Fritz Winter gehörte zu den großen Künstlerpersönlichkeiten Deutschlands, die sich der Abstraktion zuwandten. Die Ausstellung „Fritz Winter. documenta-Künstler der ersten Stunde“ zeigt in der Neuen Galerie, Museumslandschaft Hessen Kassel rund 90 Werke Winters aus Malerei, Grafik und Bildwirkerei. Noch ist das Museum geschlossen. Aber es gibt einen virtuellen Rundgang durch die Ausstellung.

Fritz Winter war Maler der ersten Stunde der documenta in Kassel. Die von Arnold Bode initiierte Ausstellung im Fridericianum war nach dem Ersten Weltkrieg die erste große Kunstausstellung moderner Kunst in Westdeutschland. Bode wollte jenen Künstlern Bekanntheit vermitteln, die während des Nationalsozialismus verfemt waren. So stand die abstrakte Kunst der 1920er- und 1930er-Jahre im Mittelpunkt. 

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Ein Einblick in die Ausstellung „Fritz Winter. documenta-Künstler der ersten Stunde“

Winters Arbeiten wurden in den ersten drei Ausstellungen 1955, 1959 und 1964 gezeigt. 1905 in Altenbögge geboren, kam Winter 1927 ans Bauhaus. Angeregt von der Lehre Paul Klees und Wassily Kandinskys, fand er zu den naturmythischen Ideen der Künstlergruppe Blauer Reiter in München.

Ein allumgreifendes Sein

Bestimmend für diese Künstler war das Streben nach dem „schöpfungsursprünglichen Punkt“. Es trieb sie die Vorstellung eines allumgreifenden Seins als Ursprung der Bilder. Winter fand im Ungegenständlichen einen Weg, sich der inneren Wirklichkeit anzunähern.

Fritz Winter: Gelber Klang, 1950
Fritz Winter: „Gelber Klang“ aus dem Jahr 1950
(Foto: © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, Fritz-Winter-Stiftung.jpg)

Der Nationalsozialismus unterbrach seine Arbeit. 1937 wurden seine Bilder aus den Museen entfernt und enteignet. Zwei Jahre darauf wurde Winter zum Kriegsdienst einberufen. Erst 1949 kehrte er aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Deutschland zurück. 

Schwingende Kraftfelder

Die Kriegserlebnisse gaben seinem Schaffen noch einmal einen bedeutsamen Impuls. In schwingenden Kraftfeldern, energetischen Spannungen und kristallinen Strukturen verlieh er seinen Erlebnissen Ausdruck und bahnte sich einen Weg, um zu jenem fernen Punkt vorzudringen, an dem alles zur Deckung kommt. 

Fritz Winter: Wandlung II
Fritz Winter: „Große Komposition (Wandlung II)“ aus dem Jahr 1953
(Foto: © Fritz-Winter-Haus, Ahlen)

Der Kunsthistoriker Werner Haftmann, der die dritte documenta mitkuratierte, schrieb vom „abstrakten Hermetismus“, dem „fürchterlichen Ausgeschlossensein unserer Vorstellungskraft“. Und er verwies auf das abstrakte Bild als „das Rettende“ zur Bewältigung einer abstrakt gewordenen Welt. Auf Initiative der Fritz-Winter-Stiftung und der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen rekonstruiert die Museumslandschaft Hessen Kassel die zentralen Beiträge Fritz Winters zu den ersten drei documenta-Ausstellungen. Gezeigt werden rund 990 Werke aus Malerei, Grafik und Bildwirkerei.

Weitere Informationen zur Ausstellung „Fritz Winter. documenta-Künstler der ersten Stunde“ unter: museum-kassel.de

Foto Titelbild: Foto Fritz-Winter-Haus, Ahlen_2020 VG Bild-Kunst

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Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit ihrer Promotion 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.