Das Muse­um im Geburts­haus Lud­wig van Beet­ho­vens in Bonn ist wie­der geöff­net. Die Dau­er­aus­stel­lung wur­de über­ar­bei­tet und neu gestal­tet. Zudem erhielt das Muse­um eini­ge zusätz­li­che Räu­me, dar­un­ter eine so genann­te Schatz­kam­mer, ein Musik­zim­mer und einen Bereich für Son­der­aus­stel­lun­gen.

Ein Blick in die neue Dau­er­aus­stel­lung des Beet­ho­ven-Hau­ses
(Foto: © Beet­ho­ven-Haus Bonn, Foto: David Ertl)

ANZEIGE



Die Dau­er­aus­stel­lung ver­mit­telt Ein­bli­cke in das Leben und Arbei­ten Beet­ho­vens. Ermög­licht wer­den sol­le nach den Vor­stel­lun­gen von Mal­te Boecker, dem Direk­tor des Beet­ho­ven-Hau­ses, eine erleb­nis­ori­en­tier­te und emo­tio­na­le Begeg­nung mit Beet­ho­ven. So erfolgt die Glie­de­rung nicht mehr chro­no­lo­gisch, son­dern nach The­men­krei­sen wie Beet­ho­ven und sein Freun­des- und För­de­rer­kreis, Beet­ho­ven und sein All­tag und Beet­ho­ven als Künst­ler und Mensch mit kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen. „Nicht nur als his­to­ri­sche Per­sön­lich­keit“ sol­le Beet­ho­ven erlebt wer­den, erläu­tert Nico­le Kämp­ken, die Lei­te­rin des Muse­ums.

Ein Dio­ro­ma zeigt Bonn aus der Sicht Beet­ho­vens.
(Foto: © Beet­ho­ven-Haus Bonn, Foto: David Ertl)

Die Muse­ums­flä­che erstreckt sich über drei zusätz­li­che Son­der­räu­me, die im Hin­ter­haus über­ein­an­der lie­gen. Die­ses war das eigent­li­che Wohn­haus der Fami­lie Beet­ho­ven. Ein Diora­ma im Erd­ge­schoss lässt in einer künst­le­ri­schen Umset­zung Beet­ho­vens Bonn leben­dig wer­den, und im Klang­zim­mer dar­über ver­mit­teln fünf Früh­wer­ke die musi­ka­li­sche Ein­zig­ar­tig­keit Beet­ho­vens.

Das Beet­ho­ven-Haus: Im Dach­ge­schoss die­ses Hau­ses kam
Beet­ho­ven 1770 zur Welt.

(Foto: © Beet­ho­ven-Haus Bonn, Foto: David Ertl)

Das bis­her als Geburts­zim­mer bezeich­ne­te Eltern­schlaf­zim­mer der Beet­ho­vens im Dach­ge­schoss ist insze­niert als „Ort der sinn­li­chen Annä­he­rung an das Phä­no­men Beet­ho­ven“, wie die Archi­tek­tin Bar­ba­ra Hol­zer die Idee beschreibt. Hier begann der gro­ße Kom­po­nist sein Leben, und hier begann auch die Tra­gö­die sei­nes Lebens. Denn hier wuchs er auf mit einer jäh­zor­ni­gen und depres­si­ven Mut­ter, die früh­zei­tig an Schwind­sucht starb, und einem alko­hol­kran­ken, gewalt­tä­ti­gen Vater.

Raum für Kon­zer­te auf his­to­ri­schen Tas­ten­in­stru­men­ten:
das neue Musik­zim­mer

(Foto: © Beet­ho­ven-Haus Bonn, Foto: David Ertl)

Das neue Musik­zim­mer bie­tet Raum für Kon­zer­te auf den his­to­ri­schen Tas­ten­in­stru­men­ten sowie Film­vor­füh­run­gen und Vor­trä­ge. In der „Schatz­kam­mer“ dar­un­ter wer­den in tur­nus­mä­ßi­gem Wech­sel Ori­gi­nal­ma­nu­skrip­te Beet­ho­vens gezeigt. Zudem wur­de ein Semi­nar­raum für die Ver­mitt­lungs­an­ge­bo­te des Beet­ho­ven-Hau­ses ein­ge­rich­tet. Über Tablets erhal­ten Besu­che­rIn­nen Zugang zum Digi­ta­len Archiv des Hau­ses. Im Bereich für Son­der­aus­stel­lun­gen gibt es im Jubi­lä­ums­jahr vier the­ma­ti­sche Wech­sel­aus­stel­lun­gen zu sehen. „In bes­ter Gesell­schaft – Joseph Stie­lers Beet­ho­ven-Por­trät und sei­ne Geschich­te“ eröff­net die Rei­he.

Für Mal­te Boecker „die Mona Lisa des Hau­ses“: das Beet­ho­ven-Gemäl­de von Joseph Karl Stie­ler
(Foto: © Beet­ho­ven-Haus Bonn, Foto: David Ertl)

Das Gemäl­de von Joseph Karl Stie­ler, das für Mal­te Boecker „die Mona Lisa des Hau­ses“ dar­stellt, ist nicht nur das bekann­tes­te Por­trät Beet­ho­vens. Es hat auch eine Geschich­te. Das Bild zeigt Beet­ho­ven in einer idea­li­sier­ten Dar­stel­lung mit dem Manu­skript der Mis­sa Solem­nis in der Hand. Stie­ler war Por­trät­ma­ler, ab 1820 sogar Hof­ma­ler des baye­ri­schen Königs und bil­de­te zahl­rei­che Per­sön­lich­kei­ten auf die­se Wei­se ab, dar­un­ter etwa Goe­the und Richard Wag­ner.

Anto­nie von Bren­ta­no, die Auf­trag­ge­be­rin von Joseph Karl Stie­lers Beet­ho­ven-Gemäl­de,
eben­falls von Stie­ler por­trä­tiert

Beet­ho­vens Por­trät schuf Stie­ler 1820 im Auf­trag von Anto­nie Bren­ta­no. Die­se war die Schwä­ge­rin von Bet­ti­na von Arnim, über die Beet­ho­ven sie auch ken­nen­lern­te. Beet­ho­ven und Bren­ta­no ver­band eine tie­fe Bezie­hung. Bren­ta­no schreibt in ihrem Tage­buch von einer „Wahl­ver­wandt­schaft“. Es gibt sogar Ver­mu­tun­gen, sie könn­te jene „Unsterb­li­che Gelieb­te“ sein, an die Beet­ho­ven den Brief rich­te­te, der nach sei­nem Tod bei ihm in einer Schub­la­de gefun­den wur­de.

Der Por­trät­ma­ler Joseph Karl Stie­ler, foto­gra­fiert von Franz Hanf­sta­engl

Die Bezie­hung zu Bren­ta­no war aller­dings zum Zeit­punkt des Por­träts bereits been­det. So ran­ken sich vie­le Fra­gen um das Bild. Die Son­der­aus­stel­lung beleuch­tet anhand von Ori­gi­nal­ge­mäl­den und Archi­va­li­en die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Por­träts sowie sei­ne facet­ten­rei­che Wir­kungs­ge­schich­te. Wie kein ande­res Beet­ho­ven-Bild inspi­rier­te Stie­lers Por­trät Künst­ler welt­weit.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: www.beethoven.de

Vorheriger ArtikelMit CRESCENDO gewinnen
Nächster ArtikelFülle des Wohllauts
Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here