Popularität ist vergänglich. Diese Erfahrung musste auch der legendäre Komponist und Geiger Antonio Vivaldi machen. Doch als seine Musik in Italien allmählich aus der Mode kam, wurde er von der Adelsgesellschaft in Prag mit offenen Armen empfangen. Sechs „Konzerte für Violine und Streicher“, die der „rote Priester“ 1730 und 1731 in Böhmen schrieb, hat das italienische Barockensemble Europa Galante unter Leitung von Fabio Biondi eingespielt. Interessant sind die stilistischen Unterschiede zwischen den Stücken in diesem „Korpus“. Einige erinnern an Vivaldis Jugendwerke, während etwa das „Konzert B‑Dur RV 380“ als Zeugnis seiner Reifezeit gelten kann. Im zweiten Satz Andante erkennt man in einer zarten Klangsprache gestaltete Themen, die auch in späteren Opern Vivaldis auftauchen. Die CD ist Teil einer im Entstehen begriffenen Gesamtedition. Sie soll rund 450 meist unbekannte Werke umfassen, die in der Nationalbibliothek Turin entdeckt wurden.

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Corina Kolbe
In Berlins Konzertsälen und Opernhäusern ist die freie Musikjournalistin Corina Kolbe seit Jahren zu Hause. Von der Hauptstadt aus steuert die studierte Romanistin oft Richtung Süden, um über Aufführungen in historischen Theatern ihrer zweiten Heimat Italien oder Klassikfestivals in den Schweizer Alpen zu berichten. Ausführliche Interviews mit Künstlern vor und hinter der Bühne runden ihr Portfolio ab.

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