Johan­nes Moe­sus, der Grün­der und künst­le­ri­sche Lei­ter der Fest­ta­ge, stellt den ver­ges­se­nen Kom­po­nis­ten Anto­nio Roset­ti vor. 

CRESCENDO: Maes­tro Moe­sus, was zeich­net die Musik Anto­nio Roset­tis aus? 

Johan­nes Moe­sus: Klar­heit, Emp­find­sam­keit, Nai­vi­tät im bes­ten Sin­ne und Humor. Sti­lis­tisch bewegt sich sei­ne Musik im Span­nungs­feld zwi­schen der Wie­ner Klas­sik – Joseph Haydn ist sein gro­ßes Vor­bild – und der Mann­hei­mer Schu­le. Zudem beein­fluss­ten ihn die Volks­me­lo­di­en und musi­ka­li­schen Tra­di­tio­nen sei­ner böh­mi­schen Hei­mat.

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CRESCENDO: Von den Zeit­ge­nos­sen soll Roset­ti mit Haydn und Mozart auf eine Stu­fe gestellt wor­den sein. Aber die Nach­welt hat ihn ver­ges­sen…

Johan­nes Moe­sus: Man­gels akti­ver Erben geriet Roset­ti bald nach sei­nem Tod in Ver­ges­sen­heit. Hin­zu kommt, dass Ende des 18. Jahr­hun­derts ein Wan­del des Geschmacks ein­trat. So wichen die Ver­tre­ter der Klas­sik zurück zuguns­ten der nun „moder­nen“ Kom­po­nis­ten der Früh­ro­man­tik und des Bie­der­mei­ers.

CRESCENDO: Die Roset­ti-Tage fei­ern 2019 ihre 20. Sai­son. Was erwar­tet die Besu­cher?

Johan­nes Moe­sus: Unse­re Kon­zer­te fin­den durch­weg in his­to­ri­schen Sälen und Kir­chen statt. Die aus­ge­wähl­ten Beset­zun­gen ent­spre­chen denen, für die Roset­ti kom­po­nier­te. In unse­rer Jubi­lä­ums­aus­ga­be wid­men wir uns zum Bei­spiel inten­siv Roset­tis Streich­quar­tet­ten. Das viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Gold­mund-Quar­tett gas­tiert dazu auf Schloss Amer­din­gen. Auf Schloss Har­burg spielt das Blä­se­rok­tett Vec­chio Leg­no auf his­to­ri­schen Instru­men­ten Wer­ke von Roset­ti, Mozart und Beet­ho­ven. Zwi­schen den aus­ge­wähl­ten Wer­ken Dia­lo­ge her­zu­stel­len, gehört eben­falls zu unse­rem dra­ma­tur­gi­schen Kon­zept. So füh­ren wir eine Mes­se Roset­tis zusam­men mit geist­li­cher Musik Leo­pold Mozarts auf, des­sen Geburts­tag sich zum 300. Mal jährt. Im Abschluss­kon­zert auf Schloss Bald­ern, das von Deutsch­land­funk Kul­tur mit­ge­schnit­ten wird, spielt Albrecht May­er ein Obo­en­kon­zert Roset­tis, beglei­tet vom Baye­ri­schen Kam­mer­or­ches­ter Bad Brü­cken­au unter mei­ner Lei­tung. Dazu tre­ten Sin­fo­ni­en Roset­tis und Haydns. 

CRESCENDO: Gibt es noch Wer­ke von Roset­ti zu ent­de­cken?

Johan­nes Moe­sus: Das Kern­re­per­toire haben wir weit­ge­hend erforscht, erschlie­ßen es aber fort­lau­fend durch Noten­aus­ga­ben für den Prak­ti­ker, die beim Ama­de­us-Ver­lag erschei­nen. Bis­her weni­ger Beach­tung fan­den Roset­tis an die 80 Kla­vier­lie­der, die mit ihrem emp­find­sa­men Text und Stil an Lie­der Mozarts erin­nern. Auch bei den Sin­fo­ni­en gibt es noch das ein oder ande­re zu ent­de­cken. 

http://rosetti.de/festtage/Rosetti_Flyer_2019.pdf

 

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

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