Glück­li­ches Öster­reich, die­sen Ruf hat­te sich das Land im Hin­blick auf sei­ne Wei­ne einst gründ­lich ver­spielt. Doch hat es sei­ne Kri­se hin­ter sich gelas­sen. Dank einer Genera­ti­on, die nach dem Gly­kol-Skan­dal mit glo­ba­ler Offen­heit die regio­na­len Wei­ne in die Spit­zen­gas­tro­no­mie führt.
Nein, die öster­rei­chi­schen Wei­ne sind in den letz­ten drei Jahr­zehn­ten nicht Jahr für Jahr bes­ser gewor­den, weil der Wein­skan­dal des Jah­res 1985, jene Ver­fäl­schung der Wei­ne mit Diethy­len­gly­kol, die Win­zer zum Han­deln gezwun­gen hät­te. Die Wein­qua­li­tä­ten sind in ers­ter Linie bes­ser und bes­ser gewor­den, weil – wie in vie­len ande­ren euro­päi­schen Wein­re­gio­nen in die­ser Zeit – eine neue, bes­tens aus­ge­bil­de­te, teils durch die gan­ze Welt gejet­te­te, jun­ge Win­zer­ge­nera­ti­on her­an­ge­wach­sen ist, die ein­fach Mut zum Risi­ko, die nöti­ge Ener­gie, den Wil­len und auch das Zeug zu einem Neu­start in sich trug.

Das Bundesland Niederösterreich besitzt das größte Weinanbaugebiet Österreichs.
(Foto: © Herbert Lehmann)

In die­ser Zeit, 1986, wur­de auch die ÖWM (Öster­reich Wein Mar­ke­ting GmbH) zur Image- und Absatz­för­de­rung gegrün­det. Sie hat an der posi­ti­ven Ent­wick­lung des Wein­mark­tes einen gro­ßen Anteil, nicht zuletzt wegen der welt­wei­ten Enga­ge­ments und Ein­la­dun­gen mit öster­rei­chi­schen Pre­mi­um­win­zern und deren Wei­nen.

Das Burgenland ist die Rotweinecke Österreichs.
(Foto: © Philipp Forstner)

In die­sem Jahr war ich nun in Öster­reich zum Wein­gip­fel-Tref­fen ein­ge­la­den, das unter dem Mot­to „Wein­ge­schich­te mit Ter­ro­ir-Schnitt­stel­len im Her­zen Euro­pas“ stand. Die Rei­se führ­te in die Wein­an­bau­ge­bie­te zu den angren­zen­den Län­dern Tsche­chi­en, Slo­wa­kei, Ungarn, ­Slo­we­ni­en und Süd­stei­er­mark.

Geschaffen von Vulkanen aus der Zeit des Miozäns wurde das Vulkanland Steiermark.
(Foto: © Anna Stöcher) 
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Kli­ma­tisch betrach­tet befin­den sich Öster­reichs bedeu­tends­te Wein­re­gio­nen vor­wie­gend im Osten. Flä­chen­mä­ßig ist Nie­der­ös­ter­reich mit 50 Pro­zent das größ­te und auch bedeu­tends­te Anbau­ge­biet. Es grenzt an die Tsche­chi­en und Slo­wa­kei, wäh­rend das Bur­gen­land in gan­zer Län­ge an Ungarn, die Stei­er­mark und ganz im Süden an Slo­we­ni­en stößt.
Neben viel Geschich­te und Wein­his­to­rie, die uns dort prä­sen­tiert wur­den, konn­ten wir wun­der­ba­re Wei­ne pro­bie­ren, vie­le von Wein­gü­tern, die mir schon vor Jah­ren auf­ge­fal­len sind und deren Wei­ne immer noch bes­ser wer­den.

DAS WEINGUT WIENINGER IN WIEN

Blick von den Wein­gär­ten auf dem Bisam­berg hin­un­ter auf Wien
(Foto: © Her­bert Leh­mann)

Was wäre Wien ohne sei­ne Sehens­wür­dig­kei­ten wie das Rie­sen­rad, Schloss Schön­brunn oder die Hof­burg? Nicht aus­zu­den­ken! Das gilt auch für den „Wie­ner Gemisch­ten Satz“.

War­tet mit einer Wie­ner Spe­zia­li­tät auf: Fritz Wien­in­ger 

Das ist ein Wein aus ver­schie­de­nen wei­ßen Reb­sor­ten, die frü­her in einem Wein­berg zusam­men­ge­pflanzt wur­den, um so grö­ße­re Ern­te­aus­fäl­le aus­zu­glei­chen. Heu­te ist es die Spe­zia­li­tät der Stadt, wie das Wie­ner Schnit­zel selbst.

 

2018 Wie­ner Gemisch­ter Satz, Wien­in­ger

Ein facet­ten­rei­ches Aro­ma von Birnen‑, Man­go,- Honig­me­lo­nen- und Mira­bel­len­no­ten. Ganz zar­te Säu­re­struk­tur, wohl­pro­por­tio­nier­ter Kör­per, sehr frisch, leicht, fet­zig im Gau­men. Fei­ner Trink­fluss, reiz­vol­ler Abgang. Macht Lust auf ein zwei­tes Glas. Ein idea­ler Alles­kön­ner zu Vor­spei­sen mit Sala­ten oder Gemü­se, Fisch oder Frisch­kä­se oder auch zum Wie­ner Schnit­zel mit Erd­äp­fel­sa­lat.

 


DAS WEINGUT BERNHARD OTT IM NIEDERÖSTRREICHISCHEN WAGRAM

Die niederösterreichische Weinstraße Wagram profitiert von den Fossilien und Mineralien des Rheischen Ozeans, der sich hier vor Millionen von Jahren erstreckte.
(Foto: © Anna Stöcher)

Mit den Wei­nen des neu­en Jahr­gangs 2018 fei­ert das Wein­gut Bern­hard Ott den 30. Jahr­gang sei­nes legen­dä­ren Grü­nen Velt­li­ner FASS 4, der sich längst als „die Mar­ke“ unter den Velt­li­nern eta­bliert hat.

Hat sein Weingut auf Biodynamie umgestellt: Bernhard Ott

Qua­si von Anfang an mit dabei, habe ich die Ent­wick­lung des Ott’schen Uni­ver­sums unter der Füh­rung von Juni­or Bern­hard mit­ver­folgt. Sei­ne letz­te und wich­tigs­te Ver­än­de­rung war die tota­le Umstel­lung auf Bio­dy­na­mie, die er aus Respekt vor der Natur mit dem letz­ten Jahr­gang abschlie­ßen konn­te. Die Ein­zel­la­gen­wei­ne, Spie­gel, Stein und Rosen­berg, sind letzt­lich die Krö­nung der Kol­lek­ti­on.

2018 Grü­ner Velt­li­ner 30 Jah­re „Fass 4“, Bern­hard Ott 

Doch das FASS 4 – es ist kein Grand Cru, kein Pre­mier Cru, kei­ne Reser­ve und kei­ne Ein­zel­la­ge – aber im Ott’schen Sinn, von Anfang an, ein Pro­to­typ unter den Grü­nen Velt­li­nern und für mich die Num­mer eins. Ott steht auf Klar­heit, Bril­lanz, Fein­heit, Fri­sche, Fines­se, ein­deu­ti­ge Aro­ma­tik und fei­nen Cha­rak­ter. Der Wein muss schme­cken und klar wie ein Gebirgs­bach durch die Keh­le rin­nen.

 

DAS WEINGUT ALBERT GESELLMANN IN MITTELBURGENLAND

 

Bietet Rotweine auf Weltklasseniveau: das Weingut Gesellmann
im burgenländischen Deutschkreutz

(Foto: © Herbert Lehmann)

In jeder der vier Regio­nen des Bur­gen­lands herrscht ein eige­nes Mikro­kli­ma, gibt es völ­lig ande­re Böden. Allein der Neu­sied­ler See hat mehr als 60 Win­zer.

Neunzigjährige Rebstöcke hat Albert Gesellmann in seinem Weingarten.
(Foto: © Herbert Lehmann) 

Bei­spie­le auf Welt­klas­se­ni­veau, ob Bel­la Rex oder der „G“ von Albert Gesell­mann sind immer dabei. Zwei­fels­oh­ne wird das Wein­gut ins­be­son­de­re mit sei­nen Rot­wei­nen seit Jah­ren als die Pre­mi­um­klas­se des Lan­des gehan­delt.

2016 Bela Rex, Albert Ges­sell­mann 

Bela Rex hat für mich immer wie­der die Ras­se, den Esprit und Kör­per eines ganz edlen Geschöp­fes, vor­aus­ge­setzt man gibt ihm die nöti­ge Zeit zur Rei­fe. In der Jugend, wie sich 2016 der­zeit prä­sen­tiert, strotzt er vor feins­ten Zedern­holz­no­ten, saf­ti­ger roter Frucht und Blau­bee­ren, gerös­te­te Hasel­nuss und feins­ter Gerb­stoff im Rück­aro­ma.

 


DAS WEINGUT WACHTER-WIESLER AM NEUSIEDLER SEE IM BURGENLAND 

Nahe der ungarischen Grenze liegt die burgenländische
Weinbaugemeinde Deutsch Schützen – Eisenberg.

Im Bur­gen­land, der Rot­wein­ecke Öster­reichs, fin­det man aller­bes­te Qua­li­tä­ten. Allein die Sor­te Blau­frän­kisch stieg wie Phö­nix aus der Asche auf.

Christoph Wachter (links im Bild) lenkt die Geschicke des Weinguts Wachter-Wiesler.
(Foto: © Steve Haider)

Bei Wach­ter-Wies­ler hat Chris­toph Wach­ter die Zügel fest im Griff. Sei­ne Phi­lo­so­phi­en wir­ken auf die Qua­li­tä­ten durch­schla­gend.

2015 Blau­frän­kisch Eisen­berg „Alte Reben“, Wach­ter-Wies­ler

Der „Eisen­berg“ wird aus den bes­ten Lagen der Regi­on cuvée­tiert, was zur Fol­ge hat, dass die spe­zi­fi­schen Ter­roirno­ten ex­trem aus­ge­prägt sind. Mein spon­ta­ner Ein­druck in der Nase war Syrah Côte Rotie mit klas­si­scher Wür­ze wie Wachol­der, grü­ner Pfef­fer, Lor­beer, kal­ter Kamin­rauch. Fri­sche Pro­vence­kräu­ter, Kirsch­saft. Das jugend­li­che Tan­nin steppt im Gau­men, for­dert zum Tanz.

 


DAS WEINGUT KOLLWENTZ IN DER BURGENLÄNDISCHEN REGION LEITHABERG  

Chardonnay- Lese im Leithagebirge westlich des Neusiedler Sees, das
bekannt ist für seine Kalkböden

Das Wein­gut Koll­wentz ist ohne Zwei­fel eines der Top-Five-Wein­gü­ter in Öster­reich. In mehr­fa­cher Hin­sicht gilt Anton Koll­wentz als Pio­nier im Qua­li­täts­wein­bau des Lan­des. Er war es, der den Aus­bau tro­cke­ner Weiß­wei­ne in der Regi­on vor­an­trieb, und das jah­re­lang allein auf wei­ter Flur.

Bieten großartige Rotweine und Chardonnays à la Burgund: Andi und Anton Kollwentz

Heu­te zäh­len die im neu­en Holz­fass aus­ge­bau­ten Char­don­nays zur Welt­spit­ze – à la Bur­gund. Dafür sorgt Juni­or Andi eben­so selbst­ver­ständ­lich wie für die groß­ar­ti­gen Roten. Und das seit 30 Jah­ren. Die Wein­gär­ten sind gepflegt wie die Park­an­la­gen von Schön­brunn.

2017 Char­don­nay „Glo­ria“, Koll­wentz, ­Leit­ha­berg

Der 2017 Char­don­nay „Glo­ria“ aus der höchs­ten Lage am Leit­ha­berg mit Kalk­ge­stein, benö­tigt noch ein bis zwei Jah­re Geduld, will man ihn zum bes­ten Zeit­punkt trin­ken, naschen ist erlaubt; fruch­ti­ge Exo­tik pur, Kokos­nuss, saf­ti­ge fri­sche Säu­re im rei­chen Gau­men, die garan­tiert, dass auch ein Jahr­zehnt mehr nicht scha­den kann.

 


DAS WEINGUT NEUMEISTER IM STEIRISCHEN VULKANLAND 

Straden im Vulkanland Steiermark
(Foto: © Gerhard Elze) 

Sau­vi­gnon Blanc in all sei­nen unter­schied­li­chen Aus­bau­ar­ten zählt zu mei­nen bevor­zug­ten Wei­nen, ich kann von die­sem Duft­spek­trum gar nicht genug bekom­men, ver­ste­he aber auch, dass nicht jeder mit den opu­len­ten, vege­ta­len oder fruch­ti­gen Noten glück­lich ist. In der Stei­er­mark, an der Loire und in Neu­see­land ist die Reb­sor­te am stärks­ten ver­tre­ten.

Seit 2006 für Weinbau und Keller verantwortlich: der Winzer und Önologe Christoph Neumeister
(Foto: © Klimek)

Auch bei Neu­meis­ters ist die nächs­te Genera­ti­on sehr erfolg­reich unter­wegs.

2017 Sau­vi­gnon Blanc „Klau­sen“, Neu­meis­ter, Vul­kan­land

Mir gefällt die fri­sche Sti­lis­tik mit aus­ge­präg­ter Fines­se, Mine­ra­li­tät und doch zurück­hal­ten­der Frucht beson­ders gut. ­„Nobles­se obli­ge“ ist bei die­ser Sor­te nicht ein­fach. Der dezen­te Hauch von Exo­tik beginnt bei Ana­nas und endet mit Zitro­ne. Was sich dazwi­schen abspielt, müs­sen Sie pro­bie­ren. So viel sei gesagt: Der Wein ist köst­lich.

 

Bezug: Furo­re Rot­Weiss­Rot: www.weinfurore.de

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