Der Zau­ber der unbe­schreib­lich schö­nen tos­ka­ni­schen Land­schaft ist unge­bro­chen. Seit mehr als drei Jahr­zehn­ten ist sie nicht nur für uns Deut­sche ein bevor­zug­tes Rei­se­ziel. Den Appe­tit wecken unzäh­li­ge Repor­ta­gen der Hoch­glanz­ma­ga­zi­ne aus der Rei­se­bran­che. Da wer­den his­to­ri­sche Städ­te – allen vor­an Flo­renz und Sie­na, wun­der­schö­ne Ort­schaf­ten –, die kli­ma­ti­schen Vor­tei­le, die gute Küche und nicht zuletzt die zahl­rei­chen Wei­ne hoch­ge­lobt, begin­nend mit Klas­si­kern wie Chi­an­ti und Bru­nel­lo. Kein Wun­der also, wenn wir ganz nach dem Mot­to agie­ren: War­um denn in die Fer­ne schwei­fen, wenn das Gute liegt so nah?

Das ehe­mals sump­fi­ge Küs­ten­land Marem­ma im Süden der Tos­ka­na ist heu­te tro­cken­ge­legt,
und die Sand- und Geröll­bö­den bie­ten idea­le Bedin­gun­gen für Oli­ven- und Wein­an­bau.

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Mit den Wei­nen ist es ja ähn­lich, auch wenn – über die Jahr­zehn­te betrach­tet – immer wie­der ein paar neue Namen dazu­ge­kom­men sind. Das hält die Sze­ne up to date, und dank der schlei­chen­den „Ent­par­ke­ri­sie­rung“ besinnt man sich zuneh­mend auf den eige­nen Geschmack. „Super­tu­scans“, soge­nann­te Icon-Wei­ne, ver­kau­fen sich meist auch ohne die infla­tio­nä­re Punk­te­ver­ge­be­rei.

Die Wein­ber­ge auf den zum Meer hin abfal­len­den Hän­gen des Wein­dorfs Bolg­he­ri
in der Pro­vinz Livor­no las­sen groß­ar­ti­ge Wei­ne ent­ste­hen.

Seit Anfang des Jah­res wur­den mir meh­re­re Wei­ne sol­cher Grö­ßen aus den Jah­ren 2015 und 2016 prä­sen­tiert. Die­se erst­klas­si­gen Cuvées aus den roten Reb­sor­ten à la Bor­de­lais, Caber­net, Mer­lot, Petit Ver­dot haben mich rich­tig begeis­tert und auch davon über­zeugt, dass in der Tat die Icon-Wei­ne in der Tos­ka­na ihren eige­nen Stil und Cha­rak­ter gefun­den haben. Das sind kei­ne Nach­ah­mun­gen mehr wie teil­wei­se jene aus den ers­ten Jahr­gän­gen, son­dern Wei­ne, die man sehr ger­ne trin­ken möch­te.

Wein­re­ben, Oli­ven­hai­ne und Zypres­sen bede­cken die sanf­ten Hügel des Val d’Orcia, das
seit 2004 um UNESCO-Welt­kul­tur­er­be gehört.

Nein, sie mutie­ren nicht zu All­tags­wei­nen, dafür sind sie auch zu hoch­prei­sig; es sind Wei­ne für die beson­ders schö­nen Momen­te im Leben, viel­leicht für hier und heu­te. Wein-Kunst­wer­ke, die einen Hauch Tos­ka­na in Fla­schen prä­sen­tie­ren.

 

DIE FATTORIA LE PUPILLE BEI GROSSETO

Erb­te die Lie­be zum Wein­bau von ihrem Groß­va­ter: Eli­sa­bet­ta Geppet­ti 

Auf ins­ge­samt 80 Hekt­ar Reb­flä­che pro­du­ziert die gro­ße Dame des Morel­li­no di Scansa­no, Eli­sa­bet­ta Geppet­ti, jenen Rot­wein aus der Marem­ma, der jede Pas­ta mit Fleisch­so­ße adelt.

Das Gut Le Pupil­le auf einem Hügel im Wein­an­bau­ge­biet Scansa­no in der Marem­ma

Seit 1987 erzeugt die Don­na del Vino zudem ihren Saf­f­re­di, der zu den ers­ten Icon-Wei­nen der Tos­ka­na gezählt wird. Auf fünf Hekt­ar wur­den 1980 die Reben Caber­net Sau­vi­gnon, Mer­lot und Syrah gepflanzt. Je nach Jahr­gang wer­den sie unter­schied­lich cuvée­tiert.

2016 Saf­f­re­di, IGT Tos­ca­na, Fat­to­ria Le Pupil­le, Gros­se­to
Der edle Stoff aus 2016 ist dank 30-jäh­ri­ger Pro­duk­ti­on längst erwach­sen. Er hat sich unter den gro­ßen Wei­nen eta­bliert und bie­tet höchs­ten Genuss, wenn man ihm eini­ge Jah­re zur Rei­fe gönnt.

 

2015 Saf­f­re­di, IGT Tos­ca­na, Fat­to­ria Le Pupil­le, Gros­se­to
Die inten­si­ven Aro­men des 2015 – rote, blaue und schwar­ze Wald­bee­ren, Cas­sis, Laven­del­blü­ten, San­del­holz, Zigar­ren­kis­te – über­zeu­gen sofort. Die ker­ni­ge, teils noch etwas sprö­de Struk­tur mit edlem Tan­nin­ge­rüst ver­bin­det Kraft mit Ele­ganz und Fines­se mit Har­mo­nie. Im jugend­li­chen Geschmack prä­sen­tiert sich viel Poten­zi­al und Län­ge.

 

DIE TENUTA ARGENTIERA  

Das Wein­gut Argen­tie­ra, des­sen Name auf die eins­ti­gen Sil­ber­mi­nen der Marem­ma zurück­geht,
liegt auf einem 200 Meter hohen Pla­teau über dem Meer. 

100 Kilo­me­ter süd­west­lich von Flo­renz liegt die Tenuta Argen­tie­ra, am süd­lichs­ten Zip­fel der nam­haf­ten DOC-Bolg­he­ri.

Um den Wein­kel­ler her­um befin­den sich die Wein­gär­ten, dem Meer zuge­wandt
und geschützt vom Wald. 

Auf 200 Meter See­hö­he genie­ßen die Reb­stö­cke der Sor­ten Caber­net, Mer­lot und Syrah auf stei­ni­gen Ton­bö­den den Meer­blick zu den Inseln Giglio und Elba.

Der Unter­neh­mer Sta­nis­laus Turnau­er: seit 2016 Besit­zer des Wein­guts Argen­tie­ra

Das noch sehr jun­ge Unter­neh­men (ers­ter Jahr­gang 2003) hat mit Sta­nis­laus Turnau­er, sei­nem neu­en Besit­zer seit 2016, eine gro­ße Zukunft vor sich. Die gan­ze Mann­schaft im 75 Hekt­ar gro­ßen Wein­gut ist seit Beginn an Bord und prä­sen­tiert mit dem 2015 Argen­tie­ra DOC Bolg­he­ri Supe­rio­re, was auf den stein­rei­chen Kalk‑, Lehm- und Sand­bö­den mög­lich ist. Gewiss, sehr ähn­lich einem gro­ßen Bor­deaux, aber wer will nicht mit die­sen Gewäch­sen in einem Atem­zug genannt wer­den?

2015 Argen­tie­ra, Bolg­he­ri Supe­rio­re, Tenuta Argen­tie­ra
Argen­tie­ra wirkt nicht ganz so kühl oder streng, zeigt war­me, medi­ter­ra­ne Züge, sanf­te Kräu­ter­no­ten der Gar­ri­que, sal­zi­ge Töne wie sei­ne Nach­barn Ornel­l­a­ia und Sas­si­ca­ia. Noch mode­rat in der Preis­ge­stal­tung ist sein klei­ner Bru­der, Pog­gio ai Gine­pri, der Tipp schlecht­hin für jede Par­ty.

 

DIE TENUTA DI TRINORO

Die Tenuta di Tri­no­ro liegt im obe­ren Val d’Orcia auf unge­wöhn­li­chen 450 bis 600 Höhen­me­tern. 

Die Tenuta di Tri­no­ro im Val d’Orcia im Lan­des­in­ne­ren, süd­lich von Sie­na, besitzt über 200 Hekt­ar, aber nur 22 davon wur­den nach den Vor­stel­lun­gen des Inha­bers Andrea Fran­chet­ti völ­lig neu, über­wie­gend mit Caber­net Franc ange­pflanzt. Es liegt an der Gren­ze zu Umbri­en und dem Lati­um unge­wöhn­lich hoch, auf 450 bis 600 Höhen­me­tern, was die Reben viel spä­ter rei­fen lässt. Der Ter­ro­ir­cha­rak­ter aus die­ser Höhen­la­ge ist ein wei­te­rer Grund, wes­halb der Tri­no­ro Ros­so nicht nur in sei­ner Regi­on, son­dern in ganz Ita­li­en als ein­zig­ar­tig betrach­tet wird.

Andrea Fran­chet­ti, Nef­fe des ame­ri­ka­ni­schen Malers Cy Twom­bly, kom­po­niert
auf sei­nem ein­sa­men Gut ein­zig­ar­ti­ge Wei­ne. 

Die Cuvée vari­iert je nach Jahr­gang und besteht in ers­ter Linie aus Caber­net Franc, etwas Mer­lot, Caber­net Sau­vi­gnon und Petit Ver­dot. Spä­tes­tens mit der letz­ten 100-Punk­te-Wür­di­gung durch Anto­nio Gal­lo­ni wur­de auch die­ser Neu­zu­gang in der Tos­ka­na zur Rari­tät und Iko­ne glei­cher­ma­ßen.

2016 Tri­no­ro, IGT Ros­so Tos­ca­na, Tenuta di Tri­no­ro
2016 prä­sen­tiert sich dicht im tief­dunk­len Rot, in der Nase opu­lent und schwarz­bee­rig mit Peri­gord­trüf­fel, San­del­holz, Bit­ter­scho­ko­la­de und feins­tem Earl Grey. Gau­men­fül­len­der Edel­stoff mit viel Poten­zi­al – ganz gro­ße Oper.

 

 

DIE TENUTA DELL’ORNELLAIA

Ver­bor­gen in den Hügeln von Bolg­he­ri befin­det sich das Wein­gut Ornel­l­a­ia. 

Mit dem Wein­gut Tenuta dell’Ornellaia hat Ita­li­ens Wein-Iko­ne „Sas­si­ca­ia“ in Bolg­he­ri in direk­ter Nach­bar­schaft einen ernst zu neh­men­den Kon­kur­ren­ten bekom­men.

Wein­pro­du­zent in der 30. Genera­ti­on: Mar­che­se Lam­ber­to Fres­co­bal­di

Auch hier wur­den Caber­net Sau­vi­gnon, Mer­lot, Caber­net Franc und Petit Ver­dot ange­pflanzt, weil die Böden für San­giove­se ein­fach nicht geeig­net sind. Auch hier wur­de im Kel­ler nach Bor­de­lai­ser Vor­bild in Tech­nik und Bar­ri­que­fäs­ser inves­tiert. Die Ornel­l­a­ia-Phi­lo­so­phie war von Beginn an vom Wunsch nach einer außer­ge­wöhn­li­chen Wein­qua­li­tät geprägt. Mit dem hoch­ta­len­tier­ten Öno­lo­gen Axel Heinz wur­de die­ses Ziel seit 2005 auch regel­mä­ßig erreicht. 1995 wur­de der eins­ti­ge Vino da Tavo­la mit der noblen Her­kunft „Bolg­he­ri DOC Supe­rio­re“ geadelt. Mar­che­si de’Frescobaldi ist seit 2005 Allein­in­ha­ber des Wein­guts.

Axel Heinz, der Lei­ter und Öno­lo­ge des Wein­guts del­l’Ornel­l­a­ia, zum
2015 Ornel­l­a­ia, IGT, Bolg­he­ri Supe­rio­re: 
„Wie auch Per­so­nen mit gro­ßem ‚Cha­ris­ma‘ wis­sen sich die Wei­ne der gro­ßen Jahr­gän­ge auf natür­li­che und unge­zwun­ge­ne Art zu behaup­ten: Ihr inne­res Gleich­ge­wicht lässt sie ohne gro­ßes Blend­werk von allei­ne glän­zen. Der Ornel­l­a­ia 2015 ent­spricht ganz die­sem Cha­rak­ter­zug. Aus einer beson­ders aus­ge­gli­che­nen Lese geht eine der bemer­kens­wer­tes­ten Ver­sio­nen die­ses Wei­nes her­vor.“

 

Eine italienische Rarität: der Masseto

In einem beson­de­ren Wein­berg der Tenuta dell’Ornellaia wer­den die Trau­ben für den Mas­se­to
in klei­nen Kist­chen von Hand ver­le­sen. 

Mas­se­to wird rein­sor­tig aus Mer­lot­trau­ben gekel­tert und ist einer der rars­ten – und der teu­ers­te – Wein in Ita­li­en. Er wird auch als „Petrus“ der Ita­lie­ner gehan­delt.

Die Rei­fung des Mas­se­tos erfolgt zwei Jah­re in Eichen­fäs­sern und ein Jahr im Fla­schen­la­ger. 

Bei einer Luft­li­nie von zwei Kilo­me­tern zum Meer natür­lich mit medi­ter­ra­ner Note, doch genau­so rar wie der „Petrus“, aber noch nicht ganz so teu­er. Um die 30.000 Fla­schen wer­den jähr­lich pro­du­ziert, seit letz­tem Herbst auch end­lich in einem für ihn eigens gebau­ten Kel­ler vini­fi­ziert.

Die tos­ka­ni­sche Adels­fa­mi­lie de’ Fres­co­bal­di belie­fer­te bereits
im 14. Jahr­hun­dert die euro­päi­schen Königs­hö­fe mit ihrem Wein. 

Das gan­ze Anwe­sen gehört nach wie vor zur Tenuta dell’Ornellaia. Von Anfang an wur­den die Trau­ben für die­sen Kult­wein sepa­rat aus­ge­baut, geern­tet von der 6,6 Hekt­ar klei­nen Reb­flä­che, die dort direkt ums Eck gele­gen ist.

2015 und 2016 Mas­se­to, IGT, Bolg­he­ri, Tenuta dell’Ornellaia
Das Ziel war klar: Ita­li­ens bes­ter Mer­lot zu wer­den! Und das ist der Mas­se­to ohne Zwei­fel, beson­ders in Jahr­gän­gen wie 2015, 2010 oder 2001. Ein aris­to­kra­ti­scher Wein, ganz zum Fami­li­en­clan der Eigen­tü­mer, den Fres­co­bal­dis, pas­send, auch wenn es, wie bei „Petrus“, durch­aus auch mal einen Jahr­gang gibt, der nicht zu den bes­ten sei­ner Gat­tung zählt. Wer aber noch 2015 oder 2016 ergat­tern kann, hat damit einen Platz im Wein­him­mel gefun­den.

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