zuhö­rer und den Leser die­ser Par­ti­tur“ notiert er zu sei­ner Kurz­oper „Das Nusch-Nuschi“:

„Fol­gen­de ‚Cho­ral­fu­ge‘ … ver­dankt ihr Dasein ledig­lich einem unglück­li­chen Zufall: Sie fiel dem Kom­po­nis­ten ein. Sie bezweckt wei­ter nichts als dies: sich stil­voll in den Rah­men die­ses Bil­des zu fügen und allen ‚Sach­ver­stän­di­gen‘ Gele­gen­heit zu geben, über die unge­heu­re Geschmack­lo­sig­keit ihres Schöp­fers zu bel­len. Hal­le­lu­ja! – Das Stück muss in der Haupt­sa­che von zwei Eunu­chen mit ganz unge­heu­er dicken nack­ten Bäu­chen getanzt (gewa­ckelt) wer­den“.

Erwin Schul­hoff wid­met sei­ne Iro­ni­en für Kla­vier vier­hän­dig „allen Cho­le­ri­kern“ und ver­sieht sei­ne Bass­nach­ti­gall für Kon­tra­fa­gott mit einem dada­is­ti­schen Gedicht, in dem es heißt:
„Für All­ge­mein­ver­ständ­lich­keit als Bekennt­nis: Der gött­li­che Fun­ke kann wie in einer Leber­wurst auch in einem Kon­tra­fa­gott vor­han­den sein.“


Hätten sie’s gewusst?

RollschuheRoll­schu­he ver­dan­ken ihre Erfin­dung dem Thea­ter! Um das Schlitt­schuh­lau­fen auf der Büh­ne zu imi­tie­ren, sol­len in Lon­don bereits 1743 Roll­schu­he ein­ge­setzt wor­den sein. Um 1760 wur­den sie dann vom bel­gi­schen Instru­men­ten­bau­er und Gei­ger Jean-Joseph Mer­lin mit drei hin­ter­ein­an­der mon­tier­ten Lauf­rol­len am Schuh per­fek­tio­niert. Bei einem Mas­ken­fest spiel­te Mer­lin selbst roll­schuh­lau­fend Gei­ge – weil er weder brem­sen noch Kur­ven fah­ren konn­te, krach­te er in eine Spie­gel­wand und ver­letz­te sich und sein Instru­ment dabei schwer.



    
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Maria Goeth
Sie ist eine "eierlegende Wollmilchsau" des Opern- und Konzertbetriebs: Maria Goeth wirkte als Dramaturgin, Regisseurin und Kuratorin, aber auch als Moderatorin, Gastspielleiterin und Inspizientin. Festanstellungen führten sie u.a. ins Orchestermanagement der Bayerischen Staatsoper, als Konzertdramaturgin ans Theater Heidelberg und ins Projektmanagement von „Jugend musiziert“. Darüber hinaus übernimmt die promovierte Musikwissenschaftlerin immer wieder Lehraufträge an der LMU München. Seit 2016 arbeitet Maria Goeth bei CRESCENDO, seit 2017 ist sie Leitende Redakteurin.

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