Staatstheater Hannover Händel: „Trionfo“

Verfügbar bis 9. April 2021

Die Bedeutung des Lebens in einer Oper

Vier Leben am Scheidepunkt. Vier Menschen im Dunkel der Nacht, wenn allein die Hoffnung – auf eine noch so leise Antwort – das Zimmer erhellt.

In Händels Oratorium „Il trionfo del tempo e del disinganno“(1707) liegen die Lust, am Leben zu sein, und die Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit im Streit. Dabei vermag es der Komponist in seinem frühen Meisterwerk, der Gleichzeitigkeit des Unvereinbaren klare emotionale Räume zu öffnen. Was bedeutet es, am Leben zu sein – und was, die Erfüllung dieses Leben einzufordern? Und wer bin ich noch, wenn der Spiegel mich nur schweigend ansieht? In Händels Musik beginnen die Fragen zu schweben.

Handlung:

Was ist Wahrheit, und wie sähe ein Leben in Einklang mit ihr aus? Diese Frage steht im Kern von Georg Friedrich Händels frühem Oratorium Il Trionfo del Tempo e del Disinganno, das 1707 in Rom entstand. Vier Allegorien – Bellezza, die Schönheit, Piacere, das Vergnügen, Tempo, die Zeit, und Disinganno, die Erhellung bzw. Desillusionierung – liegen hier miteinander im Streit; am Ende hat die Schönheit eine Ahnung des Wahrhaftigen erfahren und schaut hoffnungsfroh in die Zukunft. Soweit das religiös geprägte Libretto. In Händels zupackender, dabei immer transparent aufleuchtender Musik wird die reine moralische Belehrung des Textes darüber hinaus zum konkreten Ringen um existentielle Fragen.

Diese Dringlichkeit greift auch die Inszenierung auf, indem wir die vier Allegorien in Menschen aus Fleisch und Blut verwandelt erleben. Sie heißen hier B., P., T. und D. und stehen mitten im Leben auf der Schwelle zu einem ungewissen Morgen. Die Hausfrau und Mutter B. fragt sich: Wer bin ich eigentlich jenseits von der Aufopferung für die Familie? Die lebenshungrige P. ist durch eine tödliche Krankheit mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. T. hat das Gefühl, im falschen Körper geboren zu sein. Und D., der Schriftsteller, fragt sich, wie er sich einen Reim machen soll auf eine mehr und mehr unverständliche Welt. Trionfo. Vier letzte Nächte ist ein Stück über die verzweifelte Lust, am Leben zu sein. Es strahlt Melancholie aus – und ist doch nicht ohne Hoffnung für die vier Figuren, denn im utopischen Raum des Musiktheaters wird ihre Sehnsucht nach Begegnung erhört.

(Text von der Website OperaVision)

Staatsoper Hannover
Solist*innen: Sarah Brady, Sunnyboy Dladla, Nina van Essen, Nicholas Tamagna