Exklusiv: Grütters stellt Stiftung der Bayreuther Festspiele auf Prüfstand

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Von Axel Brüggemann

In der Winterpause sorgten Äußerungen der Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die sie auf Anfrage von DPA Anfang Dezember gemacht hatte, für allerhand Irritation. Sie sagte, dass man die Strukturen der Bayreuther Festspiele auf den Prüfstand stellen müsse, und dass die Festspiele in einer „Bringschuld“ stünden. Bei Teilen der Stiftung der Bayreuther Festspiele, in Reihen der Politik und auch bei den Festspielen selber sorgte diese Aussage für Irritationen, da Grütters ihr Vorhaben nicht genauer konkretisierte. 

Nun hat Monika Grütters mir in einem Hintergrundgespräch erklärt, worum es ihr konkret geht. Im Zentrum steht das Verhältnis von Stiftung und GmbH der Bayreuther Festspiele. Dabei handelt es sich um ein komplexes und historisch gewachsenes Konstrukt. Vereinfacht gesagt, ist die Stiftung, an der neben Bund, Land und der Stadt Bayreuth auch die Familie Wagner und die Gesellschaft der Freunde beteiligt sind, Eigentümerin des Festspielhauses. Die GmbH, in der Bund und Land die Mehrheit haben, tritt offiziell als Mieterin des Hauses und als Betreiberin der Festspiele auf und stemmt einen Großteil der nötigen Finanzen. 

Die Stiftungssatzung stammt aus dem Jahre 1973 und wurde seither nur um Zusatzvereinbarungen (etwa, was die Bestimmung von Intendanz und Geschäftsführung betrifft) ergänzt, in vielen Passagen passt der Stiftungsauftrag nicht mehr mit der Rolle der GmbH zusammen, die erst zwischen 1985 und 1987 (damals noch mit Wolfgang Wagner als alleinigem Teilhaber) gegründet wurde. 

Jetzt, da Bund und Land sich als Mehrheit-Teilhaber der GmbH prinzipiell bereit erklärt haben, die 187 Mio. teure Renovierung des Festspielhaues zu übernehmen, will Monika Grütters die Struktur zuvor auf den Prüfstand stellen. Dabei geht es vor allen Dingen um die Frage, ob Bund und Land trotz erheblicher finanzieller Sanierungsleistungen mit Steuergeldern zulassen können und wollen, dass die Stiftung weiterhin alleinige Eigentümerin des Festspielhauses bleibt und das Haus so als „Faustpfand“ der eigenen Mitbestimmung nutzen kann.

Es geht im ersten Schritt darum, dass wir uns klar werden, dass wir den Steuerzahlern gegenüber verpflichtet sind, gerade, wenn sich der Staat mit hohen Millionensummen an den Festspielen beteiligt“, argumentiert die Staatsministerin für Kultur. „Deshalb ist es nötig, einige veraltete Strukturen in Bayreuth mutig und kreativ neu zu denken.“ Gleichzeitig betont Grütters: „Es ist mir wichtig, dass wir die Situation gemeinsam und in konstruktivem Dialog mit Katharina Wagner überprüfen, denn ich schätze ihre Arbeit sehr und arbeite gut mit ihr zusammen. Es geht mir nicht darum, die traditionelle Bedeutung der Familie Wagner für die Bayreuther Festspiele in Frage zu stellen.

Bereits im Januar 2014 tagte – auf Anregung der Kulturstaatsministerin – eine „Arbeitsgruppe Stiftungssatzung“, die aber im Sande verlief. Nun will Monika Grütters den Faden wieder aufnehmen. Auch deshalb, weil der letzte Sommer, in dem Katharina Wagner krankheitsbedingt über lange Zeit ausfiel, gezeigt habe, dass die Strukturen der Bayreuther Festspiele sensibel seien und es für den Bund wichtig sei, in zentralen strukturellen Fragen und Entscheidungen informiert und involviert zu sein. „Die  künstlerische Autonomie der Festspiele wird selbstverständlich und voll umfänglich erhalten bleiben“, sagt Monika Grütters. 

Dieses ist ein Text, der ein Hintergrundgespräch zwischen Axel Brüggemann und Monika Grütters zusammenfasst – er ist mit dem Kulturstaatsministerium abgestimmt.

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