Irgend­wie füh­le ich mich als ein Musi­ker ver­gan­ge­ner Zei­ten, der von sei­nem Mäzen zu Gast gela­den ist“, schrieb Béla Bar­tók 1939 aus dem schwei­ze­ri­schen Saa­nen an sei­nen Sohn. „Du weißt, dass ich als Ehren­gast Sachers hier wei­le. Sie sor­gen aus der Fer­ne voll­stän­dig für mich. Mit einem Wort, ich woh­ne ganz allein – in einem volks­kund­lich inter­es­san­ten Objekt: in einem regel­rech­ten Bau­ern­haus. Die Ein­rich­tung kann jedoch kaum mehr volks­mä­ßig genannt wer­den, da das gan­ze über­kom­for­ta­bel aus­ge­stat­tet ist. Sogar ein Kla­vier haben sie mir aus Bern hier­her geschafft.“ 

Paul Sacher und Béla Bartók 
(By courtesy of Balassi Kiadó, Budapest)
ANZEIGE



1929 bei einem Kon­zert in Basel waren Bar­tók und Paul Sacher, der Diri­gent und Grün­der des Bas­ler Kam­mer­or­ches­ters, ein­an­der vor­ge­stellt wor­den. Aus die­ser ers­ten Begeg­nung erwuchs eine Freund­schaft, der sich eini­ge der groß­ar­tigs­ten Meis­ter­wer­ke ver­dan­ken. 1936 bekam Bar­tók von Paul Sacher den Auf­trag, für die Fei­er des zehn­jäh­ri­gen Bestehens des Kam­mer­or­ches­ters ein Werk für Streich­or­ches­ter und zusätz­li­che Instru­men­te zu schrei­ben. So ent­stand Musik für Sai­ten­in­stru­men­te, Schlag­zeug und Celes­ta. Jah­re spä­ter erin­ner­te sich Sacher an den Auf­trag und mein­te: „Wir konn­ten damals noch nicht wis­sen, dass uns ein wah­res Meis­ter­werk geschenkt wür­de.“ 

Im August 1939 befand sich Bar­tók in jenem Cha­let Ael­len der Sachers im schwei­ze­ri­schen Saa­nen und arbei­te­te an dem von Sacher beauf­trag­ten Diver­ti­men­to für Streich­or­ches­ter. 80 Jah­re Bar­tók in Saa­nen – das 63. Gstaad Menu­hin Fes­ti­val fei­er­te die Wie­der­kehr des Ereig­nis­ses mit einem Jubi­lä­ums­kon­zert. Das Kam­mer­or­ches­ter Basel (Bild oben, © Luka­sz Rajchert) mit Bert­rand Cha­ma­y­ou am Kla­vier spiel­te Bar­tóks Diver­ti­men­to. Felix Mey­er, der Direk­tor der Paul Sacher Stif­tung, erzählt im Video von der Freund­schaft des unga­ri­schen Kom­po­nis­ten mit dem jun­gen Schwei­zer Diri­gen­ten.

Bar­tók weil­te noch in Saa­nen und schrieb an der von dem Gei­ger Joseph Szi­ge­ti beauf­trag­ten Par­ti­tur zum Sechs­ten Streich­quar­tett, als am 1. Sep­tem­ber 1939 der Über­fall Nazi-Deutsch­lands auf Polen erfolg­te. Damit war klar, dass Bar­tok nicht län­ger in Ungarn, des­sen Regie­rung Hit­ler unter­stütz­te, blei­ben konn­te. Szi­ge­ti ver­schaff­te ihm einen gemein­sa­men Auf­tritt in Washing­ton, und im März 1940 reis­te Bar­tók in die USA.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum Fes­ti­val: www.gstaadmenuhinfestival.ch

Vorheriger ArtikelThielemanns Rubikon, Petrenkos Elysium und Says Märchenwald
Nächster ArtikelAuf der Suche nach neuen Klängen
Ruth Renée Reif
Das „flüchtige Ereignis“ in crescendo anzukündigen, ist die Aufgabe von Ruth Renée Reif: Als Erleben-Redakteurin spürt sie mit detektivischem Eifer packende, hören- und sehenswerte Veranstaltungen für uns auf. Ruth Renée Reif studierte in Wien Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und ist seit 1987 in München als freie Journalistin und Publizistin tätig. Zu ihren Veröffentlichungen zählen eine Biografie über die Sängerin Karan Armstrong, ein historisches Porträt der Stuttgarter Philharmoniker sowie zahlreiche Gespräche mit Musikern, Schriftstellern und Philosophen.

Artikel kommentieren

Please enter your comment!
Please enter your name here