Die Inter­pre­ta­tio­nen des legen­dä­ren „Kna“ haben es in sich. Etwa die Brahms-Sin­fo­ni­en nebst „Ouver­tü­ren“ und „Haydn-Varia­tio­nen“, 1953 bis 1957 teils live mit Orches­tern aus Wien, Dres­den, Mün­chen, Köln auf­ge­nom­men. Wer wür­de heu­te im Fina­le der „Zwei­ten“ ein sol­ches Ruba­to wagen, wer die Pas­sa­ca­glia der „Vier­ten“ so lako­nisch und kan­tig dar­stel­len? Zum Höhe­punkt wird die „Drit­te“ mit den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern (Salz­burg 1956): durch extrem zuge­spitz­te, elek­tri­sie­ren­de Kon­tras­te. Knap­perts­buschs Bruck­ner ist fas­zi­nie­rend und pro­ble­ma­tisch zugleich, weil sei­nen Deu­tun­gen (hier aus Wien, Ber­lin, Mün­chen, 1944 bis 1956) noch nicht die Ori­gi­nal­fas­sun­gen zugrun­de lie­gen. Schmerz­haft, wie vehe­ment Ein­grif­fe in die Instru­men­tie­rung und auch man­che Stri­che Bruck­ners Wil­len zuwi­der­lau­fen – und erstaun­lich, wie die Grö­ße der Musik den­noch wirkt.


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Walter Weidringer
Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

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