Willkommen in der neuen Klassik-Woche,

die­ses Mal mit irri­tie­ren­den Män­ner- und Frau­en­bil­dern, einem neu­en jun­gen Diri­gen­ten und Bekennt­nis­sen von Jonas Kauf­mann.

WAS IST

SCHÖN VERWIRRENDE FRAUENBILDER

Wel­che Rol­len wol­len Künst­le­rin­nen ver­kör­pern? Irri­ta­tio­nen von Yuja Wang und Ceci­lia Bar­to­li.

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Die Rol­len­bil­der von Mann und Frau gera­ten durch­ein­an­der – zu sehen an zwei mehr oder weni­ger spek­ta­ku­lä­ren CD-Covern: Ceci­lia Bar­to­li ver­klei­det sich für ihr neu­es Fari­nel­li-Album als Con­chi­ta Wurst, und Yuja Wang gewinnt trotz eines fürch­ter­li­chen Covers in der Kate­go­rie „Instru­men­tal“ einen Gra­mo­pho­ne Clas­si­cal Music Award 2019.

WEITERE KRITIK AN MAUSER

Nach dem Gefäng­nis-Urteil für den ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten der Münch­ner Musik­hoch­schu­le, Sieg­fried Mau­ser, hört die Kri­tik an der Baye­ri­schen Aka­de­mie der Schö­nen Küns­te nicht auf. Die Sän­ge­rin Bri­git­te Fass­ba­en­der droh­te nun mit Aus­tritt aus der Aka­de­mie, wenn die­se Mau­ser nicht aus­schlie­ße. Gegen­über BR-KLASSIK sag­te sie: „Soll­te die Drei­vier­tel­mehr­heit, die zum Aus­schluss der Per­son M. nötig ist, nicht erreicht wer­den, möch­te ich die Aka­de­mie, die ihren Nim­bus des vor­bild­li­chen und fun­dier­ten Umgangs mit den ‚Schö­nen Küns­ten‘ auch im Sin­ne der Inte­gri­tät ihrer Mit­glie­der für mich ver­lo­ren hät­te, ver­las­sen.“ Inzwi­schen hat auch die Mez­zo-Sopra­nis­tin Maria Col­li­en ihre Vor­wür­fe gegen Mau­ser ver­öf­fent­licht.

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Mariss Jansons – Die SACD-Aufnahmen

Zum zehn­jäh­ri­gen Bestehen des BR-KLASSIK Labels bie­tet die­se 10 SACD-Box Höhe­punk­te aus dem reich­hal­ti­gen Reper­toire von Mariss Jan­sons und dem Chor und Sym­pho­nie­or­ches­ter des Baye­ri­schen Rund­funks.

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KAUFMANNS KLASSIK-WELT

Wäh­rend Jonas Kauf­mann bei der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Wien-Albums im Wie­ner Kon­zert­haus eher mit gemisch­ten Gefüh­len gefei­ert wur­de, sorg­te er mit einem Inter­view in der Augs­bur­ger All­ge­mei­nen für Auf­se­hen. „Sicher hat es die berühmt-berüch­tig­te Beset­zungs­couch in man­chem Büro gege­ben – über Jahr­zehn­te hin­weg. Das ist ein dunk­les Kapi­tel“, sag­te Kauf­mann. „Frü­her muss­ten die Betrof­fe­nen abwä­gen, ob sie lie­ber still­hal­ten oder sozu­sa­gen einen ‚Skan­dal‘ pro­vo­zie­ren und ihre Lauf­bahn vor­zei­tig been­den“, führ­te er aus. „Das ist hof­fent­lich heu­te nicht mehr der Fall.“ Außer­dem fin­det er, dass die Situa­ti­on für Regis­seu­re heu­te schwe­rer gewor­den sei: „Für Regis­seu­re ist es kom­pli­zier­ter gewor­den, Lie­bes­sze­nen zu insze­nie­ren“, sag­te der 50-Jäh­ri­ge. „Wenn frü­her einer zu weit gegan­gen ist, wur­de das viel­leicht dadurch gere­gelt, dass er in der Pro­be eine Ohr­fei­ge bekom­men hat. Jetzt muss ein Regis­seur extrem viel dar­über nach­den­ken, was er ver­mit­teln darf, ohne sei­ne Dar­stel­ler zu Anzüg­lich­kei­ten zu ver­lei­ten.“ Glaub­haf­te Lie­bes­sze­nen auf der Büh­ne sei­en heu­te „ein sehr schma­ler Grat“.

CONCERTGEBOUW MIT BEKENNTNIS

Die Spe­ku­la­tio­nen ver­dich­ten sich. Wird Jaap van Zweden neu­er Chef des Con­cert­ge­bou­wor­kest?  Genährt wird die Ver­mu­tung durch einen Preis, den das Orches­ter dem hol­län­di­schen Lands­mann nun ver­lie­hen hat – der­zeit ist der 58-jäh­ri­ge van Zweden Chef des New York Phil­har­mo­nic. 

WAS WAR

Alles Wal­zer – die Gran­de Dame des Opern­balls, Lot­te Tobisch, ist gestor­ben.

GROSSE FEIER FÜR ZUBIN MEHTA

Vor drei Wochen habe ich Zubin Meh­ta noch in sei­ner alten Oli­ven-Müh­le bei Flo­renz besucht – Aus­ru­hen vor den gro­ßen Fei­er­lich­kei­ten. Die gin­gen nun in Isra­el über die Büh­ne: Gro­ßer Auf­marsch bei Meh­tas Abschied vom Isra­el Phil­har­mo­nic Orches­tra. All sei­ne Weg­ge­fähr­ten kamen, um mit ihm zu spie­len. Ein­zig der Gei­ger Itz­hak Perl­man hat abge­sagt. Am Ende der Fei­er­lich­kei­ten dann die trau­ri­ge Nach­richt, dass der 83-jäh­ri­ge Meh­ta sich erneut einer The­ra­pie unter­zieht und des­halb am Ende des Jah­res zwei Kon­zer­te in Ita­li­en absa­gen muss.  

AUF UNSEREN BÜHNEN

Hans Wer­ner Hen­zes Oper The Bassarids stand an der Komi­schen Oper in Ber­lin auf dem Pro­gramm: Regis­seur Bar­rie Kos­ky zeigt einen Nah­kampf zwi­schen dem ver­füh­re­ri­schen Dio­ny­sos und dem nüch­ter­nen Pen­theus. „Vor allem musi­ka­lisch ein beein­dru­cken­der Abend“, fin­det Uwe Fried­rich im Deutsch­land­funk. +++ Die Donau­eschin­ger Musik­ta­ge gin­gen ges­tern zu Ende – das Eröff­nungs­kon­zert ist hier nach­zu­se­hen. +++ Gro­ße Begeis­te­rung über das Gespenst von Can­ter­vil­le von Mari­us Felix Lan­ge an der Wie­ner Volks­oper (Regie: Phil­ipp M. Krenn, Diri­gent: Ger­rit Prieß­nitz) – Peter Jaro­lin fin­det, es spu­ke nach allen Regeln der Büh­nen­kunst.

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Neues aus Dresden:
Thielemann dirigiert Schumann

Chris­ti­an Thie­le­mann und sei­ne Staats­ka­pel­le Dres­den nah­men Robert Schu­manns Sin­fo­ni­en 2018 mit auf Japan-Tour­nee. Die Mit­schnit­te die­ser Kon­zer­te sind nun samt Bonus­ma­te­ri­al auf DVD und Blu-ray erhält­lich.

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PERSONALIEN DER WOCHE

15.000 Euro Preis­geld und gro­ße Auf­merk­sam­keit für den Spa­ni­er Julio Gar­cía Vicoer hat den Deut­schen Diri­gen­ten­preis gewon­nen. +++ Dmi­tri Hvor­ostovs­ky hat eine Sta­tue in Mos­kau bekom­men – sie wur­de am 16. Okto­ber, dem 57. Geburts­tag des Sän­gers, von sei­nen Eltern auf­ge­stellt. Hvor­ostovs­ky starb vor zwei Jah­ren in Lon­don an Krebs. +++ Pláci­do Dom­in­go wur­de in Zürich als Nabuc­co gefei­ert, die­se Woche gibt er den Mac­beth in Wien. +++ Rai­ner Meh­lig, der lang­jäh­ri­ge Bun­des­ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des deut­scher Musik­schu­len, ist im Altert von 77 Jah­ren gestor­ben. +++ Die Ver­trä­ge des Inten­dan­ten des Lin­zer Lan­des­thea­ters, Her­mann Schnei­der, sowie des Chef­di­ri­gen­ten des Bruck­ner Orches­ters, Mar­kus Posch­ner, wur­den vor­zei­tig ver­län­gert – sie blei­ben bis 2027 im Amt. +++ Lot­te Tobisch, die Gran­de Dame des Wie­ner Opern­balls, ist mit 93 Jah­ren gestor­ben – Tobisch, mit gan­zem Namen Char­lot­te Tobisch-Labo­týn, war die Nach­fah­rin einer öster­rei­chi­schen k.u.k Patri­zi­er­fa­mi­lie, deren Wur­zeln sich bis in das Jahr 1229 zurück­ver­fol­gen las­sen. Ihre Aus­bil­dung erhielt sie im Inter­nat Schloss Mar­quart­stein in Ober­bay­ern und im Wie­ner Sacré Coeur. Ihre Lei­den­schaft zur Schau­spiel­kunst führ­te sie nach Wien ins Kon­ser­va­to­ri­um Horak. Sie mach­te den Opern­ball unver­wech­sel­bar und starb nun nach lan­ger Krank­heit in Baden bei Wien. Wal­ter Wei­d­rin­ger traf sie vor zwei Jah­ren für CRESCENDO.

Aber so ist die Welt, so wür­de es die Tobisch wol­len: Bald heißt es wie­der:
„Alles Wal­zer“ – in die­sem Sin­ne, hal­ten Sie die Ohren steif

Ihr

Axel Brüg­ge­mann

brueggemann@crescendo.de

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Axel Brüggemann
Axel Brüggemann glaubt, dass Musik das Leben verändern kann. Darüber hat er zunächst bei der WELT am SONNTAG geschrieben, bei der er auch Textchef war. Später schrieb er für die FAS und die Jüdische Allgemeine. Heute ist der ehemalige crescendo-Chefredakteur hauptsächlich fürs Fernsehen tätig: für arte, ZDF und SKY. Für seine Bayreuth-Moderationen wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Brüggemanns Dokumentarfilme suchen stets nach dem Zusammenhang von Musik und Mensch.

1 Kommentar

  1. CONCERTGEBOUW MIT BEKENNTNIS

    Die Spe­ku­la­tio­nen ver­dich­ten sich. Wird Jaap van Zweden neu­er Chef des Con­cert­ge­bou­wor­kest? Genährt wird die Ver­mu­tung durch einen Preis, den das Orches­ter dem hol­län­di­schen Lands­mann nun ver­lie­hen hat“

    FALSCH!!! NICHT DAS CONCERTGEBOUW-ORCHESTER HAT DEN PREIS VERLIEHEN, SONDERN DAS CONCERTGEBOUW. Dies sind 2 ver­schie­de­ne Orga­ni­sa­tio­nen. Es ist also kein Bekennt­nis!

    Unter ande­ren wur­den in der Ver­gan­gen­heit BARTOLI, HAITINK ODER DAS CONCERTGEBOUW-ORCHESTER aus­ge­zeich­net.

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