Graham Waterhouse lässt sich von Meeresungeheuern inspirieren und stellt neue Kompositionen vor. 

Skylla und Charybdis“ sind nicht nur die Namen zweier Meeresungeheuer, die unter anderem Odysseus das Leben schwer machten, sondern sie geben auch dem neuen Kammermusik-Album des britischen, in der Nähe von München lebenden Komponisten und Cellisten Graham Waterhouse seinen Titel. Waterhouse erkennt in der Redewendung „zwischen Skylla und Charybdis sein“ (sich für eines von zwei Übeln entscheiden müssen) das Schicksal des zeitgenössischen Komponisten schlechthin, denn zu Beginn eines jeden neuen Werkes muss dieser Grundsatzentscheidungen treffen, Entscheidungen zwischen Tonalität und Atonalität, zwischen traditionellen oder experimentellen Formkonzepten. 

Graham Waterhouse
Setzt auf freie, erzählende Formen: der Komponist und Cellist Graham Waterhouse
(Foto: © Farao classics)

Waterhouse entwickelt seine Kompositionen oftmals aus wiedererkennbaren melodischen Fragmenten, beispielsweise das Dies Irae in der Rhapsodie Macabre (2012) für Klavier und Streichquartett oder aber die Nationalhymnen Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens, die er in Trilogy (2013) kurzweilig kombiniert. Ostinato-Strukturen oder der Klang von Glocken können ebenfalls als Inspirationsgrundlage dienen. Auch in der Titelkomposition Skylla und Charybdis (2014) setzt er dabei auf freie, erzählende Formen, die allerdings mitnichten Programmmusik sind, sondern erstaunlich abstrakt funktionieren – und den Reiz dieses Albums ausmachen.

Graham Waterhouse: „Skylla und Charybdis” (Farao classics)

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