Die­ser (Uraufführungs-)Mitschnitt aus dem Salz­bur­ger Mozar­te­um von 2005 ist dop­pelt span­nend. Ers­tens, weil Mozarts Requi­em ohne jede Ergän­zung erklingt und somit radi­kal ein Tor­so bleibt. Das fokus­siert das Hör­erleb­nis auf das Wesent­li­che, also das, was Mozart als ers­tes nie­der­ge­schrie­ben hat: den vier­stim­mi­gen Vokal­satz. Zwei­tens, weil Georg Fried­rich Haas in die Leer­stel­len sie­ben Klang­räu­me setzt und mit sei­nem Auf­trags­werk expres­siv auf Mozart reagiert – in der Anmu­tung, wir wür­den in die Fie­ber­träu­me des Ster­ben­den hin­ein­lau­schen. Nach dem Lacri­mo­sa bedeu­tet das geräusch­haf­te Karg­heit, ansons­ten bil­det ein Brieftext von 1791 die Grund­la­ge: jenes in star­rem Büro­kra­ten­deutsch abge­fass­te Schrei­ben, in dem Mozart eine unbe­zahl­te Stel­le am Ste­phans­dom zuge­spro­chen bekommt. Im Gan­zen klingt das nicht nur his­to­risch und zeit­ge­nös­sisch infor­miert, son­dern auch beklem­mend, tröst­lich und erha­ben zugleich. 

ANZEIGE

Vorheriger ArtikelEin Befreiungsschlag
Nächster ArtikelÜppige Schwelgerei
Walter Weidringer
Walter Weidringer lebt und arbeitet als Musikwissenschaftler, Journalist und Kritiker in Wien. Seit seiner Mittelschulzeit schreibt und spricht er über Musik und ihre Interpretation: in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften, Programmheften, bei Vorträgen und im Radio. Fit hält er sich damit, beim Eintragen in die Datenbank seiner CD-Sammlung nie mehr als drei Laufmeter im Rückstand zu sein.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here