Mit 27 Jah­ren zählt Jean Ron­deau zu den Shoo­ting­stars der fran­zö­si­schen Barock­sze­ne. Er hat dem his­to­risch ori­en­tier­ten Cem­ba­lo­spiel neue, auf­re­gen­de Impul­se gege­ben, nicht zuletzt auch dank sei­ner Erfah­run­gen als Jazz­pia­nist. Sein neu­es­tes Album wid­met er dem Sona­ten-Pio­nier Dome­ni­co Scar­lat­ti und durch­misst in zehn aus­ge­wähl­ten Stü­cken auf sei­ner far­ben­präch­tig-volu­mi­nö­sen Kopie deut­scher Cem­ba­li das extre­me Spek­trum an Emo­tio­nen, Stim­mun­gen, Tanz­ty­pen und Expe­ri­men­ten, die Scar­lat­ti in 555 sol­cher „Esser­ci­zi“ sich ein­fal­len ließ. Mit genia­li­schem Instinkt für die enor­me Klang- und Aus­drucks­viel­falt des Instru­ments lässt er es sin­gen und tan­zen und lei­den wie ein mensch­li­ches Wesen: So furi­os, so inno­va­tiv, so dra­ma­tisch auf­ge­la­den und elek­tri­sie­rend frisch klan­gen Scar­lat­tis Sona­ten-Expe­ri­men­te noch nie, nicht ein­mal bei den vie­len gro­ßen Pia­nis­ten, die ihn auf moder­nen Flü­geln zu aktua­li­sie­ren such­ten. Ron­deau ist ein wah­rer Ber­ser­ker und der wich­tigs­te Inno­va­tor des Cem­ba­los seit Jahr­zehn­ten.

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Attila Csampai
Attila Csampai ist Chefrezensent bei crescendo. Als gebürtiger Budapester lebt er seit 1957 in München, und studierte hier Musikwissenschaft. Seit 1974 schreibt er Schallplattenkritiken in allen wichtigen Fachzeitschriften. Seine Essays, seine Werkkommentare und vor allem sein zahlreichen Musikbücher sind legendär. 32 Jahre lang war er Musikredakteur und Live-Moderator beim Bayerischen Rundfunk. Seine CD-Sammlung umfasst mehr als 30.000 Alben.

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