Beet­ho­ven, his­to­risch infor­miert auf moder­nen Instru­men­ten: Ist dazu nicht schon alles gesagt, bloß noch nicht von jedem? Kei­nes­wegs. Denn Juk­ka-Pek­ka Saras­te betrach­tet die Metro­nom­zah­len nicht als die allein selig­ma­chen­de Galopp­rou­te zu Beet­ho­ven, son­dern nimmt sich gele­gent­lich mehr Zeit, als das heu­te in Mode ist. Durch die­se Fle­xi­bi­li­tät kann er prä­gnan­te Rhyth­mik, dyna­mi­sche Kon­tras­te und schön sich ent­fal­ten­de Melo­dik stel­len­wei­se deut­li­cher her­aus­ar­bei­ten. Die Strei­cher mögen etwas neu­tral klin­gen, aber mit den zwei­ten Vio­li­nen rechts und cha­rak­te­ris­ti­schen Blä­sern fächert sich das Stim­men­ge­flecht fast von selbst klar und reso­lut auf. Dass Saras­te dazu noch Les­ar­ten anbie­tet, die so nicht in der Urtext­aus­ga­be ste­hen wie etwa eine schö­ne Arco- statt Piz­zi­ca­to-Stel­le im Eroi­ca-Fina­le, berei­chert die Dis­ko­gra­fie. Eine gut durch­ge­ar­bei­te­te Gesamt­auf­nah­me, deren Kom­pro­mis­se nicht schal wir­ken. 

Lud­wig van Beet­ho­ven: „Com­ple­te Sym­pho­nies“, WDR Sin­fo­nie­or­ches­ter, Juk­ka-Pek­ka Saras­te (Hänssler)

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Walter Weidringer
Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

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