Anders als die Gei­ge hat­te das Cel­lo nicht das Glück, von Tschai­kow­sky mit einem Solo­kon­zert beschenkt zu wer­den. Das – zuge­ge­be­ner­ma­ßen sehr schö­ne – „Trost­pflas­ter“ sind die klas­sisch inspi­rier­ten „Roko­ko-Varia­tio­nen“. Obwohl Cel­list Dani­el Mül­ler-Schott den Grund­stein sei­ner Kar­rie­re als Preis­trä­ger des pres­tige­trächtigen Tschai­kow­sky-Wett­be­werbs leg­te, fehl­te aus­ge­rech­net die­ses Werk bis­lang in der Viel­falt sei­ner Ein­spie­lun­gen. Nun begibt er sich mit den „Vari­a­tionen“ und wei­te­ren Wer­ken von Tschai­kow­sky, des­sen Freund Gla­sunow und dem ein­zi­gen Stück für Cel­lo und Orches­ter von Rim­ski-Kor­sa­kow auf eine „Rei­se nach Russ­land“. Ein­fühl­sam beglei­tet wird er dabei vom Deut­schen Sym­pho­nie-Orches­ter Ber­lin unter der Lei­tung des bemer­kens­wer­ten jun­gen Diri­gen­ten Aziz Shok­haki­mov. Die rus­si­sche Klang­spra­che har­mo­niert wun­der­bar mit Mül­ler-Schotts tra­gen­dem, im bes­ten Sin­ne schmel­zen­dem Ton und sei­nen schnel­len Fin­gern. Die New York Times beti­tel­te ihn einst als „furcht­lo­sen Spie­ler mit über­ra­gen­der Tech­nik“, und er beherrscht in der Tat die Königs­dis­zi­plin: die Illu­si­on der Leich­tig­keit.


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Sina Kleinedler
Direkt nach ihrem Abi wirbelte Sina Kleinedler bereits als Praktikantin durch die crescendo-Redaktion. Ein Musikjournalismus- und Cellostudium in Dortmund und Hannover schlossen an. Heute gibt sie unter anderem regelmäßig Konzerteinführungen in der Philharmonie Köln. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“ (Augustinus Aurelius), lautet ihre Devise.

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