Letzt­lich geht es wohl um das Theo­di­zee-Pro­blem, die Recht­fer­ti­gung Got­tes ange­sichts des Übels in der Welt, bei die­sem wun­der­bar quer gedach­ten Kon­zept­al­bum der Came­ra­ta Bern und ihrer künst­le­ri­schen Lei­te­rin, der Gei­ge­rin Patri­cia Kopatchin­ska­ja. Das Pro­gramm erstreckt sich vom 20. bis zurück ins 14. Jahr­hun­dert und ent­rückt einen beim Hören rasch in eine eige­ne Welt. Von Hart­manns bezie­hungs­reich (an)klagendem Con­cer­to funebre (1939) span­nen sich Brü­cken zu jüdi­schen, katho­li­schen und rus­sisch-ortho­do­xen Bei­trä­gen.

Lässt die Inten­si­tät in jedem Takt wider­hal­len: die Came­ra­ta Bern
(Foto: © Julia Wese­ly)

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Die musi­ka­li­schen Begeg­nungs­zo­nen, Asso­zia­ti­ons­räu­me und auch Rei­be­flä­chen, die damit erschlos­sen wer­den, set­zen sich fort in Mar­tins Spät­werk Polyp­tique (1973), zwi­schen des­sen sechs Sät­ze Cho­rä­le aus Bachs Johan­nes­pas­si­on tre­ten. Fra­gil und glü­hend, zärt­lich und vol­ler Lei­den­schaft ist Kopatchin­ska­jas Ton; in der Came­ra­ta Bern hallt die­se Inten­si­tät in jedem Takt wider. 

John Zorn, Karl Ama­de­us Hart­mann, Lub­oš Fišer u.a.: „Time &
Eter­ni­ty“,
Patri­cia Kopatchin­ska­ja, Came­ra­ta Bern (Alpha)

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Walter Weidringer
Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

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