Ja, Port­wein kann­te man. Viel­leicht auch noch Mateus Rosé. Ers­te­rer stand für Qua­li­tät auf hohem Niveau und lan­ger Lebens­dau­er, der zwei­te war eher eine Tou­ris­ten­at­trak­ti­on. Ansons­ten waren vor 30 Jah­ren Wei­ne aus Por­tu­gal – ob weiß oder rot – außer­halb der Lan­des­gren­zen noch kein The­ma. Das hat sich geän­dert. Und zwar vom Feins­ten!

Fantastische Weine reifen in den Weinkellern.

Der Wein­bran­che Por­tu­gals ging es von den 1960er- bis in die 1990er-Jah­re wirk­lich schlecht. Und das in ers­ter Linie, weil die Por­tu­gie­sen inner­halb Euro­pas viel zu lan­ge für sich und zurück­ge­zo­gen, also ohne Teil­nah­me am Markt­ge­sche­hen, gelebt hat­ten. Nach dem Bei­tritt zur EU im Jahr 1986 kam die gro­ße Frei­heit – die poli­ti­schen Ein­mi­schun­gen waren end­gül­tig vor­bei. Und doch dau­er­te es wei­te­re zehn Jah­re, bis sich die enor­men Inves­ti­tio­nen der För­der­gel­der in den Top­kel­le­rei­en und ihren Wein­ber­gen bemerk­bar mach­ten.

Die Quinta de Nápoles umfasst etwa 30 Hektar Rebfläche. 

Vom Vin­ho Ver­de im Nor­den bis an die Algar­ve wur­de rasch klar, dass die mehr als 250 hei­mi­schen Reb­sor­ten der ech­te und wah­re Reich­tum des Lan­des sind. Bei die­ser Erkennt­nis ist es zum Glück geblie­ben. Und nicht nur das: Die jun­ge Genera­ti­on setz­te auf die tra­di­tio­nel­len Sor­ten und pro­du­ziert bis heu­te aus ihnen fan­tas­ti­sche Wei­ne, die im Rest der Wein­welt ihres­glei­chen suchen.

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Schreibt Portugals Weingeschichte neu: Dirk Niepoort aus Porto

Im Hin­blick auf die­se Ent­wick­lung gibt es ein paar Men­schen, die im Mit­tel­punkt des Gesche­hens ste­hen, allen vor­an sei der Auto­di­dakt Dirk Nie­po­ort aus Por­to genannt. Er schreibt mit sei­nen umwer­fen­den Rot- und Weiß­wei­nen nicht nur im Dou­ro-Tal Por­tu­gals Wein­ge­schich­te neu, son­dern kre­iert mit befreun­de­ten Win­zer­kol­le­gen neue Wei­ne und grün­det ein Wein­gut nach dem ande­ren: Nicht nur sei­ne eige­ne 2007 fer­tig­ge­stell­te Kel­le­rei, Quin­ta de Nápo­les im Dou­ro, auch im Dão, der Bair­ra­da, im Vin­ho Ver­de und dann über Por­tu­gals Gren­zen, in Spa­ni­en, Süd­afri­ka und nicht zuletzt –mit sei­nem Sohn Dani­el – an der Mosel. In den letz­ten 25 Jah­ren kre­ierte er allein in Por­tu­gal so vie­le groß­ar­ti­ge Wei­ne wie kein ande­rer Wein­ma­cher in sei­nem gan­zen Leben. Dirk ist Jahr­gang 1964, das war kein Jahr für einen Vin­ta­ge-Port, aber ein guter Jahr­gang für die nächs­te Genera­ti­on Nie­po­ort.

Seit 2001 gehört die Weinregion Douro im Norden Portugals zum UNESCO-Welterbe.

Die Wein­re­gi­on Dou­ro ist das älteste Wein­an­bau­ge­biet der Welt, des­sen Her­kunft geschützt ist (1754). Die UNESCO hat die Regi­on sogar als Welt­kul­tur­er­be aner­kannt. Die Naturschönheit die­ser Land­schaft in weni­ge Wor­te fas­sen zu wol­len, macht nur wenig Sinn – man muss sie gese­hen haben. Eben­so wie man die Wei­ne und Port­wei­ne mehr als ein­mal pro­biert haben muss, um sie ange­mes­sen zu ver­ste­hen.

Am bes­ten beginnt man gleich mit den Wei­nen der Winzer­legende Dirk Nie­po­ort aus Por­to. Wer glaubt, im Dou­ro gäbe es nur rote Trau­ben, der irrt. Nie­po­orts Reser­va Redo­ma Bian­co (Rabi­ga­to, Códe­ga, Vios­in­ho, Arin­to und ande­re) hat mich von Anfang an mit ihrer Dich­te, Aro­men­viel­falt, Kraft und Fri­sche zugleich begeis­tert. Zum Teil im neu­en Eichen­fass aus­ge­baut, ist das seit Jah­ren ein zuver­läs­si­ger gro­ßer Weiß­wein im bes­ten Preis­li­mit. Sein roter Bru­der, Redo­ma Tin­to, steht ihm in nichts nach. Ein genia­ler Ein­stei­ger­wein für Rot­wein­fans ist ohne Zwei­fel das welt­be­kann­te Meis­ter­stück Fabel­haft. Ein Brot-und-But­ter-Wein für jeden und alle Tage. Ein­fach: fabel­haft! Dazu gesel­len sich Batu­ta, als Spit­zen­wein nur in bes­ten Jahr­gän­gen her­ge­stellt, und als Krö­nung in der Königs­klas­se der roten Dou­ros: Charme. Eine fines­sen­rei­che, deli­ka­te und sen­si­ti­ve Schöp­fung, die, wie Dirk selbst ein­mal sag­te, sei­ner Lei­den­schaft für die roten Bur­gun­der in der Spit­zen­klas­se am nächs­ten kommt.
Als Port­wein emp­feh­le ich neben den zahl­rei­chen Col­hei­tas von Nie­po­ort drei aktu­el­le Vin­ta­ges: 2017, 2015 und 2009 zum Rei­fen – und manch­mal auch zum Naschen. Die wirk­lich tief­sin­ni­gen Pracht­ker­le zei­gen alle sehr viel dun­kel­fruch­ti­ge Bee­ren­aro­ma­tik, Wür­ze und geball­te Kraft im Gau­men, knal­len laut im ers­ten Moment, um sich letzt­lich ver­eint in Har­mo­nie zu ver­ab­schie­den. Das Gefühl von Wärme und Nähe, das erst­klas­si­ger Port­wein ver­mit­teln kann, hat etwas ganz Beson­de­res, etwas Anzie­hen­des.

Die Bairrada-Region hat ein kühles und feuchtes Klima mit atlantischem Einfluss.
Die vorherrschende rote Sorte ist Baga.

Die­se Regi­on ist erst seit weni­gen Jah­ren wie­der in den Köp­fen der Wein­ma­cher und Kon­su­men­ten. Hier steht die Rot­wein­trau­be Baga ganz im Mit­tel­punkt. Nur weni­ge haben es geschafft, die­se rus­ti­ka­le, tan­nin­rei­che Sor­te zu bän­di­gen. Haupt­ver­dienst gebührt Luis Pato: Er hat die wil­de Dame salon­fä­hig gemacht. Und sei­ne Toch­ter Fili­pa Pato folg­te ihm, wenn auch mit ganz ande­rem Stil. Ihre Wei­ne aus den auto­chtho­nen Sor­ten Arin­to, Bical, Baga, Cer­ci­al oder Maria Gomes zäh­len ein­deu­tig zu Por­tu­gals Spit­ze. Nach sei­nem ers­ten Enga­ge­ment mit Fili­pa Pato und dem „Pro­jec­tos Baga“ kauf­te Nie­po­ort die Quin­ta de Bai­xo. Hier pro­du­ziert er, vom leicht­fü­ßi­gen Baga-Typ den NAT’ COOL DRINK ME bis hin zum POEIRINHO mit nur 11 % Alko­hol aus dem raf­fi­niert struk­tu­rier­ten und fein­ma­schi­gen Baga. Eine pure Deli­ka­tes­se, die viel Ter­ro­ir und atlan­ti­schen Cha­rak­ter prä­sen­tiert. Die neue Leich­tig­keit des Weins!

Im vorigen Jahrhundert wurde der Dão als die renommierteste Weinregion Portugals betrachtet.

Im Dão wächst auf stein­har­ten Schie­fer- und Granitböden die wei­ße Reb­sor­te Encruz­ado – als Fan fines­sen­rei­cher, geschmack­vol­ler Weiß­wei­ne muss man sie ein­fach pro­biert haben, vor allem den wei­ßen Pri­mus Quin­ta da Pel­la­da von Alva­ro Cas­tro.


CONCISO Bran­co von Nie­po­ort, das wei­ße Gegen­stück zum Con­ci­so Tin­to, wird aus den Reb­sor­ten Bical, Mal­va­sia, Encruz­ado, alle aus einem Wein­berg mit 60  bis 100 Jah­re alten Reb­stö­cken, gewon­nen. Ein vege­ta­bi­ler, kräu­t­ri­ger Stil mit viel Fri­sche, Gripp, Span­nung, Druck und Zug. Viel Ähn­lich­keit mit einem Ries­ling, dazu das gewis­se Extra: eine medi­ter­ra­ne Note, die ihm in sei­ner Län­ge wirk­lich gut steht.
Bezugs­quel­len: www.gute-weine.de, www.hawesko.de

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