Klavier-Festival Ruhr
Foto: Klavier-Festival Ruhr / Peter Wieler

Ein doppeltes Hurra: Das Klavier-Festival Ruhr wird 30, sein Intendant Franz Xaver Ohnesorg 70!

Er kann es nicht lassen: Selbst im Moment, in dem Franz Xaver Ohnesorg die Ehre angetragen wird, sich ins Goldene Buch der Stadt Wuppertal einzuschreiben, denkt er nur an eines: an „sein“ Festival. Der Musikmanager Ohnesorg ist seit 1995 ohne Unterlass für das Klavier-Festival Ruhr auf den Beinen, und statt sich im Moment des Triumphes einfach feiern zu lassen, tut er das, was er am besten kann: Menschen mobilisieren, das Publikum mit ins Boot nehmen, Aufmerksamkeit generieren.

Ohnesorg möchte für die ganz große Bühne sorgen: Es soll nicht nur ein feierlicher Verwaltungsakt mit ein paar Pressevertretern sein, nein, die Wuppertaler Bevölkerung, die durch ihr bürgerschaftliches Engagement erst solche Veranstaltungsorte wie die historische Stadthalle ermöglicht hat, solle auch zugegen sein. Hier erweist der von Thomas Quasthoff bei der Jubiläumssause in der altehrwürdigen Wuppertaler Stadthalle mit einem durchaus hintergründigen Lächeln als „Sonnenkönig“ titulierte „FXO“ seinem Ruf als Kulturkatalysator wieder einmal alle Ehre.

„Menschen mobilisieren, das Publikum mit ins Boot nehmen, Aufmerksamkeit generieren“

Dass er das in den vergangenen Jahren überaus erfolgreich gemacht und das von einer Stiftung getragene und maßgeblich vom Initiativkreis Ruhr als Generalsponsor unterstützte Klavier-Festival Ruhr zum größten Festival seiner Art weiterentwickelt hat, zeigt schon die Gästeliste: ein Who’s Who der Pianistenzunft, von Alfred Brendel bis Joseph Moog reicht die Spannweite, von Martha Argerich bis zu Gerhard Oppitz. Und natürlich ist der Saal ausverkauft.

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Gefeiert wird an diesem Abend aber nicht nur das 30-jährige Jubiläum des Festivals, auch Ohnesorg selbst feiert Geburtstag, seinen 70. Anzumerken ist ihm das nicht. Das Diktum von Kultur als notwendigem Lebensmittel – der Jubilar scheint der beste Beweis dafür zu sein, ebenso wie sein Festival. Das Programm des gut dreistündigen Abends im Übrigen auch: Moog und Oppitz spielen vierhändig Schubert, Sopranistin Juliane Banse singt ebendiesen, und Olli Mustonen spielt Beethoven-Variationen. Brendel bleibt sich selbst treu und rezitiert Selbstgedichtetes während Sohn Adrian Kurtág spielt, danach hört man Elena Bashkirova mit Tschaikowsky und Martha Argerich nebst Sergio Tiempo mit Ravel – allein die erste Hälfte des Abends ist für sich genommen schon ein Mini-Festival.

„Die weltweit führende Plattform, für Liebhaber der Klaviermusik wie für Pianisten“

Die zweite ist der vermeintlich leichteren Muse vorbehalten: Maki Namekawa und Dennis Russel Davies spielen Bernstein, Anne-Sophie Mutter und Khatia Buniatishvili fetzen Gershwin, bevor mit Till Brönner, Dieter Ilg, Thomas Quasthoff und Frank Chastenier in wechselnden Besetzungen gejazzt wird. Für das furiose Finale sorgt Michel Camilo mit einem umjubelten Auftritt.

Was macht aber nun den Geist des Klavier-Festivals Ruhr aus? „Das Klavier-Festival ist für mich die weltweit führende Plattform, für Liebhaber der Klaviermusik wie für Pianisten. Ich kenne nichts Vergleichbares“, sagt Gerhard Oppitz auf der After-Show-Party. Auch für Joseph Moog spielt das Festival eine besondere Rolle: „Hier ist das Zuhause für die großen Pianisten der Welt. Hier sind schon viele Freundschaften entstanden, hier gibt es oft ganz spontane Begegnungen.“ Für den Dirigenten und Pianisten Dennis Russel Davies hat es mit dem Festival zudem eine sehr persönliche Bewandtnis: Hier ist er nicht nur unzählige Male aufgetreten, hier hat er auch seine Frau kennengelernt. Hier erhalte man, so erzählt er, nach der Probe auch mal eine Kunstführung durch den Intendanten höchstpersönlich. Vor allem eins hat ihn sehr beeindruckt: „Hier gibt es ein sehr interessiertes und offenes Publikum.“

KLAVIER-FESTIVAL RUHR
Information und Kartenservice:
Tel.:+49-(0)201-89 66 80
www.klavierfestival.de

 

Guido Krawinkel
Guido Krawinkel schreibt über alles, was mit Musik zu tun hat. Dem Studium der Musikwissenschaften in Bonn folgten Tätigkeiten in der Tonträgerbranche, beim Radio und im Verlagswesen sowie eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker. Als freier Journalist arbeitet Guido Krawinkel für Zeitungen, Zeitschriften und Konzerthäuser, schreibt Rezensionen, CD-Booklets und Programmeinführungen und ist Mitglied in der Jury des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Der begeisterte Chorsänger hält es mit Loriot: Ein Leben ohne Chor ist möglich, aber sinnlos.

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