Men­dels­sohns Äch­tung durch die Nazis ist bis heu­te nicht über­wun­den. Noch immer ist das Inter­es­se des brei­ten Publi­kums und vie­ler Musi­ker auf weni­ge Wer­ke beschränkt, wäh­rend vie­les ande­re, wie etwa sein umfang­rei­ches Kla­vier­werk, ein kläg­li­ches Schat­ten­da­sein fris­tet. Hier zählt der ita­lie­ni­sche Pia­nist Rober­to Pros­se­da zu den welt­weit füh­ren­den Men­dels­sohn-Akti­vis­ten, denn er hat nicht nur als ers­ter das gesam­te Solo-Kla­vier­werk modell­haft ein­ge­spielt, son­dern auch eine Rei­he ver­schol­le­ner Stü­cke wie­der­ent­deckt. Jetzt hat er mit dem tra­di­ti­ons­rei­chen Resi­den­tie Orkest aus Den Haag und sei­nem Chef Jan Wil­lem de Vri­end die bei­den rei­fen Kla­vier­kon­zer­te in g-Moll und d-Moll in einer elek­tri­sie­rend fri­schen, unge­stüm drän­gen­den und his­to­risch her­ben Inter­pre­ta­ti­on auf­ge­nom­men und so zwei Meis­ter­wer­ken der frü­hen Roman­tik eine in jedem Moment span­nungs­rei­che und auf­re­gen­de Klang­ge­stalt ver­lie­hen. Dass er dem der­zeit herr­schen­den Trend zu his­to­ri­schen Fort­epia­ni wider­steht und sei­ne stets prä­gnan­te Arti­ku­la­ti­on lie­ber auf einem moder­nen Fazio­li-Flü­gel glas­klar aus­for­mu­liert, unter­streicht die zeit­lo­se Moder­ni­tät und die vir­tuo­se Bril­lanz die­ser ewig jun­gen Kon­zer­te, die die Schön­heit und das huma­ne Ant­litz des Mozart’schen Erbes in sich tra­gen und genia­lisch wei­ter­ent­wi­ckeln. Das Ron­do Bril­lant fun­giert da als vir­tu­os fun­keln­des, ähn­lich tem­pe­ra­ment­vol­les Bin­de­glied zwi­schen den Kon­zer­ten.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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