Geister der Vergangenheit

Nino Gvetadze

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Ghosts“ nennt die aus Georgien stammende Pianistin Nino Gvetadze ihr neues Chopin-Album, in dessen Mittelpunkt ihre düster-nachdenkliche Deutung der Préludes des polnischen Klavierrevolutionärs steht: Sie beschwört auf ihrem erstaunlich dunkel klingenden Steinway-D-Flügel die Geister der Vergangenheit und deutet diese 24 enigmatischen Miniaturen als Traumbilder der Nacht, als poetische Reflexionen über die unausweichliche Existenz des Todes. Damit entwirft die in Amsterdam lebende Pianistin die dunkle Gegenwelt etwa zu der jugendlich ungestümen, lebendig pulsierenden Referenzeinspielung Ivo Pogorelichs aus dem Jahr 1989, die entschieden allen Todesgedanken trotzte. Auch Gvetadze erzählt uns eine zusammenhängende Geschichte, setzt 24-mal die Schönheit des Gedankens und das Drama der Verzweiflung gegen das drohende Nichts. Doch sie entlockt diesen „Vorspielen“ eine tiefe spirituelle Kraft, die sofort auch den Hörer bannt und ihn die eigentliche tragische Größe dieser Nachtstücke erleben lässt. Ob Chopin damit schon früh ein schmerzliches Resümee seines kurzen Lebens ziehen wollte, wie sie im Booklet meint, ist dennoch fraglich: Dass diese Aphorismen aber die Essenz seines Schaffens und seiner musikalischen Weltsicht darstellen, das unterstreicht diese fesselnde Einspielung auf besondere Weise. 

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