Die Oper ist die sze­ni­sche Erzäh­lung der Kom­po­si­ti­on. Aber kann man das noch so erle­ben? Die kon­zer­tan­ten Auf­füh­run­gen von Opern­wer­ken ver­brei­ten sich in den letz­ten Jah­ren wie eine Hydra mit immer grö­ße­ren Armen. Die Unsit­te der sim­pli­fi­zier­ten Wie­der­ga­be die­ser Un-Form begann mit der Renais­sance der Barock­opern, die der­zeit weit­ge­hend in kon­zer­tan­ter Wei­se auf­ge­führt wer­den, obwohl jeder­mann bekannt ist, dass Barock­opern in der Blü­te­zeit ihrer Ent­ste­hung von Ces­ti, Mon­te­ver­di bis Hän­del immer und über­all in pracht­vol­ler Aus­stat­tung als Gesamt­kunst­werk für Auge und Ohr auf­ge­führt wur­den. Die mytho­lo­gi­schen Vor­la­gen von Homer bis Ovid und bis zu den ger­ma­ni­schen Hel­den­sa­gen sind heu­te dem Publi­kum und auch den sze­ni­schen Gestal­tern nicht mehr bekannt, und eine sze­ni­sche Wie­der­ga­be wird – ob in his­to­ri­scher Form oder im Ver­such, die Hand­lung heu­tig zu erzäh­len – nicht inten­diert.

Bei kon­zer­tan­ten Operndar­bie­tun­gen zei­gen Sän­ger wahr­haft schril­le Mode­vor­füh­run­gen,
für die sie von Mode­schöp­fern auch noch bezahlt wer­den.“

Nicht nur bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len greift die künst­le­ri­sche Unsit­te um sich, dass man unbe­denk­lich Wer­ke kon­zer­tant auf­führt, in denen ein ver­kaufs­träch­ti­ger Mit­wir­ken­der besetzt wer­den kann. Die dra­ma­tur­gisch pro­gram­ma­ti­sche Recht­fer­ti­gung dazu ist die kur­ze Pro­ben­zeit, die Zweit­ran­gig­keit des „beglei­ten­den“ Orches­ters, kei­ner­lei Deko­ra­ti­on und natür­lich der gute Ver­kauf zu den­sel­ben Bedin­gun­gen – sprich zu den­sel­ben Prei­sen – wie die teu­ren sze­ni­schen und lan­ge geprob­ten Auf­füh­run­gen. Also sind alle froh und zufrie­den, der Ver­an­stal­ter eben­so wie das Publi­kum, das sich nicht bemü­hen muss, eine sze­ni­sche Gestal­tung zu ver­ste­hen oder sich damit zu beschäf­ti­gen und vor allem die zu schnel­lem Geld gelang­ten Sän­ger.
Hin­zu kommt die Gar­de­ro­be der Solis­ten als bezahl­te Moden­schau. Wer­den sin­fo­ni­sche Wer­ke auf­ge­führt, bei denen Sän­ger mit­wir­ken, klei­den sich die­se zumeist in Abend­kleid und Frack. Bei kon­zer­tan­ten Operndar­bie­tun­gen dage­gen zei­gen die Sän­ger und vor allem die Solis­tin­nen wahr­haft schril­le Mode­vor­füh­run­gen, für die sie von Mode­schöp­fern auch noch bezahlt und beschenkt wer­den. Auf die­se Wei­se wird die Oper immer mehr zum Kon­sum­gut.

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1. und 3. Novem­ber 2019 Savon­lin­na – Oper im hohen Nor­den
8. und 10. Novem­ber 2019 Athen – Die ewi­ge Kul­tur­haupt­stadt
15. und 17. Novem­ber 2019 Ams­ter­dam – Immer noch Welt­kul­tur­haupt­stadt?
22. und 24. Novem­ber 2019 Mode­na 

 

 

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